Gesundheit
Groupe Mutuel abgelöst: Das sind die günstigsten Kassen im Aargau

Da kann die Kasse aus dem Wallis nicht mithalten: Wer 2018 Prämien sparen will, sollte auf ein alternatives Versicherungsmodell setzen.

Roman Seiler
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Pro Region bot einer der Grundversicherer der Groupe Mutuel eine günstige Prämie für das Standardmodell. (Archiv)

Pro Region bot einer der Grundversicherer der Groupe Mutuel eine günstige Prämie für das Standardmodell. (Archiv)

Keystone

Lange war es einfach: Pro Region bot einer der Grundversicherer der Groupe Mutuel eine günstige Prämie für das Standardmodell. Damit gingen die Vermittler des Walliser Krankenkassenkonglomerats erfolgreich auf die Jagd nach guten Risiken. Sprich: junge und daher meist gesunde Kunden.

Andere Krankenversicherer wie die CSS, die Helsana, die Sanitas und die Visana kopierten diese Strategie und lancierten ebenfalls Billigkassen. Auch deren Prämien waren oft günstiger als diejenigen von alternativen Versicherungsmodellen, neudeutsch Managed-Care-Angebote (siehe Box) genannt. Möglich machte dies der zu schwache Risikoausgleich zwischen den Anbietern. Kassen mit älteren, oft kränkeren Kunden erhalten nämlich Geld von Konkurrenten mit jüngeren, meist gesünderen Versicherten.

So funktionieren Managed-Care-Modelle

Je stärker Sie Ihre freie Arztwahl einschränken, desto höher ist in der Regel der Rabatt auf der Krankenkassenprämie. Denn mit Managed-Care-Modellen lassen sich unnötige Behandlungen vermeiden. Bei Telmed-Modellen rufen Sie vor jedem Krankheitsfall zuerst ein Callcenter an. Medizinisch geschultes Personal klärt Sie darüber auf, was Sie unternehmen sollen. Sie können auch eine Apotheke, einen Hausarzt oder eine Gruppenpraxis (HMO) als erste Anlaufstelle wählen.

Informieren Sie sich vor dem Abschluss eines solchen Modells genau über die Regeln, die Sie einhalten müssen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) verlangt den Nachweis, dass der Rabatt durch effektiv erzielte Kosteneinsparungen gerechtfertigt ist. Dafür müsse der Anbieter etwas unternehmen und die Ausgaben genau unter Kontrolle haben, ohne bei der Qualität zu sparen, sagt Krankenversicherungsexperte Felix Schneuwly: «Sonst kürzt das BAG die Rabatte und die Kunden zahlen eine entsprechend höhere Prämie.»

Dies führt dazu, dass Kassen unterschiedlich hohe Rabatte von bis zu 20 Prozent anbieten. Deswegen lohnt es sich, vor dem Abschluss eines solchen Modells die Prämien auf Internetportalen wie bonus.ch, comparis.ch, moneyland.ch, priminfo.ch, swupp.ch, verivox.ch oder vzonline.ch genau zu vergleichen. Zögern Sie nicht, den Versicherer zu wechseln, wenn Sie damit Geld sparen können: Jede Kasse muss Sie in die Grundversicherung aufnehmen – ungeachtet Ihres Alters oder Gesundheitszustands. (sei)

Auf Anfang dieses Jahres ist dieser Risikoausgleich weiter verfeinert worden. Das hat gemäss Helga Portmann, Leiterin der Abteilung Versicherungsaufsicht beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), zur Folge, dass sich die Prämien der Standardangebote in der Grundversicherung angenähert haben. Zudem können Kassen nicht mehr so einfach Risikoselektion betreiben. Stefan Thurnherr, Versicherungsexperte beim VZ VermögensZentrum, sagt: «Managed-Care-Angebote sind nun in der Grundversicherung in allen Kantonen günstiger als Standardmodelle.» So müsse es ja auch sein: «Mit diesen alternativen Modellen lassen sich effektiv Ausgaben für unnötige Behandlungen und Medikamente vermeiden, also Kosten einsparen.»

