Rheinfelden
Mehr Kies und ein zweistelliger Millionenbetrag: Die Stadt plant ein neues Abbaugebiet

Die Stadt Rheinfelden und das Unternehmen Holcim planen ein neues Abbaugebiet. Am Mittwochmorgen stellten sie das kostspielige Grossprojekt vor – das neue Kieswerk könnte ab 2020 gebaut werden.

Nadine Böni
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Derzeit läuft im Gebiet Untere Rütenen der Abbau. Bis 2027 soll eine weitere Grube entstehen – mit eigenem Kieswerk.

Derzeit läuft im Gebiet Untere Rütenen der Abbau. Bis 2027 soll eine weitere Grube entstehen – mit eigenem Kieswerk.

Nadine Böni

Jährlich bis zu 380 000 Tonnen Kies und Sand sollen dereinst in einem neuen Kieswerk östlich von Rheinfelden verarbeitet werden. Das ist der Plan des Schweizer Baustoffherstellers Holcim AG und der Stadt. An einer gemeinsamen Medienkonferenz am Mittwochmorgen stellten sie das Millionenprojekt vor.

Seit 2015 baut Holcim im Gebiet Untere Rütenen – direkt neben der Agrola-Tankstelle – bereits Kies ab. Verarbeitet wird das Material derzeit im Kieswerk in Eiken. Die nutzbaren Kiesreserven im Sisslerfeld sind allerdings weitgehend erschöpft.

Holcim plant daher, das Kieswerk von Eiken nach Rheinfelden zu verlagern. Es soll in der ehemaligen Kiesgrube Chleigrüt hinter den Salzlagern der Schweizer Salinen gebaut werden. Zudem möchte das Unternehmen im benachbarten Gebiet Grossgrüt auf einer Fläche von rund 20 Hektaren eine weitere Kiesgrube in Betrieb nehmen.

Bevölkerung entscheidet

«Das Projekt steht ganz am Anfang», betonte Dennis Schneider, Leiter Produktion Nordwestschweiz bei der Holcim AG, am Mittwoch.

Erst die Dienstbarkeitsverträge für das neue Abbaugebiet zwischen den Grundeigentümern – dazu gehören neben Privatpersonen auch die Neumatt AG, die Einwohner- sowie die Ortsbürgergemeinde – seien ausgearbeitet. Sie kommen im nächsten Juni vor die Ortsbürger- und die Einwohnergemeindeversammlung.

Die Verträge «bilden die Basis für die weitere Ausarbeitung des Projekts», so Schneider. Ein Nein an einer der Versammlungen würde demnach dessen Ende bedeuten. Bei einem Ja hingegen würden die Planungen weiter laufen.

Unter anderem müsste die ehemalige Kiesgrube Chleigrüt von der Gewerbe- in die Industriezone umgezont werden. Dann folgt ein ordentliches Baubewilligungsverfahren.

«Es gibt noch einige Hürden», sagte Stadtammann Franco Mazzi. Nimmt das Projekt diese Hürden, könnte das neue Kieswerk ab 2020 gebaut und in Betrieb genommen werden. Ein Spatenstich für den Kiesabbau im Gebiet Grossgrüt wäre in acht bis zehn Jahren möglich.

Somit gäbe es einen fliessenden Übergang vom Abbau bei der Unteren Rütenen – wo die Reserven etwa 2026 erschöpft sein dürften – zum neuen Abbaugebiet.

Eigentümer werden entschädigt

Zu den Kosten können die Verantwortlichen derzeit noch keine genauen Angaben machen. Ein «tiefer zweistelliger Millionenbetrag» würde allerdings allein der Bau des Kieswerks kosten, sagte Schneider.

Die Grundeigentümer würden für den Abbau und die Auffüllung auf ihrem Gelände entschädigt. Für die Stadt und die Ortsbürger ergäben sich so über 20 Jahre Einnahmen von rund 400 000 Franken jährlich, dazu kämen Baurechtszinsen.

Die Stadt ist vom Projekt überzeugt. «Uns gefällt die Gesamtidee», sagte Mazzi. Ein Argument: «Die Kiesgruben Untere Rütenen und Grossgrüt würden der Region für Jahrzehnte genügend Deponievolumen verschaffen.»

Bedenken – etwa, was das im Gebiet verlaufende Grundwasser angeht – hat er nicht. «Abklärungen haben gezeigt, dass keine Gefahr besteht», sagte Mazzi. Auch Lärm in den Wohngebieten oder mehr Verkehr seien nicht zu erwarten.

Nichtsdestotrotz wissen die Verantwortlichen, dass ein solches Grossprojekt in der Bevölkerung Bedenken auslösen kann. Wichtig sei eine offene und transparente Kommunikation, betonten sie. Anfang April laden sie daher zu einer Infoveranstaltung.

Infoveranstaltung zum Kiesabbau: Donnerstag, 5. April, 19 Uhr, Kurbrunnenanlage Rheinfelden

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