Sinkende Verkaufszahlen

Aargauer Buchhandel macht harte Zeiten durch – droht eine Konkurswelle?

Wegen dem Einkaufstourismus herrschen für Aargauer Buchhändler verschärfte Bedingungen. Mehrere Buchhandlungen haben zuletzt dichtgemacht. Doch es gibt auch Erfolgsmeldungen und Unternehmer, die Buchhandlungen übernehmen.

Peter Brühwiler
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Nachfolgeregelung geglückt: Ursina Boner (rechts) übernimmt die Aarauer Buchhandlung Kronengasse von Katharina Richter.

Nachfolgeregelung geglückt: Ursina Boner (rechts) übernimmt die Aarauer Buchhandlung Kronengasse von Katharina Richter.

Sandra Ardizzone

Matthyas Jenni, der berühmteste Buchhändler Basels, zieht die Reissleine. Er werde sein Geschäft per Ende September schliessen, teilte der Autor und Literaturspezialist kürzlich mit. Denn zu verdienen gebe es nichts mehr — «es ist eine saublöde Zeit».

Die nackten Zahlen geben ihm recht: 2014 wurden in der Deutschschweiz 800'000 gedruckte Bücher weniger verkauft als im Vorjahr; der Branchenumsatz sank um 4,9 Prozent. Und mit einer Trendwende kann nicht gerechnet werden, zumal der billige Euro die Umsätze dieses Jahr zusätzlich ins Minus drücken dürfte.

Setzt also auch im Aargau bald das grosse Buchladen-Sterben ein? Basel sei mit dem Aargau nicht ganz vergleichbar, sagt Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizer Buchhändler- und Verlegerverbandes. «Die Grenznähe ist dort ein extremes Problem.»

Verschärfte Bedingungen also, wobei den Buchhändlern aber nicht nur der Einkaufstourismus, sondern vor allem die Onlinekonkurrenz zu schaffen macht. «Über den Preis kann man nicht mit ausländischen Online-Händlern konkurrieren», stellt Landolf klar.

Diese Entwicklung hat auch im Aargau ihre Spuren hinterlassen. So schlossen Ende 2012 aus finanziellen Gründen etwa die CoLibri-Buchhandlung in Muri und kurz darauf die Bücher Boutique in Wohlen.

Es gibt auch Erfolgsmeldungen

Momentan scheinen keine weiteren Schliessungen geplant zu sein, wie eine kleine Umfrage zeigt. Es gibt gar Erfolgsmeldungen aus der Branche zu verzeichnen. So haben in Reinach zwei Jungunternehmer die Wynabuchhandlung übernommen.

Und auch im Fall der Aarauer Buchhandlung Kronengasse klappt der Generationenwechsel: Die bisherige Geschäftsführerin Katharina Richter will kürzertreten und übergibt stufenweise an Ursina Boner, die bereits seit 15 Jahren in der Kronengasse arbeitet.

Nachfolger für Buchläden zu finden, sei derzeit nicht einfach, erklärt Boner. Sie sei deshalb gerne selber eingesprungen: «Es muss auch künftig ein Nebeneinander von grossen und kleinen Buchhandlungen geben.»

Das Potenzial dafür sei durchaus vorhanden, findet Landolf. Entscheidend seien ein gutes Sortiment und ein guter Kundenservice, sagt er – und nennt als «Paradebeispiel» die Badener Buchhandlung Librium.

«Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt», zitiert diese den argentinischen Schriftsteller Jorge Luis Borges auf ihrer Website – womit sie Buchliebhaber aber natürlich nicht aufs Jenseits vertrösten will.

Librium-Inhaberin Susanne Jäggi ist «vorsichtig optimistisch»: «Wenn wir es ganz gut machen, kann die Buchhandlung auch in den nächsten Jahren überleben.»

Ganz gut machen heisst: Aus den Hunderttausenden von Neuerscheinungen die besten Bücher herauszupflücken und mit den Kunden im Gespräch zu bleiben. «Unsere Beratung endet nicht mit der Empfehlung», erklärt Jäggi. «Wenn der Kunde nach der Lektüre eines Buches ins Geschäft zurückkommt, fragen wir zum Beispiel nach, wie es ihm gefallen hat.»

Die Librium-Buchhandlung schreibt schwarze Zahlen. «Aber wir befinden uns auf einem schmalen Grat», sagt Jäggi. Das Hauptproblem: Die Buchpreise sinken seit Jahrzehnten, während die Kosten, etwa für Personal und Miete, steigen.

«Mehr ein Bauchentscheid»

Mit dieser Problematik sind natürlich auch die Grossen konfrontiert. So hat etwa der Schweizer Marktführer Orell Füssli Thalia (OFT) in seiner Basler Filiale die Verkaufsfläche um 400 Quadratmeter reduziert.

Im Aargau, wo die OFT mit fünf Filialen vertreten ist, stünden jedoch weder Reduktionen der Ladenflächen noch Schliessungen zur Diskussion, sagt Pressesprecher Alfredo Schilirò auf Anfrage. Die OFT sei überzeugt, dass die Entwicklung im Onlinehandel nicht das Ende des stationären Handels bedeute — «im Gegenteil, der Onlinehandel integriert den bestehenden stationären Handel».

Für die Grossen mag diese Taktik aufgehen. Für kleine Buchhändler hingegen ist der Onlinehandel weniger lukrativ. Man brauche den Online-Shop als Werkzeug für den Kundenkontakt, erklärt Daniel Stehelin. «Zum Umsatz steuert er aber nur einen marginalen Teil bei.»

Stehelin hat eben Bücher Doppler in Baden übernommen. Es sei ihm wichtig, dass das Traditionshaus weiterbestehe, sagt er. «Ökonomisch war der Kauf vielleicht nicht so durchdacht. Es war mehr ein Bauchentscheid.»