Fricktal

Von «Gammelfleisch» bis «exzellent»: Online-Kritik bringt Wirte auf die Palme

Einige Gastrobetreiber lassen Google-Rezensionen kochen – andere nehmen die Kritik als Ansporn.

Dennis Kalt
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Das «Gambrinus» ist anhand der Google-Rezensionen eines der besten Restaurants in Rheinfelden. Darüber freut sich Geschäftsführerin Samantha Bröchin.

Das «Gambrinus» ist anhand der Google-Rezensionen eines der besten Restaurants in Rheinfelden. Darüber freut sich Geschäftsführerin Samantha Bröchin.

Von «wir haben Gammelfleisch bekommen» bis «exzellentes Restaurant, mit tollem saisonalem Menü-Angebot» – das Spektrum der Einträge der Google-Rezensionen für die Fricktaler Gastronomiebetriebe reicht von vernichtender Kritik, einer 1-Sterne-Bewertung, bis zum Lob in den höchsten Tönen, einer 5-Sterne-Bewertung. Doch was bedeutet diese Kritik eigentlich für die Gastronomiebetreiber und wie gehen sie damit um?

Die AZ hat bei je zwei Restaurants nachgefragt, die sich anhand der Google-Rezensionen – mindestens 15 Bewertungen – ganz oben und ganz unten in der Fricktaler Gastronomie-Rangliste wiederfinden.

17-mal wurde das «Gambrinus» bewertet und gehört mit einem Durchschnittswert von 4,8 von 5 möglichen Punkten anhand der Google-Rezensionen zu den besten Restaurants in Rheinfelden. «Diese Punktzahl gibt uns als Team eine Bestätigung, dass wir unsere Arbeit gut machen. Trotzdem habe ich ein direktes Feedback lieber», sagt Geschäftsführerin Samantha Bröchin.

Gerade in der Marktgasse, in der die gastronomische Konkurrenz gross ist, vermutet Bröchin, dass aufgrund der Top-Bewertung der eine oder andere Tourist, der mit knurrendem Magen durch die Marktgasse flaniert, sich für das «Gambrinus» entscheidet. Dann heisst es aber auch, diese Bewertung auf den Teller zu bringen, denn «ein Gast kommt höchstens einmal wegen der guten Online-Bewertung, ein zweites Mal aber, weil wir ihm diese kulinarisch bestätigt haben».

Bewerten, um Frust abzubauen

Nur einige Meter vom «Gambrinus» entfernt, befindet sich das «Feldschlösschen am Rhein», das mit einem Durchschnitt von 3,7 Punkten bei 49 Bewertungen in Rheinfelden eine der schlechtesten Bewertungen hat. «Es gibt Gäste, die kann man einfach nicht zufriedenstellen. Und anstatt die Kritik direkt mitzuteilen, benutzten sie die Online-Bewertungsportale als Frustventile», sagt Inhaberin Outi Christine Schenkel. «Das ist nervig.»

So liest man untern anderem, dass es «schmuddelig» sei und dass es «ewige Wartzeiten» und «schlechtes Essen» gebe. Diese Kritik hält Schenkel für unsachlich, nur dass es mal zu längeren Wartezeiten kommen kann, «weil das Restaurant viele Sitzplätze hat», verhehlt sie nicht.

Manuela Hoffmann, Wirtin im «Warteck» in Kaisten, nimmt die Google-Rezensionen sehr ernst. Wenn sie eine 4-Sterne-Bewertung von einem Gast erhält, fragt sie auf dem Bewertungsportal nach, warum es für eine 5-Sterne-Bewertung nicht gereicht hat. «Ich sehe die Rezensionen als konstruktive Kritik an. Sie sind für mich eine Interaktionsmöglichkeit mit dem Gast und ein Ansporn, besser zu werden.»

Ärgerlich für Hoffmann ist die relativ schlechte Durchschnittsbewertung von 3,8 bei 15 Rezensionen deswegen, weil in diese eine negative 1-Sterne-Bewertung miteinfliesst – «Kartoffeln waren roh!» –, die noch aus der Zeit ihres Vorgängers Hasan Apaydin stammt. «Mein Treuhänder hat im Dezember mit Google telefoniert.» Dass der Eintrag noch nicht gelöscht ist, stösst ihr sauer auf.

Die «Krone» in Wittnau von Inhaber Michel Schmid hat mit einer Durchschnittsbewertung von 4,8 Punkten bei 24 Rezensionen eine der höchsten Punktzahlen im Fricktal. Freudensprünge löse dies bei ihm jedoch keine aus. «Wenn ich ehrlich bin, schaue ich mir die Bewertungen gar nicht an, weil ich Online-Portale, bezüglich der Zufriedenheit meiner Gäste, nicht für aussagekräftig halte und sie mir zudem suspekt sind.» Viel lieber hat es Schmid, wenn ihm die Gäste persönlich im Restaurant sagen, was ihnen gefallen hat oder eben was nicht.