Wölflinswil

Kunst in den Farben des Aargaus – warum dabei rot fehlt

Acht Künstler zeigen im März im alten Gemeindehaus in Wölfinswil die Werke, die sie mit dem Aargauer Aquarellkasten malten. Wie war die Arbeit mit den Farben?

Nadine Böni
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Stefan Muntwyler in seinem Atelier – seine Bilder werden bald im Gemeindehaus zu sehen sein.

Stefan Muntwyler in seinem Atelier – seine Bilder werden bald im Gemeindehaus zu sehen sein.

Nadine Böni

Malen mit einem Aquarellfarbkasten, in dem eine der Grundfarben – nämlich Rot – komplett fehlt. Willi Schoder hatte damit zu Beginn etwas Mühe. Der Laufenburger Maler ist einer von acht Künstlern, die sich im vergangenen Jahr mit dem Aargauer Aquarellkasten von Stefan Muntwyler auseinandergesetzt haben.

Der Malkasten besteht aus 16 Farben, die grösstenteils auf Erdmaterialien aus dem Kanton basieren: Die daraus gewonnenen Pigmente bilden die Grundlage der Farben im Kasten.

Da gibt es etwa den «Gneis» vom Laufenburger Schlosshügel, ein Braunton, oder den «Orgenstein» aus Wölflinswil, ein leuchtendes Gelb.

12 Farben wurden aus Gesteinen gewonnen, zwei aus natürlichen Materialien: einerseits aus verköhlerten Zwetschgensteinen (Schwarz), andererseits aus Kreuzdornbeeren (Schüttgelb). Nur zwei Farben – das «Aargauer Rüebliorange» und das Wappenblau – sind synthetisch hergestellt.

450 Malkasten sind verkauft

Der Aargauer Aquarellkasten ist seit knapp einem Jahr im Verkauf, gut 450 Stück hat Muntwyler verkauft. Als gleich mehrere Bestellungen vom selben Mann aus Wölflinswil eingingen, habe ihn das schon gewundert, erzählt Muntwyler.

Wenig später stellte sich heraus: Der Mann war Hans Böller, Mitglied des Vereins Dorf plus. «Er erzählte mir, dass er die Malkasten an Aargauer Künstler verschenkt hatte und plane, mit ihnen eine Ausstellung zu organisieren.»

Muntwyler war von der Idee sofort begeistert, fragte gar noch mehr Künstler an. Ab Mitte März nun werden im alten Gemeindehaus in Wölflinswil die Werke von Stefan Muntwyler selber sowie von Willi Schoder, Agnes Barmettler, Hans-Rudolf Fitze, Otto Grimm, Bruno Landis, Sara Rohner und dem inzwischen verstorbenen Hans Anliker zu sehen sein.

Ausserhalb des Gewohnten

Die Arbeit mit den Farben habe Spass gemacht, sagt Schoder und fügt lachend an: «Sonst hätte ich rasch wieder aufgehört.» Das Gegenteil war der Fall. Der 87-Jährige arbeitete das ganze Jahr über nur mit dem Aargauer Farben.

Und gewöhnte sich so an deren Eigenheiten. Etwa, dass die Farben teilweise körniger sind als normale Farben. Oder eben: Dass die Farbe Rot fehlt und es stattdessen viele Grau-, Ocker- und Brauntöne gibt. «Am Anfang hat mich das irritiert – aber genau das war auch interessant.»

Es brachte den Künstler dazu, ausserhalb des Gewohnten zu denken und Neues auszuprobieren. 64 Werke hat Schoder im Lauf des Jahres erstellt. Für die Ausstellung in Wölflinswil wird er eine Auswahl treffen, 18 sollen zu sehen sein.

Was genau die Künstler in der Ausstellung zeigen werden, weiss Stefan Muntwyler nicht: «Das wird auch für mich eine Überraschung.» Umso grösser ist die Vorfreude darauf, die Kunst in den Farben des Aargaus zu sehen.

Aus dem Aargauer Aquarellkasten: Ausstellung vom 11. bis 25. März, jeweils samstags und sonntags, 13.30 bis 16 Uhr, im alten Gemeindehaus Wölflinswil