Einkommen

In diesen Gemeinden wohnen die reichen und armen Aargauer Steuerzahler

Neuste Zahlen des Kantons zeigen, in welchen Gemeinden die Einwohner dank ihren guten Einkommen mehr Steuern bezahlen. Und eine Untersuchung des Bundes belegt: Der Aargau schöpft die Wirtschaftskraft der Bevölkerung weniger stark aus als andere Kantone.

Mathias Küng
Drucken
Teilen
Die Steuerstatistik der natürlichen Personen des Kantons Aargau für das Steuerjahr 2013 ist erschienen.

Die Steuerstatistik der natürlichen Personen des Kantons Aargau für das Steuerjahr 2013 ist erschienen.

Keystone

Die Zahl der Steuerpflichtigen ist im Kanton Aargau 2013 um 1,5 Prozent gestiegen. Dies besagt die eben publizierte, neuste Steuerstatistik für natürliche Personen. Das durchschnittliche Reinvermögen nahm gleichzeitig gar um 2,9 Prozent zu. 2013 waren 358 593 natürliche Personen im Aargau steuerpflichtig (Ehepaare werden dabei als ein Steuerpflichtiger gezählt). Auch hier gab es gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung, und zwar um 1,5 Prozent.

Das durchschnittliche Reineinkommen (ganzes Einkommen minus Berufskosten und allgemeine Abzüge) betrug 67 073 Franken. Mit einem Anstieg um 335 Franken gegenüber 2012 betrug die Zuwachsrate damit 0,5 Prozent. Das durchschnittliche steuerbare Einkommen in Höhe von 61 835 Franken stieg gleichzeitig um 0,6 Prozent an. Insgesamt erwirtschafteten die Steuerpflichtigen ein steuerbares Einkommen von rund 22,2 Milliarden Franken.

286 000 Fr. Vermögen im Schnitt

Das durchschnittliche Reinvermögen der Steuerpflichtigen im Aargau wuchs gegenüber 2012 um immerhin rund 2,9 Prozent und betrug 285 923 Franken. Das steuerbare Vermögen pro Steuerpflichtigen belief sich auf 205 890 Franken (plus 4,4 Prozent). Insgesamt sammelte sich im Aargau ein steuerbares Vermögen von 73,8 Milliarden Franken. Die einfache Kantonssteuer auf das Einkommen und Vermögen betrug rund 1,357 Milliarden Franken.

Unsere Kantonsgrafik zeigt, wo im Aargau mehr Besserverdienende wohnen, was sich auf den durchschnittlichen Ertrag bei der einfachen Kantonssteuer entsprechend auswirkt. Deutlich zu erkennen ist der «Speckgürtel» im Grossraum Baden und auf dem Mutschellen sowie in nördlichen Agglomerationsgemeinden von Aarau. Im Bezirk Rheinfelden zeigen sich deutlich die positiven Folgen guter Löhne in der Pharmaindustrie.

Jeder Zweite unter 50 000

Dies sind Durchschnittszahlen, beim Einkommen gibt es im Aargau aber grosse Unterschiede. Rund 48 Prozent der Steuerpflichtigen wiesen ein steuerbares Einkommen von weniger als 50 000 Franken auf und trugen rund 12 Prozent zur einfachen Einkommenssteuer bei. Auf der anderen Seite verfügten rund 14 Prozent der Steuerpflichtigen über ein steuerbares Einkommen von 100 000 Franken oder mehr. Sie trugen rund 48 Prozent zur einfachen Einkommenssteuer bei.

Rund 67 Prozent der Steuerpflichtigen im Aargau verfügten 2013 über kein steuerbares Vermögen. Hingegen besassen rund 5 Prozent der Steuerpflichtigen ein solches von 1 Million Franken oder mehr. Diese entrichteten im Kanton Aargau rund 66 Prozent der einfachen Vermögenssteuer.

Aargau nutzt Potenzial weniger

Zeitgleich mit der jüngsten Aargauer Steuerstatistik hat der Bund eine Untersuchung mit dem Titel «Steuerausschöpfungsindex 2017» publiziert. Diese besagt, wie stark die wirtschaftliche Kraft der Steuerpflichtigen abgeschöpft wird. Genf nutzt dieses Potenzial am stärksten, Schwyz am wenigsten. Im Aargau geschieht dies unterdurchschnittlich.

Was sagen kantonale Politiker dazu? FDP-Fraktionschef Bernhard Scholl steht Statistiken skeptisch gegenüber. Das ist hier nicht anders, wird darin doch der grösste Kanton Zürich enorm stark bewertet. Doch wenn sich bei kleinen Kantonen wie Obwalden etwas ändert, beeinflusst dies die Statistik kaum. Diese bestätigt für Scholl jedoch, dass der Aargau als relativ ressourcenschwacher Kanton halt auch ein tiefes Steuerpotenzial hat: «Unser Problem ist, dass uns die ganz Reichen fehlen, ebenso haben wir nur wenige Grossfirmen, die richtig gut Steuern zahlen.»

Sollte der Aargau, der die Steuerausschöpfung laut der neusten Berechnung insgesamt leicht erhöht hat, die Steuern deutlich erhöhen wollen, müsste man das auch durchsetzen können. Scholl: «Wer viel hat und wegziehen kann, wird das dann auch tun. Damit ginge der Effekt einer Erhöhung weitgehend verloren. Deshalb müssen wir damit sehr vorsichtig sein.»

Bei Statistiken des Bundes vermisst Scholl eine Erhebung der Effizienz auf der Ausgabenseite, «damit man auch sauber analysieren kann, warum beispielsweise im Gesundheitswesen eine derartige ungebremste Kostensteigerung stattfindet.» Für Scholl ist deshalb klar: «So lange wir die Ausgaben nicht im Griff haben, kommen Steuererhöhungen sowieso nicht infrage.»

SP: Längst genug vom Abbau

Ganz anders sieht dies SP-Co-Fraktionschef Dieter Egli. Der Kanton habe «aufgrund der fatalen Steuerpolitik der bürgerlichen Mehrheit zu wenig Mittel, um seine Aufgaben zu erfüllen». Das zeige sich jetzt besonders deutlich beim Bildungsabbau, aber auch im Sozialbereich und beim Staatspersonal, dem man schon wieder eine Nullrunde zumuten wolle. Egli: «Nach dem klaren Nein des Volkes zum ersten Sparpaket im März 2015 hat die Abstimmung vom 27. November bestätigt, dass die Menschen im Kanton Aargau längst genug vom Abbau haben.»

Ohne die Steuersenkungen von 2008 und 2012 hätte der Kanton die nötigen Mittel, es bräuchte keine wiederkehrenden Abbaurunden. Egli: «Ich bin überzeugt, der Aargau wäre trotzdem nicht über dem Durchschnitt der Schweizer Kantone.»