Landerwerb
«Da lässt sich was machen»: So sehen Fricktaler Grossrätinnen und Grossräte den Millionen-Landkauf im Sisslerfeld

Der Kanton Aargau kauft sechs Hektaren Land im Sisslerfeld. Der Grosse Rat hat dem Geschäft zugestimmt. Nun stellt sich die Frage, wie es weitergehen soll. Während Die Mitte mit den Plänen des Regierungsrats einverstanden ist, stellen andere Parteien Forderungen auf.

Nils Hinden
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Der Kanton kauft 61'690 Quadratmeter Land im Sisslerfeld. Das entspricht rund acht Fussballfeldern.

Der Kanton kauft 61'690 Quadratmeter Land im Sisslerfeld. Das entspricht rund acht Fussballfeldern.

Valentin Hehli / ARG

Der Grosse Rat fällte diese Woche einen wegweisenden Entscheid für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Sisslerfeld: Die Aargauer Regierung hatte den Kauf von sechs Hektaren Land im Sisslerfeld für rund 20 Millionen Franken beantragt mit dem Vorhaben, es anschliessend für weitere rund sechs Millionen Franken zur Marktreife zu bringen.

Das sei nötig, weil die vielen Landbesitzer im betroffenen Gebiet heute die Niederlassung von grossen Firmen zurzeit erschweren würden.

Trotz unterschiedlicher Vorstellungen zur künftigen Nutzung haben die Parteien – zumindest vorerst – einen gemeinsamen Nenner gefunden und die Freigabe zum Erwerb von 61'690 Quadratmetern Land im Sisslerfeld erteilt. Mit 90:42 Stimmen wurde das Begehren der Regierung sogar überaus deutlich angenommen. Bis auf eine kamen dabei alle Gegenstimmen aus der SVP-Fraktion. Die restlichen Fraktionen stimmten grossmehrheitlich bis geschlossen für den Landerwerb.

Forderungen von rechts und links

Claudia Rohrer, SP-Grossrätin und Co-Fraktionspräsidentin.

Claudia Rohrer, SP-Grossrätin und Co-Fraktionspräsidentin.

Zvg

Bei den Fricktaler Grossrätinnen und Grossräten überwiegt die Freude über den Entscheid. Claudia Rohrer. SP-Grossrätin und Co-Fraktionspräsidentin, sagt beispielsweise:

«Grundsätzlich ist er positiv zu werten.»

Der Landerwerb durch den Kanton sei immer noch die beste mögliche Variante gewesen – auch wenn sie ihn lieber noch an ein Baurecht gebunden gesehen hätte. «Bei allen Sympathien für ökologische Landwirtschaftsflächen ist auch klar, dass das Sisslerfeld ein wirtschaftlicher Entwicklungsschwerpunkt des Aargaus ist, beim Verkauf wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle spielen werden und grosse Firmen als Käufer in Frage kommen», so Rohrer.

Alfons P. Kaufmann, Mitte-Grossrat und Fraktionspräsident.

Alfons P. Kaufmann, Mitte-Grossrat und Fraktionspräsident.

Severin Bigler

Die SP erwarte vom Regierungsrat, dass er weit in die Zukunft plane und mit den Interessenten auch Themen wie die Vergabe im Baurecht thematisiere. Schliesslich habe der Regierungsrat kein Interesse daran, dass das Sisslerfeld in 50 Jahren zu einer Industriebrache werde, so Rohrer.

Sehr zufrieden mit dem Entscheid von gestern zeigt sich auch der Mitte-Grossrat und Fraktionspräsident Alfons P. Kaufmann aus Wallbach. Das Vorhaben des Regierungsrats mit dem Land im Sisslerfeld decke sich grösstenteils mit den Positionen seiner Partei. Und weiter:

«Ich hoffe nun einfach, dass es speditiv vorwärtsgeht.»
Christoph Riner, SVP Grossrat.

Christoph Riner, SVP Grossrat.

Ata

Er denke bei dieser Angelegenheit auch als Fricktaler, sagt derweil SVP-Grossrat Christoph Riner aus Zeihen. So finde er den Landerwerb im Sisslerfeld entgegen seiner Fraktion grundsätzlich gut. Er ist überzeugt: «Da liesse sich etwas machen.»

Trotzdem ist Riner nicht ganz zufrieden. Denn: Die SVP blieb mit einem Antrag allein, wonach ein Verkauf des Landes gewinnbringend hätte sein müssen. Riner:

«Mich verwundert, dass da nicht unternehmerischer gedacht wurde.»
Gertrud Häseli, Grünen-Grossrätin.

Gertrud Häseli, Grünen-Grossrätin.

Zvg

Nun erwarte die SVP vom Regierungsrat, dass er im weiteren Vorgehen die Anliegen der Bevölkerung berücksichtige.

Weiter haben sich auch die Grünen zu einem Ja entschlossen. Zum weiteren Vorgehen sagt die Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli aus Wittnau:

«Ich erwarte vom Regierungsrat, dass er nun ökologische Kriterien berücksichtigt.»

Für das Land solle eine klimaneutrale Lösung gefunden werden, findet sie. Zudem solle man das Land «nicht restlos überbauen».

Bereits bei der Debatte im Grossen Rat waren die Vorstellungen zur künftigen Nutzung weit auseinandergegangen. Die Grünen beispielsweise wollten am liebsten Familiengärten oder Forschungsflächen für biologischen Landbau auf dem Areal sehen und die SP liess verlauten, dass sie es bevorzuge, das Land nach dem Kauf im Baurecht wieder abzugeben. Der Regierung wiederum schwebte eher die Schaffung von Tausenden Arbeitsplätzen im wertschöpfungsstarken Lifesciences-Bereich vor.

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