Kanton
Eine gut dotierte Hausapotheke für die Aargauer Altstädte

Eine IG mit dreizehn Gemeinden und Alt-Regierungsrat Peter C. Beyeler an der Spitze kämpft mit verschiedenen Rezepturen und Mitteln.

Hubert Keller
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Die Lenzburger Altstadt profitiert vor allem vom hohen Niveau ihrer Gastronomie. Chris Iseli

Die Lenzburger Altstadt profitiert vor allem vom hohen Niveau ihrer Gastronomie. Chris Iseli

Chris Iseli

«Das Ziel unseres Vereins ist es, Grundlagen und Instrumente zu erarbeiten, welche die Altstädte befähigen, ihre Attraktivität für die Bewohner, das Gewerbe und die Kunden zu erhalten beziehungsweise zu steigern», sagt Peter Andres, Geschäftsführer der IG Aargauer Altstädte. «Wir erfinden das Rad nicht neu», fügt er an, neu sei, dass dreizehn Gemeinden sich vorgenommen haben, die durchaus unterschiedlichen Probleme ihrer Altstädte gemeinsam anzugehen.

Die IG Aargauer Altstädte ist Mitte Juni letzten Jahres gegründet worden. Mitglieder sind alle zwölf Aargauer Altstädte sowie der ehemalige Marktflecken Bad Zurzach. Vereinspräsident ist Alt-Regierungsrat Peter C. Beyeler aus Baden, Geschäftsführer der Zurzacher Marketingprofi Peter Andres.

Abhängig von ihrer Grösse haben die Gemeinden ihre Beiträge, insgesamt 53 000 Franken für die Dauer von drei Jahren, bereits bei der Vereinsgründung gesprochen. Der Swisslos-Fonds des Kantons hat dem Gesuch des Vereins stattgegeben und, wie Andres bestätigt, einen Beitrag, ebenfalls für drei Jahre, bewilligt. Das finanzielle Fundament ist damit gelegt. «Nun ist es an uns, zu beweisen, dass es uns braucht», sagt Peter Andres, «der Verein muss Leistung zeigen, innovativ bleiben und für die Gemeinden Nutzen stiften.»

Nach der Vereinsgründung sind Arbeitsgruppen gegründet worden, die sich folgender Themenbereiche annehmen: Tourismus, Kultur und Veranstaltungen, Nutzer und Entwickler sowie Wirtschaft. Diese Arbeitsgruppen haben in der Zwischenzeit diverse Projekte entwickelt.

So sollen die Stadtführungen auf einer gemeinsamen Plattform besser präsentiert und angeboten werden. Ähnliches gilt auch für die Märkte: «Das breite Angebot an Märkten über das ganze Jahr soll besser kommuniziert werden, deren Bekanntheit gefördert werden, und zwar auf einer gemeinsamen Plattform in enger Zusammenarbeit mit Aargau Tourismus», erklärt Andres.

Die Nutzungsvielfalt ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Altstädte, doch nicht für jede Altstadt sind die Qualitätsmerkmale gleich. Die IG Aargauer Altstädte will Massnahmen aufzeigen, wie die lebendige Vielfalt der Altstädte erhalten und wie zielgerichtet Einfluss auf die Nutzungsstruktur genommen werden kann. «Es gibt kein allgemein gültiges Rezept», sagt Vereinspräsident Beyeler. «Jede Altstadt kennt ihre eigenen Bedürfnisse, fährt ihre eigene Entwicklungsstrategie. Je nach Altstadttyp werden sich unterschiedliche Massnahmen umsetzen lassen.» Das Potenzial der Gemeinde gehöre und bleibe in der Zuständigkeit der Gemeindebehörden. Nicht jede Altstadt könne ein multikulturelles Leben bieten, einzelne wie Laufenburg oder Kaiserstuhl hätten sich bereits zu Wohnaltstädten entwickelt.

Welche Massnahmen für die jeweilige Altstadt zweckmässig und zielführend seien, ob und wann diese umgesetzt würden, dies zu entscheiden sei Sache der politischen Behörden, erklärt Peter C. Beyeler.

Die Projekte sind vielfältig. Gegenwärtig sind viele Gemeinden daran, ihre Bau- und Nutzungsordnungen dem neuen Richtplan und veränderten gesetzlichen Grundlagen anzupassen. Mit bereits vorhandenen Regelungen der Aargauer Gemeinden, aber auch guten Beispielen aus anderen Kantonen soll ein Regelwerk als Muster zusammengestellt werden, das die speziellen Bedürfnisse der Altstädte berücksichtigt, denn es stehen wesentliche Fragen an. Wie können die Ziele von Heimat- und Denkmalschutz mit den Erwartungen des Gewerbes, der Detaillisten und Restaurateure in Einklang gebracht werden? Wie kann der Verlust an Angebotsvielfalt der Altstadtläden eingedämmt werden? In solchen Fragen Orientierungshilfe zu geben, sei eine komplexe Aufgabe.

Mit einem anderen Projekt werden klare Organisations- und Kommunikationsstrukturen erarbeitet, die zur Stärkung und Vernetzung der Akteure und Nutzer der Altstädte beitragen, Stichwort WLAN. So könne eine nachhaltige Belebung der Altstädte unterstützt werden, sagt Peter Andres.

«Die Aufgaben sind nicht neu», meint Beyeler, «sie sind aber in den letzten Jahren komplexer und dringlicher geworden.» Darum sei der gute Entscheid der dreizehn Gemeinden, die Aufgaben gemeinsam anzugehen, sehr zu unterstützen.

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