Studie

Die Gemeinden im Aargau suchen immer öfter nach gemeinsamen Lösungen

Aargauer Gemeinden stossen gemäss einer Studie vermehrt an Leistungsgrenzen.

Mathias Küng
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Am ehesten ergeben sich bei der Sozialhilfe und bei der Betreuung von Asylsuchenden Probleme. (Symbolbild)

Am ehesten ergeben sich bei der Sozialhilfe und bei der Betreuung von Asylsuchenden Probleme. (Symbolbild)

Die jüngste nationale Gemeindebefragung wurde mit Stichtag 1. Januar 2017 durchgeführt. Befragt wurden alle Gemeindeschreiberinnen und -schreiber der Schweiz. Im Aargau haben 87,8 Prozent von ihnen teilgenommen. Professor Reto Steiner, Direktor der ZHAW School of Management and Law in Winterthur, zog für die Gemeindetagung die Aargauer Resultate heraus. Demnach beurteilen die Gemeinden im Aargau die Zusammenarbeit mit dem Kanton mehrheitlich als positiv. Gegenüber den vorangehenden Befragungen wird sie deutlich besser gesehen. Doch die Aargauer Gemeinden stossen gemäss der Studie vermehrt an Leistungsgrenzen. Die Leistungsfähigkeit liege zwar auf einem recht hohen Niveau. Am ehesten ergeben sich bei der Sozialhilfe und bei der Betreuung von Asylsuchenden Probleme. Nebst der Hoffnung auf mehr «gute» Steuerzahler sind genau das auch die Bereiche, in denen die Gemeindeschreiber eine deutlich stärkere Betroffenheit bei gesellschaftlichen Entwicklungen erkennen als im schweizerischen Durchschnitt.

Insbesondere bei der Betreuung von Drogenabhängigen sowie bei der Jugendarbeit konnten Verbesserungen erzielt werden. Neben der Sozialhilfe und der Asylbetreuung stossen mehr Gemeinden auch bei der Finanzverwaltung an ihre Leistungsgrenzen. Dasselbe gilt laut Reto Steiner auch beim öffentlichen Verkehr, bei der Wasserversorgung, bei öffentlichen Bauten sowie beim Abwasser bzw. der Kanalisation. Obwohl die Balken in der nebenstehenden Grafik bei Kriminalität oder Drogenproblemen sehr klein sind, kann man nicht daraus schliessen, dass die Aargauer Gemeinden davon verschont sind. Je über 40 Prozent geben an, «zum Teil» betroffen zu sein. Je über 50 Prozent sehen sich aber tatsächlich nicht betroffen. Am tiefsten ist dieser Wert bei kleinen Gemeinden, aber höchsten nicht überraschend bei solchen mit mehr als 5000 Einwohnern.

Personalbestand steigend

Interessant ist, dass die Kernverwaltung einer durchschnittlichen Aargauer Gemeinde sieben Angestellte hat. Dieser Wert liegt etwas höher als der schweizweite Durchschnitt von fünf Angestellten. Die Aargauer Gemeinden hätten aber auch mehr Aufgaben, gibt der Studienautor zu bedenken. In knapp zwei Dritteln der Aargauer Gemeinden hat der Personalbestand der Kernverwaltung in den letzten zehn Jahren zugenommen, schweizweit gilt dies ebenfalls.

Die interkommunale Zusammenarbeit schreitet im Aargau voran. Zwischen 2012 und 2017 haben rund drei von fünf Gemeinden die Kooperation ausgebaut. Abgenommen hat sie nur in einer der antwortenden Gemeinden. Die Situation sei mit der gesamten Schweiz vergleichbar, schreibt Steiner. Sehr stark verbreitet sei die Zusammenarbeit bei gemeindepolizeilichen Aufgaben und bei der Spitex. Bis zwei Drittel der Gemeinden arbeiten bei den Alters- und Pflegeheimen und bei der Feuerwehr mit anderen Gemeinden zusammen. Relativ häufig sind Kooperations-Lösungen bei Energieversorgung, Jugendarbeit, Unterstützung und Betreuung älterer Personen, Abwasser bzw. Kanalisation sowie bei der Entsorgung. Ein Drittel bis die Hälfte der Gemeinden erfüllen diese Aufgaben interkommunal.

Schweizerisches Institut für öffentliches Management