Talk Täglich

Debatte über Einkaufstourismus: «In der Schweiz wird man als Konsument abgezockt»

In der aktuellen Folge von Talk Täglich dreht sich alles um den Einkaufstourismus in Zeiten der Pandemie. So debattiert Benjamin Giezendanner, SVP-Politiker und Vizepräsident des Aargauischen Gewerbeverbandes, mit Rainer Stepanek, einem aus dem deutschen Laufenburg stammenden Metzger.

Larissa Gassmann
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Seit der Grenzöffnung vom 15. Juli werden die deutschen Geschäfte wieder oft von Aargauern besucht. Trotz Pandemie scheint sich an der Einkaufslust der Schweizer nichts verändert zu haben. Die laut klingelnden Kassen verdrängen die Gedanken an die vorherrschende Krisenstimmung. Die durch den Lockdown gebeutelten Schweizer Betriebe haben dabei einmal mehr das Nachsehen. Die Lust am Einkaufstourismus: Verständlich oder verwerflich? Darüber debattierten heute auf Tele M1 die Gäste von Talk Täglich, Benjamin Giezendanner (SVP-Nationalrat und Vizepräsident des Aargauischen Gewerbeverbandes) und Rainer Stepanek, ein aus dem deutschen Laufenburg stammender Metzger.

Letzgenannter hat eine verkaufsstarke Woche hinter sich, selbst wenn sich vor seinem Geschäft keine Schlangen bildeten. «Bei uns verlief alles geordnet. Wir sind ein Fachgeschäft und haben kaum Discounterkunden», so Stepanek. Trotzdem war die Freude über das Wiedersehen mit der Schweizer Kundschaft gross: «Sie schätzen unsere Qualität. Wir haben ein sehr persönliches Verhältnis zu unseren Kunden, sind fast schon ein familiäres Geschäft.»

Giezendanner wiederum sieht das Ganze kritisch, fehlender Ansturm hin oder her. «Wir sind alle freie Bürger und jeder darf frei entscheiden. Trotzdem macht es mir Angst, wie schnell wir alles vergessen», sagt er.

Der finanzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen

Allerdings verstehe er auch die Motivation der Einkaufstouristen. Der finanzielle Aspekt sei nicht zu unterschätzen, zumal die Rückerstattung der Mehrwertsteuer lockt. «Es herrscht ein ganz anderes Preisniveau. Die Produkte des allgemeinen Bedarfs kosten hierzulande einfach mehr. In der Schweiz wird man als Konsument abgezockt», sagt er. Vorwürfe macht er dabei nicht den Detailhändler, sondern den Importeuren. Da müsse man auf politischer Ebene ansetzen. Es brauche mehr Wettbewerb und Parallelimporte. Störend findet er auch die Rückerstattung der Mehrwertsteuer.

Stepanek wiederum gehen all diese Probleme nichts an, zumal seine Kunden sowieso keine Schnäppchenjäger sind und es für ihn keine Rolle spielt, ob die grünen Ausfuhrscheine irgendwann ganz wegfallen oder nicht. Viel eher überwiegt die Freude darüber, dass in den nahen Grenzgebieten wieder Leben herrscht. So beschreibt er eindrücklich die Stimmung nach der Grenzschliessung: «In unserer Region herrschte eine Totengräberstimmung, es war wie eine Schockstarre. Von heute auf morgen war nichts mehr los», sagt er.

Glücklicherweise habe es in Deutschland während Corona aber einen spürbaren Ruck gegeben. So kaufen mittlerweile vermehrt deutsche Landsleute bei ihm ein, auch der Coronaskandal rund um den Schlachtbetrieb Tönnies spielt ihm in die Karten.

Am Ende herrscht Harmonie

Dass der vor allem während der Krise vorherrschende Trend zur Regionalität wiederum auch hierzulande bestehen bleibt, darauf hofft Giezendanner. Was den momentanen Ansturm betrifft, so ist er guter Dinge: «Das sind gewisse Strömungen. Man will die Vorratskammer auffüllen, wieder einmal etwas erleben. Aber letztendlich ist die Regionalität wichtiger geworden», sagt er.

So machen ihm mittlerweile mehr die Onlinebestellungen, denn die Grenzgänger Sorgen. Ärgerlich findet er den Preiskampf dann aber doch. So spricht er an, dass Aldi Süd den Schweizer Kunden am Tag der Grenzöffnungen jeweils einen Gutschein überreicht hat. Zu diesem Zeitpunkt kommt es dann auch zum ersten und letzten kleinen Zwist in der Sendung: Dann, als Stepanek vehement bestreitet, dass der Gutschein nur an Schweizer verteilt wurde.

Ansonsten herrscht Harmonie zwischen dem deutschen Metzger, der gerne in der Schweiz Ferien macht und dem SVP-Mann, der gutes Fleisch schätzt. Auf das Billigfleisch von Tönnies angesprochen, wirbt er gar für die Metzgerei von Stepanek: «Wir sind froh, dass es sie gibt - wenn auch auf der falschen Seite der Grenze.»

Die ganze «TalkTäglich»-Sendung mit Benjamin Giezendanner und Rainer Stepanek können Sie hier nachschauen: