ABB-Hitachi-Deal

Auch ex ABB-Finanzchef kritisiert Spiesshofer: «Verkauf an Hitachi ist ein schlechtes politisches Zeichen»

Nach Kritik aus den aargauischen Politkreisen äussert sich nun auch ein ehemalige Finanz-Chef und Aktionär der ABB abwertend über den Deal mit dem japanischen Konzern Hitachi. Er sei «sehr enttäuscht».

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Umbau der Konzernstruktur: ABB verkauft seine grösste Sparte an den japanischen Konzern Hitachi. (Archiv)

Umbau der Konzernstruktur: ABB verkauft seine grösste Sparte an den japanischen Konzern Hitachi. (Archiv)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

In einem Leserbrief an diese Zeitung bezeichnet Paul Küng, ehemaliger CFO bei ABB Schweiz, den Verkauf der Stromnetzsparte an das japanische Unternehmen als «Skandal». Obwohl er selber Aktionär ist, bemängelt er, dass das Geld vom Verkauf nicht der ABB als Unternehmen zu Gute komme.

Somit folgt er der Argumentation von Rainer Huber in einem Facebook-Post. Dieser bezeichnete die Argumente des ABB-Chef Ulrich Spiesshofer als «zum Kotzen peinlich». Wie schon SP-Präsidentin Gabriela Suter findet Küng es «skandlös», dass der ganze Netto-Erlös ausschliesslich an die Aktionäre fliessen soll. Seiner Ansicht nach sei die bisherige Dividendenpolitik «durchaus gut bis sehr gut» gewesen.

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer, als er den Deal mit Hitachi verkündet.       

ABB-Chef Ulrich Spiesshofer, als er den Deal mit Hitachi verkündet.       

ENNIO LEANZA

Mit seiner Kritik stellt sich Küng in eine Reihe von Kritikern des Hitachi-Deals. Bisher hatten sich der amtierende Volkswirtschaftdirektor des Kanton Aargaus Urs Hoffman (SP) und alt Regierungsrat Rainer Huber (CVP) ihren Unmut über den Verkauf der Stromnetzsparte geäussert. Auch der Aargauer Regierungsrat und die SP Aargau bemängelten die Entscheide der ABB-Führung in Medienmitteilungen.

Der ehemalige CFO könne zwar verstehen, dass man «aus Risikoüberlegungen das Sortiment eines Konzerns» optimieren müsse. Er bezweifle aber, dass «der schrittweise Ausstieg aus der Stromübertragung zum jetzigen Zeitpunkt» vernünftig sei. Er sei «sehr enttäuscht» von der Entscheidung der Konzernleitung. (cez)

Der Leserbrief in voller Länge:

Ein Skandal!

AZ vom 20. 12.: Hitachi-Deal – Alt Regierungsrat attackiert ABB-Chef

Dass aus Risikoüberlegungen das Sortiment eines Konzerns optimiert werden muss, kann man als kritischer Beobachter grundsätzlich verstehen. Ob der schrittweise Ausstieg aus der Stromübertragung zum jetzigen Zeitpunkt vernünftig ist, wage ich zu bezweifeln. Dass jedoch der ganze Netto-Erlös von mehreren Milliarden Dollar via Aktienrückkäufe oder auf andere Weise an die Aktionäre fliessen soll, versteht keiner, ist meiner Ansicht nach skandalös! Die Aktionäre sind nicht die einzigen Stakeholders einer Unternehmung. Die bisherige Dividendenpolitik der ABB war durchaus gut bis sehr gut. Mittel- und langfristig richtig wäre, das von Hitachi kommende Geld für Forschung und Entwicklung, für Akquisitionen von Firmen zur Abrundung des Sortiments sowie für die Aus- und Weiterbildung des Personals zu verwenden. ABB setzt mit dem Verkauf an Hitachi – kurz vor Weihnachten notabene – auch ein gelinde gesagt schlechtes politisches Zeichen. Ich bin sehr enttäuscht.


Paul Küng, ehem. CFO ABB Schweiz
und ABB-Aktionär, Windisch