Sins
Archäologische Untersuchungen: Was der Boden in Meienberg verbarg

Einblick in Resultate und Befunde der archäologischen Untersuchungen von 1987 bis 2011 gibt nun das Buch «Meienberg – eine mittelalterliche Stadtwüstung im oberen Freiamt». Es wurde am Mittwoch in Meienberg vorgestellt.

Eddy Schambron
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Archäologischen Grabungen in Meienberg 2005. EDdy Schambron

Archäologischen Grabungen in Meienberg 2005. EDdy Schambron

Viel ist nicht übrig geblieben vom früheren Städtchen Meienberg in der Gemeinde Sins. Aber doch viel mehr, als für den Laien mit dem sogenannten Amtshaus und den Häusern Villiger und Stalder sichtbar ist.

Das zeigt das neue Buch «Meienberg – eine mittelalterliche Stadtwüstung im oberen Freiamt», das in der Reihe «Archäologie im Aargau» gestern in Meienberg selber erstmals öffentlich vorgestellt wurde.

Es ermöglicht aufgrund der Resultate der archäologischen Untersuchungen von 1987 bis 2011 einen spannenden Einblick in die Struktur und das Leben einer ländlichen Kleinstadt des 14. Jahrhunderts.

Verschonte Grundstruktur

Die Stadt Meienberg war eine Gründung der Habsburger, die um 1240 erfolgte. Im Sempacherkrieg 1386 wurde sie durch die Eidgenossen zerstört.

«Die Zerstörung Meienbergs – so tragisch dies für die Bewohner war – macht den Ort zu einem bedeutenden Geschichtszeugnis, da im Boden eine von späteren Um- und Neubauten weitgehend verschonte Stadtanlage in ursprünglicher Grundstruktur erhalten blieb», stellt Reinhold Bosch, Aargauer Kantonsarchäologe von 1947 bis 1960, fest.

Bauvorhaben innerhalb der Stadtwüstung und in der nächsten Umgebung führen seit 35 Jahren regelmässig zu archäologischen Ausgrabungen und Bauuntersuchungen. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden jetzt erstmals zusammen mit dem Untersuchungsbefund und dem Fundgut in einem Buch vorgelegt.

Es ist ein umfassendes Werk, das Archäobotanik und Archäozoologie einschliesst. Der Fundkatalog und Tabellen ergänzen den Textteil. Finanziert wurde das Buch durch den Kanton Aargau; die Gemeinde Sins leistete ebenfalls einen Beitrag an die Druckkosten.

Aussergewöhnlicher Fund

Zwar hat sich die Hoffnung, dass sich wegen der erfolgten Brandzerstörung des Städtchens Meienberg von 1386 eine mit wissenschaftlich wertvollen Fundobjekten und Informationen bespickte Zerstörungsschicht bergen liesse, nicht erfüllt, wie Kantonsarchäologin Elisabeth Bleuer feststellt.

Vieles sei beim Wiederaufbau von Meienberg offenbar abgetragen worden, was zum Teil die Interpretation der entdeckten Befunde erschwerte. Der herausragendste Fund ist ein Aquamanile (Giessgefäss), das im Haushalt eines mutmasslichen Schmiedes gefunden wurde, der offensichtlich zu Wohlstand gekommen ist.

«Dieser aussergewöhnliche Fund zeugt von einer gewissen Bildung – sowohl vom Hersteller dieses Gefässes als auch vom Käufer», stellt Bleuler fest. Damit sei angedeutet, dass das im Verlag hier + jetzt erschienene Buch mit seinen Zeichnungen und Bildern nicht nur für Fachleute aufschlussreich ist, sondern ebenso für archäologisch und geschichtlich interessierte Laien.

Auch Geschichte

Neben der Stadtgeschichte erhalten beispielsweise genauso wirtschaftliche und sozialgeschichtliche Erkenntnisse ihren Platz. Das Buch erlaubt schliesslich einen Blick über Meienberg hinaus auf Stadtwüstungen (dauerhaft von den Bewohnern aufgegebene Städte) in der Schweiz.

Meienberg – eine mittelalterliche Stadtwüstung im oberen Freiamt. Hg. Peter Frey, Verlag hier + jetzt, Baden 2013, ISBN 978-3-03919-272-4, 59 Franken.

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