Sonnenfinsternis

Aargauer Sonnenprofessor: «Das wird eine fantastische Erfahrung»

Am Freitag um 10.34 Uhr wird die Sonnenfinsternis den Höhepunkt erreichen. André Csillaghy, FHNW-Professor, erklärt die Faszination der Sonnenfinsternis und sagt, warum das Phänomen für ihn persönlich, aber nicht für die Forschung interessant ist.

Manuel Bühlmann
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Professor André Csillaghy mit seinen Studenten beim Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz:Das Teleskop wird auch am Freitag auf die Sonne gerichtet sein, wenn der Mond sie zum Teil verdeckt.

Professor André Csillaghy mit seinen Studenten beim Campus der Fachhochschule Nordwestschweiz:Das Teleskop wird auch am Freitag auf die Sonne gerichtet sein, wenn der Mond sie zum Teil verdeckt.

Chris Iseli

Auf ein seltenes Spektakel bereitet sich die Fachhochschule Nordwestschweiz in Brugg-Windisch (FHNW) vor: Am Freitagmorgen wird die Sonne zu drei Vierteln verdeckt sein. In einem Observatorium auf dem Campus können Interessierte beobachten, was sich am Himmel abspielt.

Einen Blick durch das Teleskop wird auch André Csillaghy werfen. Die partielle Sonnenfinsternis lässt sich der FHNW-Professor und Leiter des Instituts I4DS nicht entgehen – schliesslich wird die nächste erst wieder 2021 erwartet.

Herr Csillaghy, sind Sie aufgeregt, wenn Sie an Freitag denken?

André Csillaghy: Ja sicher, eine Sonnenfinsternis ist auch für mich aussergewöhnlich. Für uns Forscher ist es die Gelegenheit, die Kraft der Natur zu erleben und für einmal die Beobachtungen nach draussen zu verlegen.

Nicht nur Wissenschafter, auch Laien scheinen sich dafür zu interessieren. Die Schutzbrillen etwa sind im Aargau bereits ausverkauft. Wie erklären Sie sich diese Faszination?

Einerseits kommt eine Sonnenfinsternis nicht jeden Tag vor. Das letzte Mal war das Phänomen 1999 zu sehen, das nächste Mal wird erst wieder in sechs Jahren zu beobachten sein. Allzu viele Gelegenheiten bieten sich also nicht. Andererseits sind viele Leute vom Weltall und der Astronomie fasziniert. Im Alltag beschäftigen wir uns mit dem, was auf der Erde geschieht. Plötzlich passiert nun etwas ausserhalb des Planeten und führt uns vor Augen, dass wir nur ein kleiner Teil eines riesigen Systems sind.

Wie erklären Sie einem Laien, was sich da am Himmel abspielt?

Positiv an einer Sonnenfinsternis ist auch, dass das Phänomen leicht zu erklären ist. Kurz gesagt: Der Mond schiebt sich zwischen Erde und Sonne und verdeckt dabei die Sonne vollständig oder teilweise – am Freitag etwa zu 75 Prozent.

Der Höhepunkt der Finsternis dauert nur wenige Minuten. Viel Aufregung für einen sehr kurzen Moment.

Verspätung wird es keine geben, daher lohnt es sich, rechtzeitig bereit zu sein. Stressen muss deswegen allerdings niemand, das Phänomen läuft relativ langsam ab. Und auch wenn am Freitag in der Schweiz nur eine partielle Finsternis zu sehen sein wird: Eine fantastische Erfahrung wird dies trotzdem.

Erwarten Sie am Freitag neue Erkenntnisse für die Forschung?

Die Finsternis hat zwar eine grosse Faszination und ist sehr anschaulich, aber unsere Forschung profitiert von diesen Beobachtungen kaum. Sie hat sich inzwischen in eine andere Richtung verlagert.

In welche?

Zum Beispiel beschäftigen wir uns an der Fachhochschule in Brugg mit den Sonnenausbrüchen. Wir wollen verstehen, wie sie funktionieren, und vorhersagen können, wann es zu ihnen kommt.

Können Sie erklären, was Sonnenausbrüche sind?

Das sind Explosionen auf der Sonne, die bei einer bestimmten Konstellation der Magnetfelder entstehen können. Dabei wird sehr viel Energie freigesetzt, wodurch Teilchen bis zur Erde geschleudert werden können. Dies kann dazu führen, dass Satelliten beschädigt werden. Derzeit bauen wir an einem Satelliten, den wir 2018 nahe zur Sonne schicken wollen, um dieses Phänomen zu beobachten.

Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Forschungsarbeit?

Wir wollen das sogenannte Weltraumwetter besser voraussagen können, um die Satelliten vor Schäden schützen zu können. Daneben gibt es aber auch das übergeordnete Ziel, die Sonne besser zu verstehen. Das ist zentral, denn ohne sie gibt es kein Leben auf der Erde. Umso wichtiger ist es, dass die Wissenschaft möglichst genau in Erfahrung bringen kann, wie dieses wahnsinnige Energiekraftwerk funktioniert.

Sind Sie auch deshalb zum Sonnenforscher geworden?

Ja. Zu meinem Beruf gehört eine grosse Dosis Leidenschaft und die Neugierde für all das, was man nicht versteht, aber verstehen möchte.