Die freie Arztwahl kostet mehr

Dies bestätigt auch Krankenkassenexperte Felix Schneuwly vom Internetvergleichsdienst comparis.ch: «Mehrkassenstrategien funktionieren nicht mehr. Standardangebote, ob mit tiefen oder hohen Franchisen, sind heute meist teurer als Managed-Care-Angebote wie Hausarzt- und Telmed-Modelle oder Gruppenpraxen.» Das heisst: Wer sparen will, muss auf die freie Arztwahl verzichten. Das läppert sich: In der Nordwest- und der Ostschweiz zahlt jemand auf 12 Monate hochgerechnet bis zu 994 Franken weniger, wenn er vom billigsten Standardmodell zum günstigsten Managed-Care-Angebot wechselt. Dessen Jahresprämie ist in Basel gar um 4727 Franken tiefer als das teuerste Standardmodell.

Nicht mehr billig ist die Groupe Mutuel, mit 1,24 Millionen Grundversicherten die Nummer 2 der Branche. 2018 figuriert – meist – keiner ihrer sechs Grundversicherer unter den günstigsten fünf Anbietern – weder beim Standardmodell mit der Minimalfranchise von 300 Franken inklusive Unfalleinschluss noch beim Vergleich aller Versicherungsangebote, also auch den Managed-Care-Modellen.

Das ist unter anderem die Folge der Verluste, welche die Groupe Mutuel in den vergangenen zwei Jahren erlitten hat. Vier ihrer Grundversicherer weisen nun zu tiefe Reservepolster auf. Das Loch beläuft sich auf rund 140 Millionen Franken. Um diese Sicherheitspolster 2018 auf den gesetzlich vorgeschriebenen Wert anzuheben, schlagen die Walliser beim Standardmodell mit der Mindestfranchise im Schnitt um geschätzte acht Prozent auf. Das ist doppelt so viel wie der schweizweite Durchschnitt.

Zudem schiessen die Groupe Mutuel mit mehr als 210 Millionen und die Assura mit mehr als 700 Millionen Franken am meisten in den Risikoausgleich ein. Wegen dessen Verfeinerung erhöhen sich diese Ausgaben weiter. Dennoch zählt die in Pully bei Lausanne domizilierte Assura bei den Managed-Care-Angeboten wie bei den Standardprämien meist zu den günstigsten Anbietern. Ihre Reserven sind wieder sehr gut dotiert.

Groupe Mutuel verliert Kunden

Weil deren Kassen nun teilweise gar richtig teuer sind, dürften die Walliser Zehntausende von Kunden verlieren. Dazu kommt: Die Groupe Mutuel habe in der Vergangenheit nie wirklich in die Lancierung von alternativen Versicherungsmodellen investiert, sagt Schneuwly: «Sie setzten stets auf günstige Standardprämien. Aus diesem Grund sind sie nun in der Grundversicherung nicht mehr unter den günstigsten Kassen.» Sprecher Christian Feldhausen hält dagegen: «Die Prämien der Groupe Mutuel bleiben attraktiv, insbesondere wenn alternative Versicherungsmodelle und höhere Franchisen verglichen werden.» Die Anbieter der Groupe Mutuel böten seit Langem ein breites Spektrum von alternativen Versicherungsmodellen an – vom Telemedizin- über das Familienarztmodell bis hin zu Gruppenpraxen.

Weiter zulegen wird hingegen die Assura mit 937 000 Grundversicherten. Von Kunden verlangt sie, dass sie Rechnungen – auch für Medikamente – erst dann einsenden, wenn diese höher sind als die gewählte Franchise. «Im Kostenmanagement ist die Assura konsequent», sagt Schneuwly. Dieser Discount-Strategie – die vor allem für gesunde Kunden verträglich ist – sind die Waadtländer stets treu geblieben. Nun wollen sie noch kundenfreundlicher werden. Das lohnt sich. Schneuwly sagt: «Es gibt zunehmend mehr Leute, die bei der Wahl einer neuen Kasse auch das Rating der Kundenzufriedenheit beachten.»

Bei dieser Umfrage von comparis.ch erhält der Groupe-Mutuel-Anbieter Philos die Note 5,2, was als «gut» gilt. Die meisten anderen Grundversicherer der Walliser mit Noten von 4,8 bis 4,5 schneiden – zusammen mit der Assura – «befriedigend» ab. Die Swica hat die zufriedensten Kunden: Sie geben der Winterthurer Managed-Care-Spezialistin die Note 5,4.

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