Frick
Kaspar Lüscher, ein Raum und ein Mikrofon: So geht Lesung in Coronazeit

Kaspar Lüscher liest in der Galerie Artune in Frick aus seinem neusten Werk vor – die Besucher werden dabei in der ganzen bewohnten Galerie verteilt sein. Mithören können sie alle über Lautsprecher.

Thomas Wehrli
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Will in der Galerie Artune ein Hörerlebnis bieten: Kaspar Lüscher.

Will in der Galerie Artune ein Hörerlebnis bieten: Kaspar Lüscher.

Thomas Wehrli

Herausforderungen sind sein Ding. Diesmal ist sie noch etwas grösser, coronabedingt. Denn wenn Kaspar Lüscher am kommenden Donnerstag in der Galerie Artune in Frick seine neue Geschichte erzählt, ist er fast alleine im Raum. Die Besucher sind aufgrund der Corona-Vorschriften in den verschiedenen Räumen der bewohnten Galerie verteilt, hören ihn über Lautsprecher, aber sehen ihn nicht.

Gut, vielleicht wäre Lüscher auch gar nicht zu sehen, wenn er zu sehen wäre: «Ende Mai ist der Verpackungskünstler Christo gestorben», sagt Lüscher, lächelt. «Vielleicht verhülle ich mich ja ihm zu Ehren.»

Ob verhüllt oder nicht, die spezielle Situation reizt Lüscher. Zum einen verbindet sich so alles in dem Haus am Frickberg, die Details der Kunstwerke mit dem grossen Weltgeschehen, die Stille der Coronakrise mit dem Lebensschrei der Kunstwerke. «Durch das Hören kann sich zum anderen auch die Wahrnehmung im Raum verändern», sagt Lüscher. Ein Sein im Werden, wenn man so will. Wobei jeder für sich ist und doch in Gemeinschaft.

Es geht weit über eine Kunstbetrachtung hinaus

Wer Kaspar Lüscher kennt, weiss, dass die Lesungen, deren Rahmen die Bilder von Edlyn Brucker und die Objekte von Alex Schaufelbühl bilden, weit über eine Kunstbetrachtung hinausgehen. Sie fragen nach den Menschen hinter den Werken, fragen danach, was die Künstler bewegt, genau das zu machen, was sie machen. Und sie spüren auch dem nach, was die Werke für den Betrachter sein können, sein wollen.

Lüscher bereitet sich auf diese Betrachtungen jeweils akribisch vor. Er trifft die Protagonisten zu Gesprächen, stellt Fragen über Fragen, auch solche, über welche die Künstler stutzen, etwa, wenn er die Sockenfarbe wissen will. Er liest sich in die jeweiligen Kunstrichtungen ein, besucht Museen, um besser zu verstehen. Für diese Lesung – es ist die sechste dieser Art in der Galerie Artune – war er in der Fondation Beyeler und im Museum Tinguely in Basel.

Speziell sei es dort gewesen, erzählt er in der Küche seines gemütlichen Hauses, nur wenige Besucher – und alle auf Distanz. Die Frechheit in den Skulpturen von Tinguely liessen ihn darüber nachdenken, «ob das etwas mit dem zu tun hat, was Alex Schaufelbühl macht». Hat es? Es hat.

Transportieren will Lüscher mit seiner Lesung, die 30 bis 35 Minuten dauern wird, «eine Skizze der Künstler und der Menschen». Dabei ist es ihm wichtig, den Betrachter mit einzubeziehen und über das Naheliegende, das Vor-den-­Augen-Liegende hinauszugehen. Lüscher verstummt kurz, nippt an seinem Most. Die Frage, was systemrelevant sei, lasse ihn nicht mehr los. Es sei nicht nur das, was in der grossen Welt abgehe, sondern auch in der kleinen. «Jeder von uns ist in dem, was er tut, systemrelevant – genau durch das, was er tut.»

Auf das Echo auf diese besondere Lesung, dieses Abenteuer, wie er es nennt, ist Lüscher gespannt. Es fühle sich so an wie damals, als Kind, kurz vor Weihnachten.

Datum der Lesung

«Es lichtet sich der Nebel», Lesung von Kaspar Lüscher, 18. Juni, 19.30 Uhr, Galerie Artune, Frick.

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