Welthundetag
«Einen Pudel gibt es natürlich nicht» – so leben die Aargauer Polizeihunde

Bei der Kantonspolizei Aargau arbeiten derzeit 22 Hunde, davon sind drei in Ausbildung. Im Gespräch mit der Hundeführerin Barbara Breitschmid zeigt die AZ auf, wie das Leben der Polizeihunde aussieht.

Patrick Harcuba
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Barbara Breitschmid mit Polizeihund Kiwi

Barbara Breitschmid mit Polizeihund Kiwi

Kapo AG
Polizeihund Kiwi und Barbara Breitschmid

Polizeihund Kiwi und Barbara Breitschmid

Kapo AG

Millionen Hunde auf der ganzen Welt leben Seite an Seite mit ihren Haltern, werden von ihnen geliebt und gehätschelt. Der Hund ist ja auch bekanntlich der beste Freund des Menschen, und das wird heute Mittwoch mit dem Welthundetag gefeiert.

Die Vierbeiner werden nicht nur von Privatpersonen geschätzt. Sie sind oftmals unentbehrliche Helfer, sei es als Führer von blinden oder gehörlosen Personen, als Wachhunde oder als Spür- oder Schutzhunde im Einsatz der Polizei.

Auch die Kantonspolizei Aargau hat Hunde im Einsatz: Insgesamt wird die Arbeit der Kantonspolizei von elf Such- und Schutzhunden, sowie von zwei Personen- und sechs Betäubungsmittelspürhunden unterstützt. Doch wie wird ein Hund zum Polizeihund, ein Polizist zum Hundeführer?

Barbara Breitschmid, Mediensprecherin und Hundeführerin der Kantonspolizei Aargau, gibt Auskunft: «Zu allererst muss gesagt werden, dass die Hunde nicht der Polizei, sondern privat den Hundeführern gehören. Polizeihundeführer leisten in der Regel einen normalen Polizeidienst und arbeiten nebenamtlich als Diensthundeführer.»

Wie wird ein Polizeihund ausgebildet?

Noch als Welpe fängt für den Hund die Ausbildung zum Polizeihund an. Natürlich erhalte der Welpe viel Zeit zum Spielen, doch ein angehender Polizeihund «kommt schon im Welpenalter mit auf die Patrouille», so die Hundeführerin.

Bis 3-jährig gilt ein Diensthund als Junghund. Dabei liegt es jeweils im Erachten des Hundeführers, ob dem Hund ein Einsatz zugemutet wird oder nicht. Ein solcher "teileinsatzfähiger" Hund kann beispielsweise für die Suche von Gegenständen (Einbruchswerkzeug oder Deliktgut) eingesetzt werden, nicht aber für die Suche eines Einbrechers. Die Gegenstandssuche ist eine friedliche Arbeit und kann vom Hund problemlos gemeistert werden. Die Suche nach dem Einbrecher hingegen ist potenziell gefährlich und der Hundeführer muss mit einem Zusammentreffen mit dem Täter rechnen. Erst wenn er voll einsatzfähig ist und eine Prüfung erfolgreich absolviert hat, kann er für alle Arten von Einsätzen verwendet werden.

Der Hund leistet dann so lange Dienst, bis er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dazu fähig ist. «Die Gesundheit des Hundes steht stets im Vordergrund», so Breitschmid.

Wie und wo kommen Polizeihunde zum Einsatz?

Die Hunde begleiten den Hundeführer immer auf seinen Patrouillen. Kommt es zu zu einem bestätigten Einbruch, wird der nächstgelegene Hundeführer kontaktiert. «Meist ist der Einbrecher beim Eintreffen der Polizei schon verschwunden, die Hunde müssen dann die Spur aufnehmen.» Zumeist verliere sich die Spur bei einem Parkplatz, und der Einsatz des Hundes ist schon wieder vorbei.

Die Polizeihunde im Einsatz

- Ende September stellte Polizeihund Nacho drei Männer, die versuchten, in ein Gartencenter einzubrechen

- Ein Dieb brach Anfang Februar in ein Auto ein. Er ergriff jedoch die Flucht, als er von den Bewohnern entdeckt wurde. Ein Polizeihund konnte die Fährte aufnehmen, der Täter wurde kurze Zeit später gefasst

- Drei Männer brechen in ein Haus ein und werden dabei gesichtet. Die Täter flohen und eine Grossfahndung wurde eingeleitet. Der Polizeihund Maro du Boidamont nahm die Fährte, so konnte einer der Verbrecher gefasst werden.

Führt die Spur jedoch weiter, oder verstecken sich die Einbrecher in der Nähe (oder sogar im Haus), geht auch die Arbeit des Hundes weiter. Findet er den Übeltäter, bellt er ihn solange an, bis die Polizei den Befehl zum Aufhören gibt.

Versucht der Täter zu fliehen, wird er vom Hund verfolgt. Die Polizei warnt dann den Täter vor dem Einsatz des Polizeihundes. Wird sie ignoriert, beisst sich der Hund in einem Bein fest und bringt den Täter zu Fall. «Meistens reicht jedoch schon die blosse Anwesenheit eines Polizeihundes, damit sich ein Täter stellt», fügt Breitschmid an.

Zu Verletzungen während des Einsatzes kommt es nur sehr selten, und auch dann sind es zumeist Verletzungen, die der Hund auch im Alltag hätte erleiden können.

Wie wird man zum Hundeführer?

Man wird auch nicht einfach so zum Hundeführer ernannt, erklärt Breitschmid. Das gesamte Prozedere erfordere viel Eigeninitiative. Zuerst müsse eine Anfrage zum Besitz eines Diensthundes eingereicht werden. Diese Anfrage werde nur jenen bewilligt, welche schon mindestens drei Dienstjahre bei der Polizei geleistet haben. Bei einer Bewilligung erhalte man lediglich eine Empfehlung, welche Hundezüchter geeignet seien, aber die Anschaffung des Hundewelpen bleibt Privatsache.

Die angehenden Hundeführer können dabei nicht eine beliebige Rasse wählen. «Einen Pudel gibt es natürlich nicht», sagt Breitschmid mit einem Lächeln. Man könne aus einer Liste vorgegebener Rassen auswählen, vom Schäferhund (deutsch oder belgisch) bis hin zum Rottweiler. Gefordert werden Hunde, die schnell und flink seien, aber auch eine gewisse Körpermasse mit sich brächten.

«Die Hunderasse muss natürlich auch zum jeweiligen Führer passen. Wenn zum Beispiel bei einem Einbruch Scherben auf dem Boden liegen, muss man in der Lage sein, den Hund aufzuheben und über die Gefahrenzone hinweg zu tragen», so Breitschmid.

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