Hornussen

«Stempelhaus soll Dorftreff werden»

André Kaufmann will den Abbruch der ehemaligen Asylbewerberunterkunft verhindern. Er sieht es als Bereicherung fürs Ortsbild.

Walter Christen
Drucken
Teilen
«Hier könnte ein kulturelles Zentrum für Hornussen entstehen»: André Kaufmann vor dem Stempelhaus, das abgebrochen werden soll. chr

«Hier könnte ein kulturelles Zentrum für Hornussen entstehen»: André Kaufmann vor dem Stempelhaus, das abgebrochen werden soll. chr

Die Hornusser Gemeindeversammlung hat am 26. November 2010 44000 Franken bewilligt für den Abbruch des Stempelhauses, der ehemaligen Asylbewerberunterkunft. Doch genau das möchte André Kaufmann verhindern: «Aus dem Stempelhaus soll der Dorftreff werden. Ein Lokal sowohl für Junge als auch für Ältere, wo sich alle in lockerem Rahmen begegnen können. Denkbar wäre auch die Schaffung eines Kulturraums für Ausstellungen und kleine Konzerte. Eventuell liesse sich im zweigeschossigen Haus sogar ein Dorfmuseum einrichten. Sollte die Liegenschaft tatsächlich abgebrochen werden, hätte die Gemeinde hier die Chance verpasst, etwas kulturell Wertvolles zu schaffen. Zu einem späteren Zeitpunkt würde man das vielleicht sogar bereuen.

Die az Aargauer Zeitung wollte von André Kaufmann wissen, weshalb er denn nicht von seinem demokratischen Recht Gebrauch gemacht und das Referendum gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung ergriffen hat, wenn ihm die Rettung des Stempelhauses so wichtig erscheint. «Das habe ich mir schon überlegt. Aber es wäre schwierig gewesen, Leute für die Unterschriftensammlung zu finden, und im Alleingang wollte ich das nicht machen.»

«Ich zähle auf den Gemeinderat»

Dennoch setzt sich der seit 22 Jahren in Hornussen lebende André Kaufmann für den Erhalt des Stempelhauses ein: «Ich zähle auf den Gemeinderat, dem ich einen Brief schreiben und ihn darum bitten möchte, nochmals über die Bücher zu gehen, den Abbruch aufzuschieben und eventuell eine Betriebskommission zu bilden. Diese könnte sich mit der sanften Renovation des Hauses befassen, das sich übrigens ganz und gar nicht in derart schlechtem baulichen Zustand befindet, dass es nun abgebrochen werden müsste.

Es gibt viele Senioren im Dorf, die man vielleicht dafür begeistern könnte, sich in Fronarbeit für den Erhalt des ehemaligen Taglöhner- und Kleinbauernhauses einzusetzen. Es braucht neue Böden, eine Überholung der Inneneinrichtung und ein paar Kübel Farbe. Noch gut erhalten sind die Isolierglasfenster. Man müsste halt einmal eine Bestandesaufnahme machen und dann entscheiden, was am dringendsten gemacht werden muss. Ich stelle mir vor, dass man mit ein paar Leuten das Haus mal an einem Samstag komplett räumen könnte.»

«Das Haus bereichert das Ortsbild»

André Kaufmann gerät richtig ins Schwärmen, wenn er vom Stempelhaus spricht: «Das Haus bereichert doch das Ortsbild. Genau so, wie das danebenstehende Gemeindehaus. Das Gebäude bildete früher einmal das Ende des Dorfkerns, die Grenze zwischen der Siedlung und den Baumgärten. Es handelt sich um das letzte Haus in Gemeindebesitz, aus dem etwas für die Allgemeinheit gemacht werden könnte.»

Für Wohnzwecke wäre die Liegenschaft, die in den letzten Jahren als Unterkunft für Asylbewerber diente, wohl kaum mehr zu gebrauchen. Der Gemeinderat hat sich sowieso dazu entschlossen, nach dem Wegzug der letzten Asylbewerber-Familie im März 2010 keine neuen Flüchtlinge mehr aufzunehmen und stattdessen eine entsprechende Ersatzabgabe von jährlich rund 6200 Franken an den Kanton zu bezahlen.

Die Gemeinde verfügt über die Kostenschätzung eines Fachmanns, wonach für die notwendigsten Sanierungsmassnahmen im Stempelhaus mindestens 50000 Franken benötigt würden. Die Kosten-Nutzen-Analyse hat den Gemeinderat dazu bewogen, das Haus abbrechen zu lassen und auf dem Areal dringend benötigte Parkplätze für das Gemeindehaus und die Schule zu schaffen.

«Das ist ein zu grosses Opfer für ein paar Parkplätze», meint André Kaufmann, der übrigens während einiger Jahre Asylbewerber im Stempelhaus betreut hat.