Christoph Goppelsroeder
Er hat aus der serbelnden Vitaminbranche ein hochprofitables Geschäft gemacht – auch dank Corona

Christoph Goppelsroeder, CEO von DSM Nutritional Products, verlässt das Kaiseraugster Hauptquartier in Richtung Ruhestand. Doch das, was ihn in den acht Jahren an der Spitze umgetrieben hat, lässt den 62-Jährigen auch für die Zeit der Pension nicht los.

Hans Christof Wagner
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Basel zum Greifen nah: Christoph Goppelsroeder auf dem Dach des DSM-Gebäudes in Kaiseraugst.

Basel zum Greifen nah: Christoph Goppelsroeder auf dem Dach des DSM-Gebäudes in Kaiseraugst.

Chris Iseli (29. März 2021)

Beim Blick aus dem zehnten Stock des DSM-Hauptquartiers in Kaiseraugst herunter auf die Bauarbeiter ist Christoph Goppelsroeder selbst überrascht, wie weit das Projekt schon fortgeschritten ist, zwei Wochen nach dem Spatenstich. Auf der Fläche von zwei Fussballfeldern soll dort der neue Forschungscampus entstehen – Goppelsroeders «Vermächtnis».

Denn der 62-jährige CEO geht nach acht Jahren an der Spitze von DSM Nutritional Products (DNP) in den Ruhestand. Seine Division erwirtschaftete mit zuletzt sieben Milliarden Franken Umsatz 75 Prozent des Gesamtumsatzes des holländischen Konzerns. Weltmarkt- und Kostenführer im Vitaminmarkt, jährliche Wachstumsraten von fünf Prozent – kein Wunder, dass Goppelsroeder wenige Tage vor seinem Ausscheiden sagt:

«Ich hinterlasse bei DSM ein gut bestelltes globales Haus, daher kann ich guten Gewissens gehen.»
Mehr als 20 Werke global: CEO Christoph Goppelsroeder hatte in Kaiseraugst den Blick stets auf die ganze Welt.

Mehr als 20 Werke global: CEO Christoph Goppelsroeder hatte in Kaiseraugst den Blick stets auf die ganze Welt.

Chris Iseli

Goppelsroeder war für mehr als 20 Standorte und 13'000 Mitarbeiter weltweit zuständig – im Fricktal für die in Kaiseraugst und Sisseln. 2002/3 hatten diese noch unter der Regie von Roche gestanden. Doch der Pharmariese glaubte nicht mehr an die Zukunft der Vitaminbranche und stiess sie ab. Und DSM schlug zu.

«Der Erwerb der Branche war in der mehr als 100-jährigen DSM-Geschichte die grösste Akquisition», berichtet Goppelsroeder, der zu der Zeit noch in den USA für DSM tätig war, als Basler aber die örtlichen Verhältnisse gut kannte.

Für 3,4 Milliarden Franken stiegen die Holländer ins Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln ein. Für den scheidenden CEO «relativ wenig Geld». Und ein exzellenter Deal, sei der heutige Wert der DSM-Aktivitäten im Bereich Ernährung doch auf das Zehnfache angestiegen.

Von Sisseln aus den Chinesen die Stirn bieten

Wie hat es DSM geschafft, aus der serbelnden Sparte wieder ein «hochprofitables» Geschäft zu machen? «2003 konnten die Chinesen noch fast ohne Umweltschutz- und Sicherheitsauflagen zu Dumpingpreisen produzieren», berichtet Goppelsroeder. Mit denen habe Roche am Produktionsstandort Schweiz nicht mithalten können.

Doch inzwischen seien die Produktionsstandards in Fernost teils strenger als hierzulande. Verbunden mit hoher Auslastung, starker Automatisierung und topausgebildeter Mitarbeiter könne das Sissler Werk global inzwischen «den Chinesen die Stirn bieten», wie Goppelsroeder sagt.

Fleisch und Fisch ohne schlechtes Gewissen essen

Gute Rahmenbedingungen sind das eine. Innovative Produkte, die unter Goppelsroeders Regie entwickelt wurden, das andere. DNP hat inzwischen ein Tier-Nahrungsergänzungsmittel im Sortiment, das den Ausstoss des Klimakillers Methan in der Rinderhaltung reduziert. «Veramaris» heisst das Produkt, das die Lachszucht ökologischer machen soll.

«Ich will, dass die Leute Fleisch und Fisch ohne schlechtes Gewissen essen», sagt Goppelsroeder.» Und: «Andere Konzerne kurieren Krankheiten, wir wollen die Gesundheit der Menschen stärken.» Das sei billiger und nachhaltiger. Goppelsroeder sagt:

«Natürlich haben unsere guten Zahlen auch mit Corona zu tun. Vitaminmangel macht die Menschen anfälliger gegen das Virus.»

Das sei von der Forschung bestätigt. Aktuell arbeite DNP an einem Verfahren, das die Aufnahme von Vitamin D im menschlichen Körper bis zu drei Mal schneller mache. Der braucht zur Produktion Sonnenlicht. «Aber davon bekommen die Leute, die im Homeoffice sitzen, aktuell ja auch nicht genug ab», sagt der scheidende CEO.

Nach der Pensionierung Verwaltungsratspräsident zweier Start-ups

Christoph Goppelsroeder verlässt nach acht Jahren als CEO von DSM Nutritional Products das Unternehmen.

Christoph Goppelsroeder verlässt nach acht Jahren als CEO von DSM Nutritional Products das Unternehmen.

Chris Iseli

Goppelsroeder geht jetzt in den Ruhestand. Aber er ist einer, der «nicht still sitzen kann», wie er sagt:

«Meine Erfahrungen, wie man ein schlingerndes Geschäft in ein innovatives Spezialitätengeschäft umbauen kann, möchte ich gerne weitergeben.»

Das wird er als Verwaltungsratspräsident zweier DSM-Start-ups tun – das eine im Bereich Methanreduktion in der Tierhaltung, das andere auf dem Gebiet personalisierte Ernährung. «Das sind die Themen, die mich umtreiben. An denen will ich dranbleiben.»