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Aargau-Auswanderer: «Die Herzlichkeit der Israelis gefällt mir»

Wie ausgewanderte Aargauerinnen und Aargauer leben, wo andere Ferien machen. Heute der Bremgartner Michel Wyss (28). Er lebt in Herzliya, Israel.

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Auswanderer Michel Wyss und die Bahai-Gärten in Haifa.

Auswanderer Michel Wyss und die Bahai-Gärten in Haifa.

Michel Wyss

Wieso sind Sie ausgerechnet nach Israel ausgewandert?

Ich absolviere hier ein Master-Studium in Counter-Terrorism und Security Studies. Leider hat Israel bekanntlich sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet, insofern war die Entscheidung, hier zu studieren, naheliegend. Zudem habe ich schon seit Jahren den Wunsch gehegt, für längere Zeit in Israel zu leben.

Welches Wort in der Landessprache brauchen Sie am häufigsten und warum?

«Sababa». Das ist hebräisch und kann je nach Situation «cool», «grossartig», aber auch «kein Problem» bedeuten. In Israel ist alles stets «Sababa». Zudem sage ich sehr oft «Todah» (Danke) und «Eifshar», was sich mit «Ist es möglich ...» oder «Könnte ich bitte ...» übersetzen lässt. Meine israelischen Freunde machen sich jeweils lustig über mich, da dies ihrer Meinung nach viel zu höflich sei.

Wie sicher fühlen Sie sich, wenn Sie in Israel spazieren gehen?

Völlig sicher. Verglichen mit der Situation vor zehn Jahren hat sich die Sicherheitslage innerhalb des Landes drastisch verbessert, gerade im Vergleich mit Nachbarländern wie etwa Syrien oder Ägypten. Dennoch ist man sich bewusst, dass die derzeitige Ruhe trügerisch sein kann und ein neuer Konflikt mit Hamas oder Hisbollah jederzeit möglich ist.

Wie wohnen Sie?

Ich lebe in einer kleinen Wohnung gemeinsam mit einem israelischen Mitbewohner und dessen peruanischer Freundin in Herzliya, welches etwa zehn Minuten nördlich von Tel Aviv am Mittelmeer liegt. Es ist ein relativ ruhiger Ort mit vielen jungen Familien und insofern perfekt, als dass man sich hier voll auf sein Studium fokussieren kann.

Wie weit ist es zur nächsten Einkaufsmöglichkeit?

Mehrere kleine Supermärkte befinden sich wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt, zudem gibt es hier auch einen «AM:PM», welcher abgesehen vom Yom Kippur (dem höchsten jüdischen Feiertag) täglich 24 h geöffnet ist.

Welche kulinarische Spezialität Ihres Auswanderungslandes mögen Sie am liebsten?

Zweifelsohne Hummus! Gerade verglichen mit dem, was sich in der Schweiz «Hummus» schimpft, ist die Qualität hier unvergleichlich. Den besten Hummus gibt es oftmals in kleinen, unauffälligen Lokalen, die man leicht übersieht, wenn man sie nicht kennt. Aber auch Falafel, Shakshuka oder Jachnun, ein jemenitisches Gebäck, welches traditionell am Shabbat-Morgen gegessen wird, sind grossartig.

Wie würden Sie das Klima in Israel beschreiben?

Im Sommer erdrückend heiss, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Glücklicherweise gehören Klimaanlagen hier zur Standardausstattung – wobei die Israelis es damit manchmal gerne übertreiben, sodass man im Sommer einen Pullover mitbringen muss, um im Vorlesungssaal nicht zu erfrieren. Herbst, Frühling und auch Winter sind dafür sehr milde und angenehm. An Weihnachten im Roten Meer zu schwimmen war eine ungewohnte, aber sehr erfreuliche Erfahrung.

Was gefällt Ihnen am Leben und am Alltag in Ihrem Auswanderungsland am besten?

Das Essen, das Wetter, Tel Aviv bei Nacht ... die Liste ist endlos. Vor allem aber die Herzlichkeit der Israelis. Es ist hier völlig normal, mit Unbekannten im Bus, der Bahn oder beim Warten in einem Büro ins Gespräch zu kommen und dann bereits nach fünf Minuten zum Shabbat-Dinner mit der ganzen Familie eingeladen zu werden.

Und was stört Sie?

Die Ineffizienz bei allen administrativen Belangen. Termine bei der Einwohnerkontrolle, Erledigungen bei der Bank oder Post sind stets mit längeren Wartezeiten verbunden. Wenn man sich allerdings darauf einstellt und etwa ein Buch mitbringt, kann man die Zeit dennoch sinnvoll nutzen.

Wohin fahren Sie selber gerne in die Ferien?

Zeit für Ferien habe ich momentan kaum, allerdings werde ich ab August vier Monate an der University of Texas in Austin als Gastwissenschafter verbringen, worauf ich mich sehr freue. Im vergangenen Winter war ich zurück in der Schweiz für einige Splitboard-Touren, das werde ich nächste Saison wieder machen.

Haben Sie manchmal Heimweh nach der Schweiz? Was vermissen Sie am meisten?

Eher selten, wobei ich selbstverständlich Familie und Freunde manchmal vermisse. Aber dank Skype etc. ist es heute ja kein Problem, in Kontakt zu verbleiben. Am meisten fehlen mir hier zweifelsohne die Alpen, insbesondere im Winter, wenn ich mir die neusten Bilder von Ski- und Snowboard-Touren meiner Freunde online anschaue.

Was können die Schweizer von den Menschen in Israel lernen?

Offenheit und insbesondere der unerschütterliche Optimismus, obwohl dieser angesichts der verrückten Situation, in der sich Israel befindet, manchmal fast schon schizophren erscheint. Aber vermutlich ist der Optimismus eine Notwendigkeit, um sich in dieser Umgebung erfolgreich zu behaupten.

Welche drei Dinge muss man als Tourist in Israel unbedingt sehen?

Den Sonnenaufgang auf der Ruine Massada, verbunden mit einem Bad im Toten Meer. Die Altstadt von Jerusalem mit all ihren heiligen Stätten sowie die Bahai-Gärten in Haifa.

Und welche Dinge muss man einpacken, wenn man Israel bereist?

Kopfbedeckung, leichte Kleidung und jede Menge Sonnenschutzmitte

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