Wie die badischen Nachbarn mit Fricktaler Hilfe den Winter überstanden

Während des Zweiten Weltkriegs unterstützten Fricktaler ihre badischen Nachbarn mit Spenden. Mit dem Jahreswechsel 1946/47 lieferten die Schweizer Gemeinden Gemüse, Obst und Fett über die Grenze.

Markus Vonberg
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Die Fricktaler spendeten Gemüse an die badischen Nachbarn.

Die Fricktaler spendeten Gemüse an die badischen Nachbarn.

zvg/Pro Specie Rara

Vertreter von Gemeinden beiderseits des Rheins erinnerten am Dienstag in Laufenburg an die Winterhilfe vor 70 Jahren. 1947 bis 1949 versorgten die Gemeinden des Bezirks Laufenburg Kinder in der deutschen Nachbarschaft mit Lebensmitteln und anderen Sachspenden. «Die Geschichte zeigt, dass die Menschen in der Not auch über die Grenze hinweg zusammenstehen», erklärte Bürgermeister Ulrich Krieger bei der Feierstunde im Hotel Rebstock. Stadtammann Herbert Weiss nannte die damalige Aktion ein Zeichen auch für jene, die heute wieder Mauern errichten wollten.

Gemüse, Obst und Fett

«Aus unseren Nachbargemeinden Murg, Laufenburg und Albbruck liegen ärztliche Berichte vor, dass 70 bis 80 Prozent der Schuljugend unterernährt und unterentwickelt sind. Noch grösser ist die Zahl der Kropfkranken und Wurmverseuchten», hiess es 1946 in einem Aufruf an die Bevölkerung des Aktionskomitees «Winterhilfe für die Kinder in den Badischen Nachbargemeinden». Mehrere prominente Fricktaler Persönlichkeiten gehörten ihm an, darunter der Laufenburger Stadtammann Jean Brennenstuhl. Er sei im Sommer von seinem Amtskollegen jenseits des Rheins dringend um Hilfe gebeten worden, berichtete Franz Schwendemann, der ehemalige Direktor des Regionalverbands Hochrhein-Bodensee, in seinem Vortrag über die Nothilfe.

Mit dieser Zeichnung bedankte sich der damals 19-jährige Laufenburger Franz Rudigier 1947 bei den Schweizer Nachbarn. zvg

Mit dieser Zeichnung bedankte sich der damals 19-jährige Laufenburger Franz Rudigier 1947 bei den Schweizer Nachbarn. zvg

Franz Rudigier;zvg;

Mit dem Jahreswechsel 1946/47 lieferten die Schweizer Gemeinden Gemüse, Obst und Fett über die Grenze. Im badischen Laufenburg bereiteten dann in der Küche der Hans-Thoma-Schule Lehrerinnen, Schülerinnen und Rotkreuzhelferinnen daraus Suppe zu. An vier Tagen die Woche habe jeder Schüler einen halben Liter aus Gelben Rüben, aus Gemüse, aus Bohnenmehl oder aus Kartoffeln gekochter Suppe erhalten.

Ab Ende Februar wurden auch Kinder in der Nachbargemeinde Luttingen aus der Laufenburger Schulküche versorgt. «Immer zwei Schüler der Luttinger Oberklasse mit Leiterwägelchen durften täglich die 50 Liter Suppe in Empfang nehmen», so Schwendemann. Insgesamt seien bis Juni 350 Kinder und 50 Erwachsene mit Essen versorgt worden.

1948 und 1949 wurde während der kalten Jahreszeit die Hilfsaktion fortgesetzt. Doch die Schweizer belieferten ihre bedürftigen deutschen Nachbarn nicht nur mit Lebensmitteln. Im Herbst 1948 trafen hochwillkommen 300 Glühbirnen ein, Ende 1948 spendete die Bonneterie AG Laufenburg 60 Paar Kindersocken, zu Ostern 1949 brachte ein Lastwagen 15 Kisten Wäsche, zwei Kisten Schuhe, zwei Betten, eine Sprungfedermatratze, eine Nähmaschine und einen Kinderwagen als Ergebnis einer Spendenaktion über die Grenze.