Möhlin

Zwischen Kartenzeichnen und Training

Zum Saisonstart sprechen die OL-Läufer Andreas und Matthias Kyburz über ihre Ziele – und die Schweizer Meisterschaft, die in ihrem Heimatdorf stattfindet.

Fabio Baranzini
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Die Brüder Andreas (l.) und Matthias Kyburz im Mehlemer Forst, wo die OL-Schweizer-Meisterschaft stattfinden wird. Fba

Die Brüder Andreas (l.) und Matthias Kyburz im Mehlemer Forst, wo die OL-Schweizer-Meisterschaft stattfinden wird. Fba

Fabio Baranzini

«Wenn wir noch 100 Meter weiterlaufen, hat es auf der rechten Seite eine kleine Wiese mit ein, zwei Tannen und ein paar alten Bäumen. Das wäre sicher kein schlechter Ort für das Bild», sagt Andreas Kyburz. Das rund sechs Quadratkilometer grosse Waldstück zwischen Möhlin und Wallbach kennt der 27-jährige Mehlemer in- und auswendig. Gut 150 Stunden ist er in den letzten rund eineinhalb Jahren durch diesen Wald gestreift und hat neben der Topografie auch Dickichte, Schneisen, Baumstrünke, Wiesen und Wege innerhalb des Waldstücks minutiös dokumentiert und die Daten digitalisiert.

41 Routen mit 120 Posten

Die Karte, die daraus entstanden ist, dient als Grundlage für die Mitte April anstehende OL-Schweizer-Meisterschaft. Bei diesem nationalen Grossanlass sind die beiden Weltklasse-Orientierungsläufer Andreas und Matthias Kyburz auch für die Konzipierung der Strecken und das Setzen der Posten zuständig.

«Insgesamt müssen wir für die verschiedenen Alterskategorien 41 unterschiedliche Routen planen. Dafür brauchen wir 120 Posten und müssen schauen, dass sich die Läufer auf den verschiedenen Routen nicht in die Quere kommen und die Schwierigkeit der Parcours für alle Kategorien passt», beschreibt Matthias Kyburz die Herausforderung der Streckenplanung.

Jetzt – rund einen Monat, bevor die ersten Läufer um die nationalen Titel kämpfen – stehen die Karten und die Strecken. «Jetzt hoffen wir einfach, dass der Förster nicht mehr allzu aktiv wird, sonst muss ich die Karten nochmals anpassen», sagt Andreas Kyburz lachend.

Fokus auf die WM in Schweden

Da die beiden Brüder so intensiv in die Vorbereitung und Planung der Wettkämpfe in Möhlin involviert sind, dürfen sie selber nicht antreten. Das ist nicht optimal, denn die Schweizer Meisterschaft gilt als Selektionswettkampf für den Weltcup und die EM im Mai. «Als wir den Organisatoren vom OLK Fricktal zugesagt haben, wussten wir das noch nicht», erklärt Matthias Kyburz. Es ist aber dennoch davon auszugehen, dass die Gebrüder Kyburz sowohl im Weltcup, als auch an der EM in Tschechien dabei sein werden.

Das grosse Saisonziel der Gebrüder Kyburz ist dann aber die WM im August in Schweden. Auf diesen Höhepunkt bereiten sie sich auch sehr intensiv vor. Nach dem ersten Wettkampf der Saison – der Nacht-SM vom vergangenen Samstag – reisten die beiden nach Schweden in ein zweiwöchiges Trainingslager.

Im Verlauf der Saison werden noch weitere Trainingseinheiten vor Ort folgen, denn schliesslich hat vor allem Matthias Kyburz an der WM Grosses vor. «Ich will endlich die erste Einzelmedaille im Wald holen», so der 26-jährige, der bereits drei Staffel-WM-Medaillen gewonnen hat und 2012 Weltmeister im Sprint wurde, der jeweils in der Stadt ausgetragen wird.

Andreas Kyburz hofft derweil, dass er sich einen der raren Startplätze – pro Disziplin und Nation werden nur drei Startplätze vergeben – ergattern und an den Titelkämpfen um ein Diplom mitlaufen kann.

Gute Werte im Leistungstest

Damit die Gebrüder Kyburz an der EM, der WM und beim Weltcupfinale im Herbst in Aarau in Topform sind, haben sie sich in den letzten Monaten intensiv auf die neue Saison vorbereitet. Lauftrainings im Wald, Bike- und Langlaufeinheiten zum Ausgleich, einige Stadt- und Crossläufe als Testwettkämpfe und zum Abschluss ein Technik-Trainingslager in Spanien – so sah die Vorbereitung der Kyburz-Brüder aus. Der Aufwand hat sich gelohnt. «Unsere Werte im Leistungstest von letzter Woche waren sehr gut», freut sich Matthias Kyburz. Einer erfolgreichen Saison der beiden Mehlemer OL-Cracks scheint also nichts mehr im Weg zu stehen.