Prozess

Kein Wasser für Schweine? Bäuerin streitet vor Gericht alle Vorwürfe ab

Eine 57-jährige Bäuerin stand am Mittwoch wegen mehrfachen Verstössen gegen Tierschutz-, Tierseuchen- und Jagdgesetz vor dem Bezirksgericht Rheinfelden. Selbst hatte sie auf alle Vorwürfe eine Antwort parat.

Nadine Pfeifer
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Den Wollschweinen der Bäuerin stand bei einer Kontrolle des Bezirkstierarzt im Hochsommer kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, (Symbolbild)

Den Wollschweinen der Bäuerin stand bei einer Kontrolle des Bezirkstierarzt im Hochsommer kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, (Symbolbild)

Keystone

Eine Bäuerin musste sich gestern vor dem Bezirksgericht Rheinfelden verantworten, weil sie in mehreren Fällen gegen das Tierschutzgesetz, das Tierseuchengesetz und das Jagdgesetz verstossen habe. Die Landwirtin – sie hält 10 Rinder, 7 Ziegen, 1 Ziegenbock, 4 Wollsäue, 1 Hund, Katzen mit Jungtieren und früher auch 35 Schafe – ist keine Unbekannte beim Bezirksgericht Rheinfelden. Sie selber sagt zur Gerichtspräsidentin: «Sie haben auch viel mit mir zu tun, Frau Lützelschwab.»

Die 57-jährige IV-Rentnerin hat vor allem steuerrechtliche Verfahren am Hals, in absehbarer Zeit kommt noch ein Verfahren wegen Bedrohung von Beamten und Behörden dazu.

Kühe und Stier im Dorf

Der Angeklagten wird vorgeworfen, im Jahr 2012 bis 2013 ihre Tiere nicht artgerecht gehalten zu haben. Den Wollschweinen stand bei einer Kontrolle durch den Bezirkstierarzt im Hochsommer kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung, der Stier wurde ohne Artgenossen gehalten, die Schafe nicht geschoren.

Wegen mangelhaften Einzäunungen kam es wiederholt zu Ausbrüchen von Ziegen, Kühen und Schweinen. Ausserdem ist die Schäferhündin der Angeklagten beim Wildern erwischt worden und habe ein Schaf eines anderen Bauerns gerissen.

Ihr Verteidiger sagt in seinem Plädoyer: «Es kann mal vorkommen, dass eine Kuh ausbricht. Das ist sicher keine weltbewegende Geschichte.»

Ganz anders sieht das der Nachbar der Angeklagten, der ebenfalls Landwirt ist. Mehrmals pro Jahr müsse er die Polizei alarmieren. Die Ziegen der Angeklagten hätten bereits eine Hektare Jungwald zerstört, eine ausgebrochene Sau habe sein Feld umgewühlt und der Stier habe bei der Futterstelle seiner Mutterkühe Tumult veranstaltet.

Die Herde ist auch immer wieder mal im Dorf anzutreffen. Das ist gerade, weil ein Stier mitläuft, alles andere als ungefährlich.

Zum Ausbruch kommt es laut dem Nachbarn vor allem deswegen, weil die Zäune mangelhaft sind und zu wenig Futter in den Gehegen angeboten wird. Weil die Tiere Hunger haben, bedienen sie sich gerne an seinem Futter, wenn sie ausbrechen. «Wenigstens hat sie die Schafe inzwischen nicht mehr. Etwas weniger, das sie nicht halten kann.»

Alles halb so wild?

Die Bäuerin streitet alles ab und weiss auf alle Vorwürfe eine Antwort. Ihre Hündin habe nicht gejagt, sondern eine Frau, deren Namen sie leider nicht weiss, habe sie zum Spazieren mitgenommen. Auf dem Heimweg habe die Frau den Jagdaufseher getroffen und ihm den Hund mitgegeben, damit sie nicht mehr den ganzen Weg zurück zum Hof muss.

Der Jagdaufseher müsse dann in den Wald gefahren sein und die Polizei grundlos gerufen haben. Die Zäune warte sie immer korrekt. Sie geht davon aus, dass jemand das Weidetor geöffnet hat. Deswegen hat sie ihren Nachbarn sogar angezeigt.

Daran, dass die Schweine kein sauberes Trinkwasser hatten, seien diese selber schuld. Sie sagt: «Schweine wälzen sich gerne im Dreck und dann machen sie mit ihrer Schnauze alles dreckig.»

Und die Schafe konnte sie nicht scheren, weil sie im Sommer eine Knieoperation hatte und sich danach nicht wie geplant erholt hat. Sie habe es aber «bloss» von Mai auf August verschoben.

Dass ihre Hündin ein Schaf gerissen habe, tut ihr zwar sehr leid. Weil die Hündin jedoch kein Halsband trug, als sie gefunden wurde, geht die Beschuldigte davon aus, dass jemand ihren Hund ins Schafgehege gezwungen hat und die Hündin dabei aus dem Halsband gerutscht ist. Selbstständig habe der Hund sein Halsband nämlich noch nie ausgezogen.

Polizei habe keine Ahnung

Ausserdem zweifelt die Bäuerin, die seit einem Verkehrsunfall gesundheitlich angeschlagen ist, an der Kompetenz der Leute, die ihre Tierhaltung bisher beurteilt haben. «Der Bezirkstierarzt hat gelogen und die Sachen ganz falsch formuliert. Der ist wahrscheinlich nie auf dem Land, sondern immer nur in der Kleintierpraxis.» Und: «Die Regionalpolizei hat nun mal in Gottes Namen keine Ahnung!»

Ob die Bäuerin schuldig gesprochen wird, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Dann, wenn auch der Strafbefehl wegen Beleidigung von Beamten und Behörden behandelt wird.