Laufenburg
In Nika Schudels Universum gibt es keine Grenzen, nur das «Kafi» muss pausieren

In der Altstadt hat sich die Künstlerin ein Keramik-Atelier eingerichtet. Obwohl seit rund 40 Jahren tätig ist, lässt sich Nika Schudel immer noch gern überraschen.

Peter Schütz
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Nika Schudel betreibt in der Laufenburger Altstadt ein Keramik-Atelier.

Nika Schudel betreibt in der Laufenburger Altstadt ein Keramik-Atelier.

Bild: Peter Schütz

Wenn Nika Schudel Ton in die Hand nimmt, besteht die Möglichkeit, dass daraus etwas anderes wird, als sie sich vornimmt. «Ton ist speziell», erklärt sie, «weil es ein weiches Material ist, kann man es ständig verändern. Fürs spontane Schaffen ist es ideal.» Manchmal habe sie eine Grundvorstellung, sagt sie, aber eben: Es kann anders herauskommen.

Vor rund 40 Jahren hat sie mit dem Herstellen von Keramik begonnen, 1985 ist sie richtig eingestiegen – eine Entscheidung, die den Beginn eines neuen Lebens markiert, wie sie im Rückblick findet. Als sie in der Laufenburger Altstadt das so genannte Vogelhaus, benannt nach den vorherigen Bewohnern, in der Unteren Wasengasse bezog, musste sie sich mit wenig Raum arrangieren. Werkstatt und Brennofen kamen ins Erdgeschoss, wo sie sich heute noch befinden. Zirka 2005 bekam sie die Erlaubnis für einen Durchbruch in das benachbarte Haus, in dem ihr Lebensgefährte Martin Suter lebt.

Tonkrüge sowie Töpfe für Blumen und Pflanzen

So ist quasi aus zwei kleinen Häusern ein grösseres geworden – und für Nika Schudel hat sich mehr Ausstellungsfläche für ihre besonderen Keramikkreationen ergeben: Tonkrüge, die etwas von Tieren haben, mit Blüten verzierte Gratinformen, funktionsfreie, aneinander gelehnte Figuren, klassische Schalen in warmen Farben und immer wieder Töpfe für Blumen und Pflanzen. Strenge geometrische Formen finden ihren Platz in Nika Schudels Universum ebenso wie verspielte, mit allerlei Verzierungen versehene Figuren.

Nika Schudel steht vor einem Regal mit ihren Keramik-Kreationen.

Nika Schudel steht vor einem Regal mit ihren Keramik-Kreationen.

Bild: Peter Schütz

Die Keramikerin lässt sich nicht an einem bestimmten Stil festmachen. Sie hat sich die Freiheit bewahrt, zu machen, was sie will. Und ist damit recht gut gefahren. Vor allem zu Beginn ihrer Tätigkeit als Keramikerin erfuhr sie viel Anerkennung. «Es ist eine gute Zeit für Keramik gewesen», erinnert sie sich, «überhaupt fürs Kunsthandwerk. Sehr attraktiv.»

Schudel zeigte ihre Werke unter anderem an der Herbstmesse in Basel, nahm an Ausstellungen in der Region teil. In Laufenburg, Kaisten, Gipf-Oberfrick oder Bad Säckingen sorgte sie solo oder zusammen mit anderen Künstlern für Aufsehen. Ihr Name machte die Runde. Heute hat sie sich aus dem Ausstellungsrummel weitgehend zurückgezogen.

Im Mai möchte sie mit einer Glaskünstlerin in Brugg ausstellen

Dafür hat sie mit Martin Suter ein «Kafi» vor der Haustür aufgezogen, das normalerweise jeden Freitag und Samstag geöffnet hat und für die heute 78-jährige Keramikerin aufgrund ihrer Freude am Kuchenbacken die perfekte Ergänzung zu ihrem Hauptberuf bildet. Bis vor einem Jahr konnten Besucher bei Kaffee und Kuchen in aller Ruhe ihre Arbeiten betrachten. Seit Beginn der Coronapandemie ist dies jedoch nicht mehr möglich. Schudel sagt:

«Das vermisse ich schon, dass man nicht mehr mit den Leuten zusammensitzen kann.»

Pläne hat sie trotzdem. Im Mai 2021 möchte sie mit der Glaskünstlerin Maria Maurer in Brugg ausstellen. Zurzeit arbeitet sie an einem 70 Zentimeter hohen, dezent verzierten Topf – eine Auftragsarbeit, der noch das Brennen bevorsteht. Dafür ist sie auf die Hilfe von ihrem Lebensgefährten angewiesen, denn der Topf ist 30 Kilo schwer.

Die Glasur fertigt sie selbst mit Asche aus dem Ofen an

Was das typische Schudel-Universum auch ausmacht, ist ihr Umgang mit der Glasur. Diese stellt sie selbst her, aus Asche aus dem eigenen Holzofen und zugekauften Oxyden. Oft weiss sie nicht genau, welche Farben sich beim Brennvorgang entwickeln. «Es gibt immer Überraschungsmomente», berichtet sie, «es kommt auf die Glasur an, wie dick oder dünn sie aufgetragen ist.»

Der Ton wird zwei Mal gebrannt, zuerst bei 900, dann bei 1260 Grad. Die Spannung steigt, wenn das Brennen abgeschlossen ist. «Die tollsten Momente sind, wenn ich den Ofen aufmachen kann», sagt sie. Routine gibt es für Nika Schudel selbst nach 40 Jahren Berufserfahrung nicht