Elterntaxis verursachen Verkehrschaos im ganzen Aargau: «Das sind zum Teil wüste Szenen»

Eltern, die ihre Sprösslinge in die Schule fahren und dabei Fahr- und Halteverbote missachten, sind nicht nur in Villmergen ein Problem. Auch andere Regionalpolizeien berichten von akuten Situationen, "beratungsresistenten" Eltern und hoffnungslos überfüllten Autos.

Mark Walther
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Fahren zu viele Eltern mit dem Auto vor, kann es gefährlich werden. (Archiv)

Fahren zu viele Eltern mit dem Auto vor, kann es gefährlich werden. (Archiv)

LTA

Verkehrschaos vor der Schule, weil die Eltern ihre Kinder mit dem Auto hinkarren und wieder abholen – dieses Bild trifft nicht nur die Regionalpolizei Wohlen an, die derzeit in Villmergen verstärkt Kontrollen durchführt. Auf das Problem angesprochen, antworten die Chefs von vier Regionalpolizeien alle gleich: "Dauerthema."

Das Problem tauche überall auf, sagt René Lippuner, Chef der Repol Zurzibiet und Präsident des Verbandes Aargauer Regionalpolizeien (VAG). Der Verband habe es seit Längerem im Blick. Im Zurzibiet manifestiert es sich laut Lippuner vor allem an grösseren Schulen, etwa in Döttingen und Bad Zurzach.

Kontrolliert wird nicht permanent, sondern punktuell. Mehrheitlich versuche man, präventiv zu arbeiten, mit den Eltern zu reden. Ihnen beizubringen, dass es um die Sicherheit der Kinder geht. Lippuner sagt aber: "Es gibt Leute, die sind beratungsresistent." Es komme vor, dass eine Person zwei- oder dreimal pro Jahr eine Busse kassiere.

René Lippuner, oberster Aargauer Regionalpolizist.    

René Lippuner, oberster Aargauer Regionalpolizist.    

Philipp Zimmermann

Wütende Eltern

Auf die Strafzettel reagieren viele Eltern geharnischt. "Da gibt schon mal böses Blut", sagt Beat Lüthi, Verkehrsinstruktor bei der Repol Aargau Süd. Lippuner kriegt von den Taxieltern oft zu hören, sie hätten nichts vom Verbot gewusst. Einsprachen gegen Bussen habe er aber noch nie erhalten.

Chauffeure, die Fahr- und Halteverbote missachten, sind nur ein Teil des Problems. Lippuner hat schon erlebt, wie überfüllte Fahrzeuge mit acht Kindern auf fünf Sitzen vor der Schule vorgefahren sind. "Das sind zum Teil wüste Bilder." Diese Eltern kriegen keine Busse, sondern eine Anzeige.

Elterntaxis sind der Polizei ein Dorn im Auge.   

Elterntaxis sind der Polizei ein Dorn im Auge.   

Angelo Zambelli

Fehlende Ressourcen

Die Regionalpolizeien kontrollieren den Verkehr vor Schulhäusern und Kindergärten schwerpunktmässig. Das sei eine Frage der Ressourcen, sagt Lüthi. In elf Gemeinden an jeder Schule jeden Tag präsent zu sein, sei nicht möglich.

Hier sind die Ordnungshüter auf die Zusammenarbeit mit Lehrer und Gemeinden angewiesen. Wenn diese ein akutes Verkehrschaos über mehrere Tage melden, starten die Repols Kontrollaktionen von einer oder zwei Wochen, in denen sie Bussen verteilen.

"Die Aktion geht vorbei, die Probleme bleiben"

Bloss: Der präventive Erfolg ist oft von kurzer Dauer. Das gilt auch für die Aktion Schulbeginn. Anfang Schuljahr geht die Polizei in die Schulen und versucht, die Eltern zu sensibilisieren. "Die Aktion geht vorbei, die Probleme aber bleiben", sagt Lüthi. Einen kleinen Effekt spürte Lippuner, als die Repol ein Merkblatt zum Thema in acht Sprachen herausgegeben hatte.

Sensibilisiert wird auch, wenn ein Halte- oder Fahrverbot neu ist. Aber irgendwann sei Schluss, dann werde gebüsst, sagt Ferdinand Bürgi, Chef der Repol Lenzburg: "Es kann nicht sein, dass Eltern auf ein Schulhausplatz fahren, auf dem Fahrverbot herrscht." Wie hoch die Busse ausfällt, hängt von der Signalisation ab. Für Parkieren auf dem Trottoir drückt man 120 Franken ab, für Missachtung des Fahrverbots 100 Franken.

Mit Kette abgesperrt

Solche Sanktionen erübrigen sich, wenn bauliche Massnahmen verhindern, dass Eltern, Grosi, Onkel oder Götti auf dem Schulhausplatz vorfahren. Aber auch das führt zu Problemen: Es werde dann in der Regel auf Zufahrtsstrassen ausgewichen, was wiederum zu Behinderungen und Unmut bei den Anwohnern führe, sagt Bürgi.

Er spricht ein weiteres Problem an: Die Kinder in die Schule zu fahren, sei pädagogisch ungeschickt. Kinder würden auf dem Schulweg enorm viel lernen und entdecken. "Das geht im Auto alles verloren", sagt Bürgi.