Gastkommentar
Agrarinitiativen: Gut gemeint und schlecht gemacht

Die Initiativen lösen keine Umweltprobleme, schreibt der Präsident des Bauernverbands Aargau, Christoph Hagenbuch. Die Verantwortung für die Umwelt tragen alle, nicht nur die Landwirtschaft. Ein Gastkommentar.

Christoph Hagenbuch*
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Ein Plakat steht bei einem Hofladen. Wie diese Bauern will auch Christoph Hagenbuch, dass die beiden Agrarinitiativen am 13. Juni abgelehnt werden.

Ein Plakat steht bei einem Hofladen. Wie diese Bauern will auch Christoph Hagenbuch, dass die beiden Agrarinitiativen am 13. Juni abgelehnt werden.

Bild: Keystone

Am 13. Juni 2021 stimmen wir über zwei vermeintlich harmlose Initiativen ab. Wer ist schon gegen sauberes Trinkwasser und wer findet «Pestizide» gut? Bei genauem Hinschauen fällt jedoch auf, dass die Titel irreführend und die Initiativen extrem sind. Weshalb?

Die Trinkwasserinitiative gaukelt bei Annahme sauberes Trinkwasser vor. Dabei haben wir schon weltweit eine der besten Trinkwasserqualitäten und können bedenkenlos Wasser ab jedem Leitungsnetz trinken. Machen Sie das im Ausland auch?

Die Trinkwasserinitiative stört sich weiter am prophylaktischen Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren. Dieser ist in der Schweiz ohnehin längst verboten, im Gegensatz zum Ausland. Haben Sie sich schon einmal über den auf Fleischpaketen aufgedruckten Satz «kann mit Hormonen oder Leistungsförderern erzeugt worden sein» gewundert? Das sind unter anderem auch prophylaktisch verabreichte Antibiotika, welche im Ausland im grossen Stil zur Steigerung der täglichen Gewichtszunahme der Tiere eingesetzt werden. Das ist in der Schweiz ebenfalls längst verboten.

Christoph Hagenbuch.

Christoph Hagenbuch.

Gioia Loredana

Die Pestizidinitiative ist noch extremer, weil sie den Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel generell verbieten will. Das kommt einem politisch erzwungenen «BIO Land Schweiz» gleich. Die Wahlfreiheit der Konsumenten bleibt dabei auf der Strecke, Produkte wie Nutella, Coca Cola, Aromat oder Toblerone können Sie in der Schweiz bei Annahme kaum mehr kaufen!

Export der Umweltbelastung

Die Initiativen lösen keine Umweltprobleme, sondern verlagern diese zusammen mit der Nahrungsmittelproduktion und Verarbeitung ins Ausland. Das kostet tausende Arbeitsplätze, ist nicht sozial und angesichts der viel tieferen Produktionsstandards im Ausland erst recht nicht nachhaltig.

Tatsache ist, dass wir alle die Umwelt belasten. Je mehr Menschen und je mehr Konsum, desto grösser ist die Umweltbelastung. Die Verantwortung dafür tragen wir alle und nicht nur die Landwirtschaft. Die Landwirtschaft verbessert sich laufend, sie hat den Pflanzenschutzmitteleinsatz in den vergangenen Jahren bereits um über 40 Prozent gesenkt. Vor wenigen Wochen hat das nationale Parlament zudem, basierend auf der mit der Landwirtschaft ausgearbeiteten Branchenlösung «Aktionsplan Pflanzenschutz» das wohl strengste Pestizidgesetz weltweit beschlossen. Dies mit dem Ziel, die vom Pflanzenschutz ausgehenden Risiken in den kommenden Jahren um 50 Prozent zu reduzieren.

Entscheiden Sie... An der Ladentheke

Die Bauern produzieren nicht gerne am Markt vorbei. Der Anteil gekaufter Bioprodukte steigt zwar leicht, bleibt aber mit gut 10 Prozent immer noch auf sehr tiefem Niveau. Das könnten Sie sofort ändern, indem Sie mehr besonders nachhaltig produzierte Lebensmittel einkaufen würden. An der Ladentheke das Billigste kaufen und bei der Abstimmung «etwas Gutes für die Umwelt tun» hingegen ist moderner Ablasshandel. Der war schon vor 1000 Jahren scheinheilig.

Beide Initiativen fokussieren einseitig auf die Nahrungsmittelproduktion. Beide Initiativen sind extrem und kontraproduktiv; wohl ursprünglich gut gemeint, aber alles andere als gut gemacht. Stimmen wir deshalb 2 x NEIN zur Trinkwasser- und zur Pestizidinitiative! Es gibt sinnvollere Wege zur Reduktion der vom Pflanzenschutz ausgehenden Risiken. Viele dieser Wege werden von der Branche bereits begangen. Sie als Konsument haben zudem jetzt schon die Wahlfreiheit. Sie können an der Ladentheke tagtäglich wählen, welche Landwirtschaft Sie in der Schweiz wollen.

* Christoph Hagenbuch, ist Aargauer SVP-Grossrat und seit kurzer Zeit Präsident des Bauernverbands Aargau