Sulz

Seit 40 Jahren packt er dort an, wo es etwas zu tun gibt

Fritz Ledermann führt ein Leben für die Natur, die Jagd und die Hunde. Er erhält der Sulzer Fritz Ledermann den Naturschutzpreis des Verbandes Oberfricktalischer Natur- und Vogelschutzvereine (VONV). Wer ist er, dieser Naturschützer und Jäger?

Dieter Deiss
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Fritz Ledermann wird morgen Samstag geehrt.

Fritz Ledermann wird morgen Samstag geehrt.

Dieter Deiss

40 Jahre, davon 18 Jahre als Präsident, arbeitete Fritz Ledermann im Natur- und Vogelschutzverein Sulz (NVS) im Vorstand mit. Weit über die Grenzen von Sulz hinaus ist er bekannt dafür, dass er dort anpackt, wo es etwas zu tun gibt. Das Leben mit der Natur und in der Natur ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Deshalb weiss er aber auch, was wir Menschen der Natur schulden. Er ist freilich kein Theoretiker, der andere belehren will. Für ihn gibt es nur den einen Weg, indem man selber mit dem guten Beispiel vorangeht.

Seit dem Zuzug aktiv

Der 70-jährige Fritz Ledermann stammt aus dem oberaargauischen Madiswil. Er war Elektriker und sein Beruf führte ihn 1964 ins Fricktal, wo er bei einem kleinen Unternehmen, das vorwiegend für die Chemiebetriebe im Fricktal arbeitete, eine ihm zusagende Anstellung fand. Hier arbeitete er bis zu seiner Pensionierung als Chefmonteur. 1972 zog er mit seiner Familie ins neue Haus in Sulz ein und bereits im selben Jahr half er dem NVS bei der Aufrichtung des grossen Kreuzes auf dem Schinberg. Dieses wurde mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht und anschliessend bewirtete der NVS die zahlreichen Gäste. Der eben ins Dorf zugezogene Fritz Ledermann übernahm gleich die Führung der Festwirtschaft.

Aus dieser Kreuzweihung entstand das traditionelle Schinbergfest, das seither immer am Auffahrtstag zusammen mit der Kirche gefeiert wird. Vieles hat sich verändert, geblieben ist jedoch in all den Jahren der Festwirt Fritz Ledermann.

Spitzname «Weiher-Fritz»

Diese alljährlichen Auffahrtsfeste hätten auch regelmässig etwas Geld in die bisher recht leere NVS-Kasse gespült, führt Fritz Ledermann aus. Dieses Geld sei eine wichtige Grundlage zur Realisierung von grösseren Projekten. Nur wer etwas unternehme, bekomme dann auch wieder die nötige ideelle und finanzielle Unterstützung des Kantons und weiterer Institutionen. Es sei dem NVS auch immer ein Anliegen, dass er das am Fest eingenommene Geld wieder der Natur zurückgebe.

Unter Fritz Ledermann wurden zahlreiche Weiher im Sulztal saniert oder neu geschaffen. Die Krönung waren dabei wohl die fünf Weiher im «Schwarzer Rain». Dies sei eine einmalige Vernetzung von Feuchtgebieten. Die Ansiedlung des Glögglifrosches sei ein sichtbares Zeichen dieser Bemühungen. Die erst kürzlich erfolgte Öffnung des ehemaligen Mühleweiherbächlis in Leidikon sei ein Projekt, das er über Jahre hinweg verfolgt habe, bis es jetzt endlich realisiert werden konnte.

Verantwortungsvoll und hartnäckig

Die Hartnäckigkeit ist denn auch ein weiteres Merkmal von Fritz Ledermann. Er gibt nicht schnell klein bei. Er ist aber auch ein sprachgewandter Verhandlungspartner, der seine Gegenüber mit der ihm eigenen Überzeugungskraft zum Meinungsumschwung bewegen kann. Sein jahrelanger Einsatz für die vielen Sulzer Weiher habe ihm übrigens da und dort den Spitznamen «Weiher-Fritz» eingetragen, erzählt er schmunzelnd.

Momentan bringt Fritz Ledermann regelmässig Schlachtabfälle aus. Diese dienen den Greifvögeln als willkommene Nahrung, hätten diese es in dieser kalten und momentan recht schneereichen Zeit, recht schwer, genügend Futter zu finden. Fritz Ledermann betreut in Sulz aber auch 15 Hochstammapfelbäume. Er sorgt für deren Pflege und ist darauf bedacht, dass deren Früchte wenn möglich nicht geerntet werden, so bleiben einzelne Äpfel bis in den Frühwinter hinein hängen und sind dadurch wichtiges Nahrungsmittel für die Vögel.

