Wald
Die nasskalten Eisheiligen haben auch ihr Gutes: Sie bremsen den Borkenkäfer

Es bleibt relativ kühl im Aargau. Nächste Woche regnet es viel. Das schadet dem Borkenkäfer.

Mathias Küng
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Rinde eines aufgrund von Borkenkäferbefall bereits abgestorbenen Baumes.

Rinde eines aufgrund von Borkenkäferbefall bereits abgestorbenen Baumes.

MHE

Durch den Kälteeinbruch Anfang Mai ist die grosse Borkenkäfergefahr vorerst gebannt. Denn die Eisheiligen vom 11. bis zum gestrigen 15. Mai machten ihrem Namen alle Ehre. Dies sagt Theo Kern, Geschäftsführer von WaldAargau. Denn bei Temperaturen unter 16,5 Grad Celsius können die kleinen schwarzbraunen Tiere nicht fliegen. Für die Waldwirtschaft sei das gut, für die Landwirtschaft, vor allem für den Obstanbau, sind die tiefen Temperaturen demgegenüber verheerend.

«Wir haben einen enormen Käferschub erwartet», sagt Kern: «Denn sowohl der März als auch der April waren sehr trocken und warm. Forstverbandspräsident Oliver Frey beobachtete auf dem Geissberg schon am 1. Mai ausfliegende Borkenkäfer. Gleichzeitig entdeckte er frisch gestochene Fichten. Das hat er noch nie erlebt.»

Wäre das Wetter so geblieben, hätte man eine Explosion befürchten müssen. Konkret hatte sich Kern auf eine Verdoppelung des Käferholzes gegenüber dem Vorjahr eingestellt: «Nach den jüngsten kühlen und nassen Tagen schöpfe ich aber Hoffnung. Wenn es noch etwas so bleibt, verlangsamt dies das Ausfliegen. Dann bekommen wir nur zwei statt wie letztes Jahr drei Käfergenerationen, und das Käferholz nimmt nur um 20 bis 50 Prozent zu. Das ist natürlich viel zuviel, aber weniger schlecht als befürchtet».

Viele Förster stellen jetzt Lockstofffallen auf. Die Käfer lassen sich davon anlocken, und landen in der Falle. Damit könne man die Population allerdings nur überwachen, nicht bekämpfen, seufzt Kern. Die Zahl gefangener Borkenkäfer gibt dann immerhin einen Anhaltspunkt über die Populationsgrösse und über deren Entwicklung.

Forstbetriebe: Defizit viel kleiner

Gemäss einer der AZ vorliegenden Auswertung von Wald Aargau resultierte 2018 aus der Bewirtschaftung des gesamten öffentlichen Waldes im Kanton Aargau ein Gesamtdefizit von einer Million Franken. Das ist deutlich weniger als im Vorjahr, wie auch das durchschnittliche Defizit von 28 (Vorjahr 101) Franken pro Hektare Wald deutlich macht. Der Verlust könne durch Erträge aus der Sachgüterproduktion (Energieholz, Weihnachtsbäume etc.) und Dienstleistungen ausgeglichen werden: «Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen», sagt WaldAargau-Geschäftsführer Theo Kern. Im ersten Halbjahr 2018 waren die Preise gut, brachen dann wegen des vielen Sturm- und Käferholzes ein. Derzeit liegt in den Wäldern viel aufgerüstetes Käferholz bereit, für die sich keine Abnehmer finden. (MKU)

Riesige Sturmholzvorräte

Die Sorgen der Förster sind auch deshalb so gross, weil sie von den gesamtschweizerisch 2 Millionen (allein im Aargau 200 000) Kubikmeter Sturm- und Käferholz vom letzten Jahr noch längst nicht alles verkaufen und abtransportieren konnten. Der Nadelholzmarkt sei völlig überfüllt, sagt Kern. Eine Möglichkeit, das Holz ins grenznahe Ausland zu exportieren, bestehe auch nicht. Denn auch in den Nachbarländern ist der Markt mit Sturm- und Käferholz überfüllt. Allein in Deutschland sind es 27, im waldarmen Italien 13, in Tschechien 24 Millionen Kubikmeter. In ganz Europa sind es 85 Millionen Kubikmeter.

WaldAargau empfiehlt denn auch den Forstbetrieben im Aargau, auf die Nutzung von frischem Nadelholz zu verzichten, ausser es liegt eine Bestellung vor. Wenn, dann solle man sich auf geschwächte oder mit Käfer befallene Fichtenbestände konzentrieren. Auf Laubholz oder Brennholzsortimente könne man ausweichen, falls der Absatz garantiert ist. Arbeiten für Dritte seien vorzuziehen.