Unterrichtsmodell 2019+

Eine Lektion soll 80 statt 45 Minuten haben – Mittelschullehrer formieren sich gegen Sparvorschlag

Die Rektorenkonferenz hat einen Sparvorschlag: Langlektionen an Mittelschulen. Zusammen mit einer Verkürzung der gesamten Unterrichtszeit könnten rund 10 Vollzeitstellen eingespart werden. Die Opposition gegen die Umstellung auf 80-Minuten-Lektionen ist aber heftig.

Jörg Meier
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80 Minuten soll künftig eine Lektion an den Aargauer Mittelschulen dauern. Dies aus pädagogischen und finanziellen Gründen.

80 Minuten soll künftig eine Lektion an den Aargauer Mittelschulen dauern. Dies aus pädagogischen und finanziellen Gründen.

Für Aufsehen und auch Irritation sorgt der Sparvorschlag der Rektorenkonferenz: Ab Beginn des Schuljahres 2019/2020 soll eine Lektion nicht mehr 45 Minuten, sondern grundsätzlich 80 Minuten dauern. Gleichzeitig werden die Stundentafeln revidiert und den heutigen Anforderungen angepasst.

Insgesamt wird die Präsenzzeit für die Schülerinnen und Schüler um rund 5 Prozent gekürzt, die naturwissenschaftlichen Fächer werden gestärkt, die Fremdsprachen gekürzt. Dazu werden neu die Fächer «politische Bildung» und «Medienkompetenz» obligatorisch eingeführt. Mit der Umstellung auf Langlektionen und der Verkürzung der gesamten Unterrichtszeit können rund 10 Vollzeitstellen eingespart werden, was rund 1,6 Millionen Franken pro Jahr ausmacht.

Am 22. September wurde das neue Unterrichtsmodell allen Lehrpersonen der Mittelschulen vorgestellt; Reaktionen blieben damals weitgehend aus.

In der Zwischenzeit aber hat sich eine starke Opposition unter den Mittelschullehrern gebildet. Michael Bouvard, Präsident des Mittelschullehrerverbandes (AMV), erklärte, das neue Unterrichtsmodell 2019+ werde von «sehr vielen Lehrpersonen» abgelehnt. Die angebotene Mixtur sei «mehr toxisch als innovativ».

Der vorgeschlagene Abbau im Sprachbereich, von einigen bereits als «Sprachenmassaker» tituliert, stehe absolut quer in der bildungspolitischen Landschaft. Für die Lehrpersonen generiere das Modell einen grossen Mehraufwand und eine markant höhere Belastung; zudem würde die Bildungszeit der Schülerinnen und Schüler auf einen Schlag um 5 Prozent reduziert. «Die Verschränkung einer umfangreichen Abbaumassnahme mit einer innovativen Reorganisation ist gut gemeint, will aber nicht gelingen», sagte Bouvard.

Daniel Franz, Präsident der Rektorenkonferenz, bestätigte, dass die Reaktionen vieler Lehrpersonen auf das neue Modell heftig ausgefallen seien. Man nehme diese Stellungnahmen ernst, versicherte Franz. Mitte Dezember will die Rektorenkonferenz entscheiden, wie es mit dem Modell 2019+ weitergeht: Ob es überhaupt eingeführt werden kann und wenn dem so ist, wie es allenfalls überarbeitet werden soll, damit es von den Lehrpersonen akzeptiert wird.