Neuartige Solaranlage

Doris Leuthard dankt dem 85-jährigen Erfinder des neuen Solarsystems

Positive Reaktionen selbst aus dem Bundeshaus und vom Paul-Scherrer-Institut für den Endinger Emil Bächli. Der 85-jährige Erfinder zu seiner Idee: «Sie war plötzlich da und ich habe begonnen.»

Hans Lüthi
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An der Demonstrationsanlage in Endingen zeigt Emil Bächli die seitliche Verankerung und Steuerung der Solarmodule.

An der Demonstrationsanlage in Endingen zeigt Emil Bächli die seitliche Verankerung und Steuerung der Solarmodule.

Emanuel Freudiger

Die als Weltneuheit präsentierte jüngste Erfindung besticht durch spezielle Eigenschaften: Die Solarzellen sind an einem Rohr befestigt, das sich drehen lässt. Aber die Module sind nicht ständig in Bewegung, sondern werden dem Sonnenstand einmal im Monat angepasst. Mit dem sehr preisgünstig hergestellten System «gewinnt man effektiv bis zu 25 Prozent mehr Ertrag, was den Strom verbilligt», betont Emil Bächli.

Beim tiefen Sonnenstand im Winter zeigte sich in diesen Tagen ein weiterer Vorteil: Auf den steil gestellten Solarzellen setzte sich kein Schnee fest, im Gegensatz zur Anlage auf dem Dach des Schulhauses. Dank optimaler Ausrichtung «kann ein Mehrfaches an wertvollem Winterstrom geerntet werden». Dies im Vergleich zu den fest installierten Solarzellen auf Häusern, Flachdächern und am Boden.

Erfinder Emil Bächli

Der 85-jährige Emil Bächli in Endingen hat schon viele Erfindungen gemacht und auch patentieren lassen. Dazu gehören die Bächli-Vogelschutz-Anlagen, von denen es in den Schweizer Rebbergen rund 700 gibt, vereinzelte auch im Burgenland und im Südtirol. Farbige Bändel an einem Draht werden regelmässig bewegt und ersetzen die für Vögel oft tödlichen Netze. Bächlis hoch isolierendes Vakuumfenster mit nur zwei Zehntelmillimetern Abstand zwischen den Gläsern könnte viel Energie sparen, kam aber bisher nicht in die Produktion. (Lü.)

Auf seitlichen Pfosten abgestützt

Neuartig ist auch die Abstützung der Photovoltaik-Anlage auf seitlich verankerten Pfosten. Damit wird die solare Stromerzeugung auch für jene Flachdächer möglich, die das zusätzliche Gewicht nicht verkraften könnten. Dank der Bodenfreiheit eignet sich Bächlis Erfindung deshalb für Parkplätze und könnte entlang von Strassen oder Autobahnen aufgestellt werden. Denn die 12 bis 15 Meter langen Elemente «können zu einer Solarlinie aneinandergekoppelt werden, bis zu vielen hundert Meter Länge», versichert Emil Bächli. Bei einem Kilometer Solarband ergäbe sich eine Leistung von 500 Kilowatt.

Mit einem Bild der am Wohnort in Endingen aufgestellten Testanlage hat der 85-jährige Emil Bächli seine Erfindung breit gestreut und auch ins Bundeshaus geschickt. Die positive Reaktion von Bundesrätin Doris Leuthard liess nicht lange auf sich warten. Schriftlich bedankte sich die Energieministerin für die Information: «Ich begrüsse jeden Beitrag zur Reduktion der Gestehungskosten von Solarstrom. Ich habe ihre Unterlagen zur Information an die zuständigen Stellen im Bundesamt für Energie weitergeleitet», schrieb Leuthard wörtlich. Positive Reaktionen kamen auch aus dem Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen/Würenlingen und von einem Stromverteiler, der die Schlüsselenergie auf seinen Freiflächen erzeugen will.

Nutzung in der Landwirtschaft?

Der Endinger war auch an der internationalen Solarausstellung in München. Dort habe er gesehen, dass es nichts Vergleichbares gebe. «Vor einem Jahr habe ich das Patent in der Schweiz angemeldet, kürzlich auch das Weltpatent», versichert der Erfinder.

Bächli kann sich sogar eine Nutzung in der Landwirtschaft vorstellen, die Solarmodule nähmen den Böden nur zirka 30 Prozent des Lichts weg. Daran hätte Werner Leuthard, Leiter der Fachstelle Energie, keine Freude. «Zuerst müssen wir jetzt die Dächer belegen», meint Leuthard, der eine Verlagerung des Sonnenstroms weg von der Zwölf-Uhr-Spitze als sinnvoll einstuft.

Wie kam Bächli auf die Idee? «Das weiss ich nicht, sie war plötzlich da und ich habe begonnen», sagt er nur dazu. «Für die Umsetzung Ihrer Neuentwicklung wünsche ich Ihnen viel Erfolg», schrieb Bundesrätin Leuthard. Denn ohne Sonne nützt die beste Erfindung nichts.