Fritz Ledermann ist auch für die Jagdgesellschaft Laufenburg-Sulz als Jagdaufseher tätig. Wer ihn kennt, weiss, dass er ein leidenschaftlicher Jäger ist. Auf die Frage, wie sich denn Naturschutz und Jagd vertragen, antwortet er kurz und bündig: «Was der Jagd nützt, nützt auch der Natur.»

Wenn ein Autofahrer ein Reh anfährt und dies der Polizei meldet, so werde er von der Polizeizentrale aufgeboten. Er müsse sich dann – oftmals auch mitten in der Nacht – unverzüglich zur Unfallstelle begeben. Sei das Reh tot, dann würde er dieses bergen, sei das angefahrene Reh nicht am Unfallort aufzufinden, so würde er mit seinem Hund nach dem verletzten Tier suchen.

Leider gebe es immer wieder Autofahrer, die offensichtlich aus Angst vor der Polizei, auf eine Meldung verzichten würden. Die Installation von Wildwarngeräten an den Strassen Richtung Ampfernhöhe und nach Elfingen habe jedoch einen massiven Rückgang des Wildfalls gebracht.

Stets hilfsbereit

Der Sulzer Jagdaufseher ist hier freilich nicht nur für das Wild «zuständig». Liegt eine tote Katz auf der Strasse, so ruft man nach Fritz, genauso wie wenn die Katze schwer verletzt auf der Strasse liegt. Es kann aber auch ein angefahrener Igel sein, dessen Hinterbeine lahmen und, der sich nur noch mühsam mit seinen Vorderbeinen bewegen kann. Hier ist Fritz Ledermann zu Stelle und verrichtet Aufgaben, die alles andere als angenehm sind und, die eigentlich gar nicht zu seinem Aufgabenbereich als Wildhüter gehören. «Wenn ich helfen kann, so tue ich es gerne», meint er dazu.

Ausbildner von Jagdhunden

Das dritte grosse Hobby von Fritz Ledermann sind die Hunde. Beim Betreten seines Hauses wird man von einem freudig mit dem Schwanz wedelnden, herzigen Dackel begrüsst. Seit bald fünfzig Jahren sei stets ein Dackel sein treuer Begleiter. Nun ist freilich dieser Dackel nicht ein braves Schosshundeli, sondern ein bestens ausgebildeter Schweisshund. Er habe seine, aber auch viele Hunde von anderen Besitzern, selber ausgebildet, was mit einem grossen zeitlichen Aufwand verbunden sei.

Er leitete zudem während mehr als einem Vierteljahrhundert die Schweisshundegruppe Fricktal. Jede Jagdgesellschaft sei verpflichtet, über einen geprüften Schweisshund zu verfügen. Diese Hunde werden vor allem eingesetzt zum Aufspüren von kranken und verletzten Tieren.

Geschossene oder von Autos angefahrene Tiere müssen innerhalb von ein bis zwei Stunden aufgebrochen werden. Aufbrechen bedeutet in der Jägersprache das Herausnehmen der Eingeweide. Finde man ein angefahrenes Reh erst mehrere Stunden nach dem Unfall, so könne dieses nicht mehr verwertet werden und müsse im Kadaverraum entsorgt werden.

Entsprechend den Bedürfnissen der Wildabnehmer «zerwirke» er auch das Wild. Dies heisst nichts anderes, als dass er dieses «pfannenfertig» zerteile und letztlich vakuumiert und genussfertig ausliefere, erklärt er. Vorgeschrieben von der Lebensmittelkontrolle, müssten diese Arbeiten entsprechend «lebensmittelkonform» abgewickelt werden. So habe er sich dafür extra eine Kühlzelle angeschafft, wo ganze Rehe darin aufgehängt werden können.

Bei der Verabschiedung weist Fritz Ledermann auf frische Fuchsspuren im Schnee hin. Das Spurenlesen gehört zum Metier eines Naturschützers und Jägers. Er selber hat mit Ideen und Tatkraft zahlreiche Spuren gelegt. Spuren freilich, die nicht beim nächsten Sonnenschein dahinschmelzen. Viele seiner Spuren sind unauslöschlich zum Wohle einer intakten Natur geschaffen worden.