Wetterrückschau
Experte zieht Bilanz: «2021 bricht den Trend von sieben zu warmen Jahren in Serie»

Dieses Jahr war im Fricktal zum ersten Mal seit 2012 wieder zu nass und seit 2013 zu kalt. Weisse Weihnachten wie zuletzt 2010 wird es laut Hobby-Meteorologe Helmut Kohler auch dieses Mal nicht geben. Aussergewöhnlich von den Daten her präsentierten sich der frostige Frühling und der hitzetagfreie und niederschlagsreiche Juli.

Dennis Kalt
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Helmut Kohler aus Schwörstadt zeichnet seit 1997 das Wetter der Region auf – hier bei der Wetterstation in Bad Säckingen.

Helmut Kohler aus Schwörstadt zeichnet seit 1997 das Wetter der Region auf – hier bei der Wetterstation in Bad Säckingen.

Bild: zvg

Der rieselnde Schnee ist neben Festtagsmenu und schmuckem Tannengrün eine Komponente, die im Bild aller Weihnachtsromantikerinnen und -romantiker ihren Platz hat. Doch leider, so Helmut Kohler, wird es auch dieses Jahr keine weissen Weihnachten geben. «Das ist nahezu ausgeschlossen. Aufgrund der Südwest-Lage steigt die Schneefallgrenze auf zwischen 1000 und 1700 Meter an», so der 63-jährige Hobby-Meteorologe, der entlang des Hochrheins, etwa in Bad Säckingen und Schwörstadt, mehrere Wetterstationen betreibt.

Das letzte Fest mit «bilderbuchhaftem Weihnachtswetter» liegt gemäss Kohler bereits elf Jahre zurück. «Damals, 2010, schneite es an Heiligabend durch, über die Festtage stieg das Thermometer nicht über minus 3°C, und die Schneedecke zeigte sich unter stahlblauem Himmel.»

Zwei langjährige Trends werden gebrochen

Zwar ist das Jahr noch nicht ganz zu Ende, dennoch weiss Kohler, dass die Durchschnittstemperatur 2021 im Vergleich zur 30-Jahre-Normalperiode um 0,5 bis 0,6°C zu kalt sein wird. Er sagt: «Das ist das erste Mal seit 2013, dass die Jahrestemperatur unter dem Durchschnitt liegt.» Ebenso bricht 2021 den Trend, dass seit 2012 alle Jahre zu trocken waren.

Der Winter hat Fricktal – hier mit Blick vom Kaistenberg – weiss eingekleidet.

Der Winter hat Fricktal – hier mit Blick vom Kaistenberg – weiss eingekleidet.

Bild: dka (15. Januar 2021

Darüber hinaus bot das Jahr 2021 wieder einige Wetterkapriolen, über die Kohler zu berichten weiss. Etwa als er am 17. Januar bei seiner Wetterstation Ossenberg/Schwörstadt eine Schneedecke von 45 Zentimetern verzeichnete – der höchste Wert seit März 2006. Kohler sagt:

«Es war mal wieder ein richtiger Winter wie in den 1970er-Jahren.»

Mit winterlichen Temperaturen präsentierte sich auch der Frühling. Mit 28 Frosttagen lag der Frühling 17 Frosttage über der Norm. Acht Frosttage in Folge Mitte März und arktische Kaltluft Anfang April waren denn auch dafür verantwortlich, dass auf den Feldern vieler Fricktaler Obstbauern die Blüten erfroren. Nach sieben Jahren in Folge zu warm zeigte sich der Frühling zum ersten Mal wieder zu kalt. Dies um gleich 2°C. «Das hat es in den letzten 25 Jahren nie gegeben», so Kohler.

Massiver Niederschlag führte zu Alarmbereitschaft

Am aussergewöhnlichsten hat sich in diesem Jahr der Juli präsentiert. Eigentlich ist er – mit durchschnittlich 9,3 Hitzetagen (ab 30°C) – der heisseste Monat im Jahr, weiss Kohler. Aber:

«Im diesjährigen Juli gab es keinen einzigen Hitzetag. Das gab es seit Messbeginn 1997 noch nie.»
In der Rheinfelder Marktgasse wurden mobile Hochwassersperren aufgebaut.

In der Rheinfelder Marktgasse wurden mobile Hochwassersperren aufgebaut.

Bild: zvg (15. Juli 2021)

Ein zweiter Ausreisser: Seit 1966 fiel mit 284,2 Litern pro Quadratmetern (l/m²) noch nie so viel Regen in einem Juli – nur im März 2001 (300,2 l/m²) gab es mehr Niederschlag. Der Stark- und Dauerregen Mitte Juli führte dazu, dass die Feuerwehr in Rheinfelden eine mobile Hochwassersperre in der Marktgasse errichtete und entlang des Wallbacher Rheinufers die Beaverschläuche – mobile Dämmelemente – errichtet wurden.

Immerhin, so Kohler, verwöhnte Petrus die Region danach mit einem ausgeprägten Spätsommer. Mit zwölf Sommertagen (ab 25°C), vier mehr als im August, war der September gegenüber der Norm um 1,7°C zu warm, und der Oktober zeigte sich «golden, wie aus dem Bilderbuch».