Hilfsaktion
Abfahrt an Heiligabend: Aargauer hilft Flüchtlingen auf der Balkanroute

Stefan Dietrich aus Bremgarten hat über ein Dutzend Hilfsaktionen auf der Balkanroute durchgeführt. Über die Weihnachtstage fährt er erneut nach Bosnien-Herzegowina, um Schlafsäcke, Schuhe und Lebensmittel in Flüchtlingslagern zu verteilen. In der Schweiz unterrichtet der Lehrer Kinder, die auf der Flucht in diesen Lagern waren.

Fabian Hägler
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Stefan Dietrich hat schon zahlreiche Hilfsaktionen auf der Balkanroute durchgeführt – unter anderem in einem provisorischen Lager in Velika Kladusa.

Stefan Dietrich hat schon zahlreiche Hilfsaktionen auf der Balkanroute durchgeführt – unter anderem in einem provisorischen Lager in Velika Kladusa.

Bilder: Stefan Dietrich / ZVG, Montage: AZ

In den letzten Wochen stand besonders die Situation von Flüchtlingen an der Grenze zwischen Belarus und Polen im Fokus. Bei einem Grenzübergang kam es vergangene Woche zu heftigen Ausschreitungen, die polnische Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Menschen, die vor allem aus Syrien, dem Irak und Afghanistan kommen, am Grenzübertritt zu hindern.

Während diese Flüchtlingskrise organisiert ist – der weissrussische Diktator Alexander Lukaschenko lässt Flüchtlinge nach Belarus einfliegen und an die EU-Grenze schaffen – sind auf der Balkanroute weiterhin zahlreiche Menschen unterwegs, die auf eigene Faust einen Weg nach Europa suchen.

Stefan Dietrich, Co-Präsident der SP Migrant*innen Aargau und Geschäftsleitungsmitglied der SP Aargau, war in den letzten Jahren mehrfach in Bosnien, um Flüchtlingen in Not zu helfen. Der Bremgarter ist Projektleiter des Vereins «Help Now» und organisierte seit Beginn der Migrationskrise entlang der Balkanroute 2015 ein gutes Dutzend Hilfsaktionen. Die letzte führte Dietrich im Februar 2020 nach Bosnien, begleitet wurde er dabei unter anderem von SP-Schweiz-Co-Präsident Cédric Wermuth.

Derzeit werden noch Schlafsäcke gesammelt

«Seither haben wir wegen der Coronapandemie keine Hilfstransporte mehr organisiert, wir wollten nichts riskieren», sagt Dietrich. Doch diesen Herbst war er in Bosnien, um die Lage abzuklären, und über die Weihnachtsfeiertage soll erneut eine Hilfsaktion stattfinden. Die Abfahrt ist für Heiligabend geplant, das Team besteht aus maximal vier Personen, um das Risiko wegen Corona zu minimieren, sagt der Bremgarter. Derzeit sammelt Dietrich noch Schlafsäcke, die er in seinem Kleinbus mitnimmt – und er hofft auf Geldspenden.

«Es ist viel effizienter, wenn wir vor Ort die nötigen Hilfsgüter für die Menschen kaufen, in Bosnien gibt es warme Schuhe für 10 Franken, diese aus der Schweiz dorthin zu transportieren, wäre viel teurer». Dietrich und sein Team arbeiten bei ihren Besuchen in den Flüchtlingslagern mit dem Roten Kreuz und lokalen Hilfsorganisationen zusammen. «Die Solidarität der Menschen in der Schweiz ist nach wie vor da, ich wurde nie angefeindet und hatte keine negativen Reaktionen», sagt der SP-Politiker.

Stefan Dietrich ist in Bremgarten als Lehrer tätig und unterrichtet inzwischen zwei Jugendliche, die selber auf der Flucht an Orten in Bosnien waren, wo Help Now ihre Hilfsgüter verteilte. «Es sind Jugendliche in der Oberstufe, sie kamen über die Balkanroute hierher und erinnern sich an die Lager.» Beide sind laut Dietrich gute Schüler und sprechen schon Schweizerdeutsch – «aber es gibt mir schon zu denken, wenn man weiss, dass diese Kinder den ganzen Weg von der Türkei hierher zu Fuss gekommen sind», sagt er.

Mehr Informationen zum Projekt www.helpnowswitzerland.ch

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