TV-Serie
Auf «Üsi Badi» folgt «Üse Zoo»: Behinderten-Stiftung Arwo tritt im Fernseh auf

In der SRF-Doku «Üse Zoo» sind Menschen mit Behinderung Protagonisten. Seit knapp einem Monat ist auch die Wettinger Behinderten-Stiftung in die Dreharbeiten involviert. Vier Protagonisten sammelten bereits vor drei Jahren Erfahrungen.

Florian Zimmermann
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Yvonne (Mitte) und Isabella (rechts) führen die Ponys, auf denen die kleinen Zoobesucher reiten dürfen. ZVG

Yvonne (Mitte) und Isabella (rechts) führen die Ponys, auf denen die kleinen Zoobesucher reiten dürfen. ZVG

Es ist 10 Uhr morgens. Im kleinen und übersichtlichen Plättlizoo in Frauenfeld ist es noch sehr ruhig. Nur selten hört man das Brüllen eines Löwen oder das Kreischen zweier Schimpansen, die sich um das Futter zanken. Dann ist es aber wieder still.

Seit rund vier Wochen dreht das Schweizer Radio und Fernsehen in Zusammenarbeit mit der Wettinger Behinderten-Stiftung Arbeiten und Wohnen Arwo die Doku-Unterhaltungsserie «Üse Zoo».

Sechs Menschen mit Behinderung werden begleitet, wie sie den Arbeitsalltag im Zoo bewältigen. Die Idee wurde aufgegriffen von der Sendereihe «Üsi Badi», die vor drei Jahren ausgestrahlt wurde. Vier der sechs Protagonisten waren bereits damals mit dabei.

Yvonne freundet sich mit Lama an

Zoobesucher hat es heute noch keine. Das interessiert Remo, Yvonne und Isabella jedoch weniger. Sie haben auch ohne Zuschauer genug zu tun. Zusammen mit einem Tierpfleger misten sie das Gehege der Geissen aus.

«Ich arbeite viel lieber im Restaurant», sagt Isabella. Auch Remo findet das Ausmisten von Gehegen weniger spannend: «Ich durfte sogar schon der Löwenfütterung dabei sein», das sei viel spannender gewesen.

Yvonne, die sich bisher im Hintergrund gehalten hat und die anderen zwei sprechen liess, tritt nun vor und sagt: «Hier muss man halt ein wenig anpacken. Ich arbeite sehr gerne mit Tieren.»

Inzwischen habe sie sich mit einem Lama angefreundet. Die drei der sechs Hauptdarsteller machen sich auf den Weg in ihre wohlverdiente Pause.

Am Pausentisch wartet bereits Niklaus. Schon aus «Üsi Badi» kennt man ihn als den Denker, der nicht im Vordergrund stehen möchte. Erst als die Anderen sich wieder ihrer Arbeit widmen, findet auch er das Wort: «Ich bin eigentlich gar nicht so gerne bei den Tieren. Ich arbeite viel lieber an der Kasse.»

Er habe gerne mit Menschen zu tun. «Ausser einmal», erinnert er sich, «wollte eine Schulklasse mit 24 Schülern Tickets für den Zoo lösen. Das war ein ziemliches Durcheinander», sagt er und schmunzelt.

Es gefalle ihm hier sehr gut, auch wenn es strenger sei als noch in der Badi.

Fühlen sich die Teilnehmer überfordert, müde oder gelangweilt, können sie sich an ihre zwei Betreuer wenden. Einer davon ist Adrian Schad, Abteilungsleiter bei der Arwo. «Ich erlebe die Dreharbeiten sehr positiv», betont er.

Das selbstständige Arbeiten habe den Protagonisten sehr viel Selbstvertrauen gegeben. So habe Remo beim Kennenlernen einer neuen Tätigkeit oft schon zu Beginn gesagt, er könne das nicht. Inzwischen mache er fast alles.

Remo ist nicht der Chef

Doch eines will der Abteilungsleiter klarstellen: «Remo ist nicht der Chef der Gruppe» Die Medien hätten ihn in den Mittelpunkt gestellt. «Darüber haben sich die anderen Protagonisten sehr geärgert», sagt Schad.

Zudem sei dadurch Remo ein wenig übermütig geworden. Die Betreuerin und Bewegungstherapeutin Tamara Allenspach ergänzt: «Nicht nur für die Protagonisten sind wird da.»

Auch die Tierpfleger und Kameraleute mussten lernen, mit der Gruppe umzugehen. «Sie waren zu Beginn oft übervorsichtig und wussten nicht genau, was sie verlangen dürfen und was nicht», sagt Allenspach.

Remo zum Beispiel habe jedem einen Kuss zur Begrüssung gegeben. Allenspach: «In solchen Fällen muss man klar sagen, dass man das nicht möchte.»

«Üse Zoo»: Erste Folge der TV-Serie am Freitag, 5. Juli, um 20.05 Uhr auf SRF 1

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