Gesundheit
3000 Zugriffe auf «MedicalGuide» im ersten halben Jahr – so werden Notfälle besser erkannt

Dank einer neuen App sollen im Kanton Aargau die Notfallstationen entlastet werden. Nach einem halben Jahr zieht der kantonale Ärzteverband eine erste Zwischenbilanz.

Alessandro Crippa
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Bei 38,5 Grad Fieber in den Notfall? Muss nicht sein.

Bei 38,5 Grad Fieber in den Notfall? Muss nicht sein.

Symbolbild: Fotalia

Seit September 2020 geht der Kanton Aargau in der Notfallversorgung neue Wege. Auf Initiative des Aargauischen Ärzteverbandes, des Departements Gesundheit und Soziales (DGS) und der Firma In4Medicine AG wurde «MedicalGuide» lanciert. Die App ermöglicht der Bevölkerung den Zugang zu einer niederschwelligen medizinischen Ersteinschätzung. Damit trägt sie auch zur Entlastung der Notfallstrukturen bei.

Rund zehn Prozent «echte Notfälle»

Hat jemand Kopfweh, fragt der virtuelle Doktor, ob man an weiteren Beschwerden leide und listet Vorschläge auf. Danach will er wissen, wie lange, wie stark und wo der Kopf schmerzt und wie sich der Schmerz anfühlt. Leidet jemand an weiteren Beschwerden, werden auch dazu gleich detaillierte Fragen gestellt. Je nach Antwort gibt die Web-App eine Empfehlung ab, zum Beispiel: «Die medizinische Behandlung muss nicht sofort erfolgen, sollte aber nicht bis morgen oder über das Wochenende aufgeschoben werden.» Zudem sagt der Medical Guide, an wen man sich wenden soll: an den Hausarzt, an die Apothekerin oder an ein Spital. Es kann auch sein, dass er erst einmal einfach Bettruhe empfiehlt.

Seit ihrer Einführung im September 2020 haben bis Ende Februar 2021 rund 3000 Zugriffe auf die Web-Applikation stattgefunden. Bei rund 10 % handelte es sich um echte Notfälle, bei 35 % war eine sofortige Hilfe angezeigt, bei 30 % eine Hilfe am gleichen Tag und bei 25 % reichte eine Hilfe in den nächsten Tagen. Das schreibt der Aargauische Ärzteverband in einer Mitteilung.

Nach wie vor wenden sich viele Menschen aufgrund des Hausarztmangels auch bei harmlosen Beschwerden an die Notaufnahmen der Spitäler, schreibt der Aargauer Ärzteverband. Andere reagieren bei medizinischen Warnzeichen nicht oder zu spät. Und genau hier setze «MedicalGuide» an: Mit der Web-App lässt sich kostenlos die Dringlichkeit von gesundheitlichen Beschwerden ermitteln. Der Benutzer wird von jeder Plattform aus, egal ob PC, Tablet oder Handy, gezielt von Frage zu Frage geleitet.

Und so funktioniert der «MedicalGuide»:

Erklärvideo zum «MedicalGuide».

Youtube

Was bedeuten die 3000 Klicks auf der Web-Applikation für den Aargauischen Ärzteverband? Da der Kanton Aargau der erste mit dem «MedicalGuide» ist, fehlen ihm die direkten Vergleichszahlen. Die Dienstleistung befinde sich noch im Aufbau. Nadia Haller, Geschäftsführerin des Aargauischen Ärzteverbands, sagt:

«Unserer Ansicht nach hat die App aber bereits eine respektable Beachtung erlangt.»

Neu ist auch der Aargauer Apothekerverband einer der Partner des «MedicalGuide». Das bedeutet, dass während des gesamten Monats Mai in den Aargauer Apotheken eine gezielte Abgabe des Flyers an die Kundschaft erfolgt. Zudem machen Plakate auf den «MedicalGuide» aufmerksam. So soll die jetzt schon respektable Beachtung der App weiter verbessert werden.

Und so sieht der Flyer des «MedicalGuide» aus.

Und so sieht der Flyer des «MedicalGuide» aus.

Bild: Aargauischer Ärzteverband