Bezirksgericht Zofingen
Frei auf Bewährung – Murgenthaler Bankräuber kassiert insgesamt drei Jahre

Ein heute 28-jähriger Slowene überfiel 2012 unmaskiert die Raiffeisenbank in Murgenthal. Vor dem Bezirksgericht Zofingen bereut er die Tat und will die Schulden begleichen. Nun wurde er zu 12 Monaten unbedingt und 24 Monaten bedingt verurteilt.

Michael Flückiger
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Dieser junge Mann betritt am 20. September 2012 die Raiffeisenbank-Filiale in Murgenthal, bedroht zwei Angestellte mit einer Faustfeuerwaffe und fordert Geld.

Dieser junge Mann betritt am 20. September 2012 die Raiffeisenbank-Filiale in Murgenthal, bedroht zwei Angestellte mit einer Faustfeuerwaffe und fordert Geld.

Kapo AG
Unmaskiert überfällt dieser Mann die Raiffeisenbank Murgenthal

Unmaskiert überfällt dieser Mann die Raiffeisenbank Murgenthal

Kapo AG

Es ist der 20. September 2012 nachmittags um 15 Uhr 30: Ein junger Mann betritt die Raiffeisenbank-Filiale in Murgenthal, bedroht zwei Angestellte der Bank mit einer Faustfeuerwaffe und fordert Geld.

Insgesamt erbeutet er rund 35 000 Franken. Der unmaskierte Täter kann unbehelligt fliehen. Allerdings wird er bei der Tat gefilmt und er hinterlässt Fingerabdrücke. Das veröffentlichte Fahndungsbild führt in den Tagen darauf rasch zu seiner Identifikation.

Täter seit Februar frei

Fast zwei Jahre später vor dem Bezirksgericht Zofingen: Der Täter ist überführt und geständig. Nach einer Flucht in den Kosovo hat er sich am 9. Januar 2013 freiwillig gestellt und seither rund 13 Monate in Untersuchungshaft in Zofingen verbracht. Seit Februar ist er frei.

Der 28-jährige Slowene macht einen selbstsicheren Eindruck. Er spricht perfekt Deutsch. Nach dem ersten Kindergartenjahr in seiner Heimat ist er mit seiner Familie ins deutsche Kassel gezogen.

Jetzt muss sich der aktuell im Kanton Bern Wohnhafte wegen Raubes und wegen mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz verantworten. Die Indizien sind eindeutig, im Fokus steht das Strafmass unter Berücksichtigung allfälliger mildernder Umstände.

Die Gerichtspräsidentin befragt den Angeklagten eingehend zum Motiv: «Ich habe mir von den falschen Leuten Geld zu einem extrem hohen Zinssatz geliehen», gibt dieser zu Protokoll.

Als er die monatlich 15-prozentige Rate auf den Betrag von 15 000 Franken nicht mehr habe bezahlen können, sei er von den Kreditgebern bedroht worden. Die Forderung: vollständige Rückzahlung inklusive verdoppeltem Zins innerhalb von zwei bis drei Tagen.

Die Aussage bleibt im Raum stehen. Die Gerichtspräsidentin erwähnt, dass die Polizei den Nachweis für einen solchen Schuldkredit nicht hat erbringen können. Der Angeklagte hatte die Namen der Kreditgeber nicht bekanntgegeben.

Aus Angst vor angedrohten Repressionen, wie die Verteidigung erwähnt. Der Beschuldigte hatte und hat, wie sich aus der weiteren Verhandlung ergibt, mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen.

So war er bereits am Tag nach der Tat beim Pokerspiel im Casino Baden gesehen worden, wo er schon zuvor öfter zu Gast war. Ferner hatte der Slowene geschäftliche Probleme. Seine GmbH für Bauarbeiten ist in Liquidation. Zudem soll der Vater eines Sohnes neben seiner Ehe Parallelbeziehungen zu anderen Frauen geführt haben.

Vier Jahre auf Bewährung frei

Zu reden gibt die Tatwaffe, die der Beschuldigte beim geglückten Überfall verwendet hatte. Die Polizei konnte diese nicht sicherstellen.

Der Beschuldigte machte geltend, dass es sich um eine ungeladene Schreckschusspistole gehandelt habe. Er will den gestohlenen Betrag wie auch die psychologischen Betreuungskosten rasch begleichen: «Ich erkenne die Forderungen an und will die Schulden alle abarbeiten.»

Der Staatsanwalt weist in seinem Plädoyer darauf hin, dass der Beschuldigte bei der Beweisaufnahme widersprüchliche Aussagen gemacht habe. Die Beweislage genüge nicht für den Nachweis einer voll funktionstüchtigen Tatwaffe.

Dass der angelernte Akkordmaurer unverschuldet aus einer Notlage heraus gehandelt habe, lehnt er ab. Wie sich auf verschiedensten Gebieten zeige, habe der Beschuldigte seine Finanzen nicht im Griff. Der Überfall sei geplant gewesen.

Der Staatsanwalt plädiert für drei Jahre Freiheitsstrafe wegen Raubes und zusätzlichen drei Monaten wegen Missbrauchs des Waffengesetzes. Drei Monate seien dem Täter zu erlassen, weil er geständig sei. Der Antrag liegt bei 12 Monaten unbedingt und 24 Monaten bedingt mit einer Bewährungszeit von vier Jahren zuzüglich der erhobenen Geldforderungen.

Die Verteidigung meint, nur aus einer Notlage heraus sei es erklärbar, dass der Slowene die Raiffeisenbank unmaskiert und ohne Handschuhe überfallen und sich vor Ort noch entschuldigt habe. Die Umstände würden nicht für ein geplante Tat sprechen. Er fordert 13 Monate Freiheitsstrafe.

Das Gericht folgt dem Staatsanwalt und verurteilt den 28-Jährigen zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten unbedingt und 24 Monaten bedingt. Weil der Mann bereits 13 Monate abgesessen hat, kommt er frei. Wird er innerhalb der nächsten vier Jahre straffällig, muss er die zwei Jahre absitzen.

Der Verurteilte zeigte sich zufrieden, dass er arbeiten und so seine finanzielle Situation in den Griff bekommen kann.

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