«Inländervorrang light» (1/3)
Die Aargauer Landwirte plädieren für Verhältnismässigkeit und Rücksicht auf die einzelne Region

«Inländervorrang light»: So bereiten sich Branchen und der Kanton Aargau vor. Dieser Beitrag beschreibt die Situation in der Landwirtschaft.

Mario Fuchs
Drucken
Teilen

Keystone

Für den Aargauer Bauernverband ist klar: Die Stellenmeldepflicht soll generell ab einem Schwellenwert von 8 Prozent gelten. Denn mit einem Schwellenwert von 5 Prozent müsste in Zukunft jede dritte Stelle der öffentlichen Arbeitsvermittlung gemeldet werden – «aus unserer Sicht kaum umsetzbar», hält der Verband fest.

Zusätzlich sollten die Kantone bei Berufsarten mit unterdurchschnittlichen kantonalen Arbeitslosenzahlen die Kompetenz erhalten, diese von der Meldepflicht zu befreien. Es mache keinen Sinn, wenn eine Berufsart auf der gesamtschweizerischen Liste aufgeführt sei, aber gleichzeitig die hohe Arbeitslosenquote nur auf eine Region oder einen Kanton zurückzuführen sei. In diesem Fall müsse die Liste den Gegebenheiten der Wirtschaftsregionen angepasst werden. Grundsätzlich gelte es, «die Verhältnismässigkeit zu wahren».

Die Meldepflicht müsse für alle Beteiligten vom Aufwand und Nutzen her in einem tragbaren Rahmen sein, ansonsten entstehe nur ein administrativer und finanzieller Mehraufwand ohne Mehrwert. Bauernpräsident Alois Huber sagt: «Wir werden somit vorerst darauf hinwirken, dass dies zutrifft. Entsprechend werden wir dann unsere Betriebe sensibilisieren.»

Betroffen dürften vor allem die Gemüsebetriebe oder grössere Tierhaltungsbetriebe sein. Die Erfahrungen aus den Jahren, als der Inländervorrang geprüft wurde, zeigten auf, dass sich kaum Arbeitskräfte für die Landwirtschaft rekrutieren liessen. Huber: «Der Aufwand für die Stellenausschreibung stand in keinem Verhältnis zu den Vermittlungserfolgen.» Auf die Frage, ob der Bauernverband die Befürchtungen teile, wonach zu wenige motivierte, qualifizierte Arbeitnehmende beim RAV zu finden seien, sagt Huber: «Genau so wird es wohl kommen.»

Der Bauernverband bemühe sich laufend um die Ausnutzung des Inländerpotenzials, insbesondere im Bereich der Flüchtlinge und vorläufig Aufgenommenen, hält Präsident Huber fest. So engagiere er sich auch im Bereich der neuen Möglichkeit bezüglich Integrationsvorlehre.

Aktuelle Nachrichten