Wegenstetten
Übernachten im Baudenkmal: Das «Flederhaus» ist gut besucht – von Feriengästen und Fledermäusen

Wohnen in einem Denkmal ist besonders. Seit gut drei Jahren ist das in der sanft renovierten und vor dem Verfall geretteten «Alten Trotte» in Wegenstetten möglich. Feriengäste können dort ursprünglich, aber modern übernachten. Und ihre Mitbewohnerinnen, die Fledermäuse, fühlen sich auch wohl.

Andrea Worthmann
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Das «Flederhaus» in Wegenstetten ist konstant gut gebucht.

Das «Flederhaus» in Wegenstetten ist konstant gut gebucht.

zvg/Aargauer Zeitung

«Wer etwas Besonderes sucht und alte Gebäude mag, ist hier goldrichtig.» So urteilt ein Gast. Ein anderer meint: «Vorbildlicher und eindrücklicher Umbau mit Erhaltung alter Strukturen.» Es sind dies nur zwei von vielen positiven Bewertungen nach einem Aufenthalt im «Flederhaus» in Wegenstetten. Das Baudenkmal erhält auf der Ferienwohnungsplattform E-Domizil mit einer Gesamtnote von 4,7 ein exzellentes Feedback.

Den Namen bekam das Haus durch die immer noch dort ansässige Fledermausart «Grosse Hufeisennase», die vom Aussterben bedroht ist.

Von Trotte zum gut besuchten Feriendomizil

Einst als Gasthaus oder auch Trotte erbaut, dann als Bauernhaus mit Trotte genutzt und ab den 1850er-Jahren nur noch als Bauernhof, ist das sogenannte «Flederhaus» seit 2019 im Besitz von Pro Natura Aargau und wird von der Stiftung Ferien im Baudenkmal genutzt und für Feriengäste vermietet. Nancy Wolf von der Stiftung Ferien im Baudenkmal ist sehr zufrieden: «In den letzten zwei Coronajahren lag die Auslastung bei 88 Prozent.» Und weiter:

«Wir merken, dass viele Schweizerinnen und Schweizer wieder im Ausland Ferien machen, doch kommen im Gegenzug auch vermehrt Gäste aus dem Ausland.»

Wolf gibt ausserdem zu bedenken, dass es sich beim «Flederhaus» um ein reines Sommerhaus handelt und es also nur in den warmen Monaten – genauer: von April bis Mitte Oktober – vermietet wird. Um die Bausubstanz nicht zu beschädigen, wurde keine Heizung eingebaut. Ein grosser Kachelofen heizt bei Bedarf ein. Aber nicht nur das. Wolf sagt: «Unsere Feriengäste lieben den grossen Ofen, in dem man, wie früher, Brot, aber auch Pizza backen kann.»

Die Gäste schätzen unter anderem den grossen Ofen, in dem Brot und Pizza gebacken werden können.

Die Gäste schätzen unter anderem den grossen Ofen, in dem Brot und Pizza gebacken werden können.

zvg/Gataric Fotografie

Das Gros der Feriengäste ist durchmischt: Über Kleinfamilien, Paare, Rentner oder Freundesgruppen ist alles dabei. Mehrheitlich kämen sie aus urbanen Gegenden und interessierten sich oft für Design und Architektur, weiss Wolf zu berichten. In erster Linie sei aber das Baudenkmal selbst und das Erlebnis, in einem historischen Haus zu wohnen, der Grund für die Buchung. Wolf sagt:

«Sie suchen nach dem Authentischen, nach Entschleunigung und Ruhe.»

Das kann man in dem grosszügig geschnittenen Haus mit grossem, naturbelassenem Garten und gedeckter Laube durchaus finden. In der ehemaligen Trotte wurde von Pro Natura zudem eine Fledermaus-Ausstellung eingerichtet.

Veranstaltungen rund um das Haus und die Fledermaus

Und nicht nur über das stetige und steigende Interesse von Feriengästen kann sich die Stiftung freuen, auch die Anzahl der Fledermäuse ist seit ein paar Jahren konstant bei sechs bis acht erwachsenen Tieren. Feriengäste scheinen sie also nicht zu stören. Der Zugang zum Dachstock ist den Gästen dabei allerdings verwehrt, damit die Tiere ihre Ruhe haben.

Im Dachstock des «Flederhauses» befindet sich eine der wenigen Wochenstuben der Grossen Hufeisennase, die es schweizweit gibt.

Im Dachstock des «Flederhauses» befindet sich eine der wenigen Wochenstuben der Grossen Hufeisennase, die es schweizweit gibt.

Bild: Franz Christoph Robiller/imago images

Was im vergangenen Jahr vom Dorf Wegenstetten und dem Jurapark Aargau durchgeführt wurde, soll dieses Jahr weiterführt werden: Ab Mitte Juli werden Veranstaltungen sowie Ausstellung angeboten. Ein Tag der offenen Tür im «Flederhaus» ist ausserdem in Planung.