«Arbeit Aargau»

Gewerkschafter machen mobil gegen Stellenabbau bei General Electric

Bei General Electric stehen 1300 Stellen auf der Kippe. Nun solidarisiert sich die Dachorganisation der Aargauer Gewerkschaftsverbände mit den Angestellten: «Arbeit Aargau» hat eine Resolution gegen den Stellenabbau bei GE verabschiedet

Noemi Lea Landolt
Drucken
Teilen
1300 Jobs im Aargau bedroht: GE plant eine Reorganisation.

1300 Jobs im Aargau bedroht: GE plant eine Reorganisation.

Pirmin Kramer

«Arbeit Aargau» ist die jüngste Stimme der Arbeitnehmer im Kanton Aargau. Seit der Gründung des Dachverbandes der Aargauer Gewerkschaftsverbände ist noch kein Jahr vergangen. Irène Kälin, Präsidentin des Vereins, verglich «Arbeit Aargau» an der Gründungsveranstaltung im November 2016 mit einem Orchester und freute sich «auf den Klang und den Widerhall dieses Arbeitersymphonieorchesters».

Viel von sich hören lassen hat «Arbeit Aargau» im ersten Jahr nicht. Auch nachdem die AZ am Dienstag die Abbaupläne des amerikanischen Industriekonzerns General Electric publik machte, meldete sich der Dachverband der Dachverbände nicht offiziell zu Wort. Einzig Irène Kälin twitterte: «Energiewende verschlafen und nun die Arbeitnehmenden dafür büssen lassen. So nicht GE!!!»

Nach dem Vorbild von Macron

An der ersten Jahresversammlung im Hotel Kettenbrücke in Aarau am Donnerstagabend hat «Arbeit Aargau» das nachgeholt und eine Resolution gegen den Stellenabbau bei GE verabschiedet. In der Solidaritätsbotschaft mit dem Titel «Arbeitsplätze erhalten statt Aktionäre beruhigen» findet «Arbeit Aargau» deutliche Worte. GE treibe «wiederholt ein übles Spiel um Arbeitsplätze». Die herrschende Arbeitsplatz-Unsicherheit sei «blanker Hohn gegenüber den Angestellten». Diese sollten nicht für Fehler des Managements büssen. Gefordert sei nun die Politik. «Wir erwarten, dass die Aargauer Regierung ebenso wie Macron in Frankreich alles in Bewegung setzen wird, um Aargauer Jobs zu retten.»

Neben GE war auch die Finanzpolitik des Kantons Thema an der Jahresversammlung. «Arbeit Aargau» fordert, der Kanton müsse auch in finanziell schwierigen Zeiten handlungsfähig bleiben und dürfe Investitionen in die Zukunft nicht mit dem Argument des Finanzdrucks auf die lange Bank schieben. Im Hinblick auf die digitalen Umwälzungen wäre ein Wegschauen «das Ende des Aargaus als Industrie- und Dienstleistungskanton mit hochwertigen Arbeitsplätzen».

Der Blick in die Vergangenheit zeige, dass der Kanton nur über Leistungsabbau nicht nachhaltig saniert werden könne. Die grösste Sorge solle deshalb nicht eine ausgeglichene Staatsrechnung sein. Zentral seien eine gute Bildung und soziale Sicherheit. «Arbeit Aargau» fordert Lohnerhöhungen für Kantonsangestellte, will die Vermögenssteuertarife anpassen, die Schuldenbremse abschaffen und Spezialfinanzierungen aufheben. Ausserdem unterstützt die Dachorganisation die Referenden gegen Leistungsabbau im Bereich Bildung, Gesundheit, Personal, Sicherheit und Soziales.

Irène Kälin bleibt Präsidentin

An der Jahresversammlung wurde Daniela Neves von der Unia für den zurückgetretenen Kurt Emmenegger in den Vorstand gewählt. Irène Kälin wird Präsidentin von «Arbeit Aargau» bleiben, auch wenn sie für Jonas Fricker in den Nationalrat nachrückt. «Ich freue mich, dass ‹Arbeit Aargau› so auch in Bern vernetzt ist.»

Chancen auf erfolgreiche Zukunft

Für den «Blick über den Tellerrand», wie es Irène Kälin nannte, hat «Arbeit Aargau» als Gastreferent Beat Hotz-Hart, emeritierter Professor für angewandte Volkswirtschaft an der Universität Zürich, eingeladen.
Hotz versuchte, in seiner Präsentation die Chancen des Kantons aufzuzeigen. Ausgehend von der guten Lage mitten im stärksten Wirtschaftsraum der Schweiz. Die Lage sei einerseits eine Chance, sich zwischen den beiden Metropolen Zürich und Basel als Ort mit einer hohen Lebensqualität zu positionieren. «Denn auch Pendler sind gute Steuerzahler», sagte Hotz. Gleichzeitig müsse aber auch die Industrie im Kanton modernisiert und weiterentwickelt werden. Der Kanton müsse als Standort attraktiv sein für innovative Unternehmen und den KMU im Kanton Zugang zu Technologien und qualifiziertem Personal verschaffen. Für Hotz ist klar: «Der Aargau ist durchaus konkurrenzfähig und muss sich im Vergleich mit den anderen Kantonen nicht verstecken.» Nötig für den Kanton seien eine moderne, dynamische und anpassungsfähige Industrie. Es könne sich beispielsweise lohnen, in neue Bereiche wie Med Tech oder Life Science vorzudringen. Damit das klappt, braucht es dynamische und attraktive Unternehmen und gut qualifiziertes Personal. Hier ist es wichtig, dass der Kanton dafür sorgt, dass Leute ausgebildet werden und sie steuertechnisch etwa für Start-up-Firmen interessant und gut erschlossen ist.