Zum Gedenken

Ein Sprachpfleger, Ästhet und Stilist

Hannes Schmid, ehemaliger Kulturredaktor der az

Hans-Peter Widmer
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Hannes Schmid, der ehemalige Leiter der Kulturredaktion der Aargauer Zeitung, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

Hannes Schmid, der ehemalige Leiter der Kulturredaktion der Aargauer Zeitung, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

archiv

Hannes Schmid, der ehemalige Leiter der Kulturredaktion am Aargauer Tagblatt und später an der Aargauer Zeitung, ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Er war ein Journalist mit aussergewöhnlichem beruflichem Hintergrund, was sich in der Vielseitigkeit und Qualität seines Wirkens widerspiegelte. Das Neue, Ungewohnte lockte ihn unentwegt. Er schien Hermann Hesses Sinnspruch zu verkörpern: «Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt, und der uns hilft, zu leben».

In über einem halben Dutzend Berufen, die er ausübte, suchte und fand der 1939 in Neuenhof geborene Hannes Schmid frische Herausforderungen. Er war flexibel, aber alles andere als flatterhaft. Nach einer Buchhändlerlehre bildete er sich in Zürich und München zum Schauspieler aus. Es folgten Engagements bei Theater und Film sowie als Journalist bei der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens. Nächste Aufgaben waren nach einer zusätzlichen PR-Ausbildung die Funktion als Presse- und Werbechef der «Zürich»-Versicherung, als Leiter des Künstlerhauses Boswil und als Dramaturg am Schauspielhaus Zürich.

Im Frühjahr 1981 trat er in die Redaktion des Aargauer Tagblatts ein und betreute mit Hermann Burger, der das Feuilleton verantwortete, den Kulturbereich. Nach dessen Weggang übernahm Hannes Schmid die Ressortleitung, wagte aber 1985 nochmals einen Wechsel zum Buch- und Schallplattenverlag Ex Libris. Doch in der Geschäftswelt fühlte er sich als Mann des Wortes und weniger der Zahlen nicht sehr glücklich. Darum kehrte er 1988 in die Redaktion zurück und bildete mit Hansulrich Glarner, dem späteren Aargauer Kulturchef, ein hochkarätiges Team. Bei der Fusion des Aargauer Tagblatts und des Badener Tagblatts zur Aargauer Zeitung, 1996, wurde Schmid Leiter eines deutlich vergrösserten Kulturressorts. Anfang 2003 trat er etwas vorzeitig in den Ruhestand.

Hannes Schmid, der schon 1998 die Schaffung des Aargauer Kulturpreises der AZ Mediengruppe lanciert hatte, initiierte auch die erfolgreichen Klosterspiele Wettingen. Bei der ersten Aufführung «Das grosse Salzburger Welttheater», 2005, führte er die Regie und Dramaturgie. Mit «Faust I», 2008, ging ein persönlicher Traum in Erfüllung. Ihm oblag die künstlerische Leitung, ebenso bei der dritten Produktion, der Komödie «Der Franzos im Aargau», 2012.

Die Förderung der Aargauer Kultur lag ihm sehr am Herzen. Deswegen wirkte er auch viele Jahre im Stiftungsrat der Pro Argovia mit. Schmid war ein Ästhet, ein Stilist, der die sprachlichen Ausdrucksmittel beherrschte. Auf eine präzise, verständliche Sprache, die er von der Bühne her gewohnt war, legte er auch im schriftlichen Ausdruck grössten Wert. Das bezeugte er als Journalist und Autor mehrerer Kinderbücher. Diese Fähigkeit blieb ihm bemerkenswerterweise bis in die letzten Lebenstage erhalten, obwohl er an ALS litt - einer Erkrankung des Nervensystems, das den Verlust sämtlicher Muskeln zur Folge hat.