Explosion in Gansingen

In den letzten Wochen wurde er immer verschlossener

Nach dem Drama von Gansingen bleiben viele Fragen offen. Vor allem jene nach dem Warum und wer A. war. Eine Annäherung.

Thomas Wehrli
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A. bei einem Ausflug.

A. bei einem Ausflug.

Die Brandermittler der Kantonspolizei konnten viele Fragen klären. Auf eine jedoch haben sie bislang keine Antwort: Warum hat der 59-jährige A. zuerst seine 50-jährige Freundin erschossen und dann sich selber? Und: Wer war A.?

Diese Fragen zu beantworten, fällt nicht leicht. Denn wer sich in Gansingen, dem Dorf, in dem A. seit vielen Jahren lebt, umhört, stellt schnell fest: Viele kannten A. nicht oder höchstens vom Sehen. Er habe zurückgezogen gelebt, berichten mehrere Anwohner übereinstimmend. «Man sah ihn nur selten im Dorf», sagt alt Gemeindeammann Martin Steinacher. Auch Gemeindeammann Mario Hüsler kannte A. nur vom Sehen. Ab und zu hätten sich ihre Wege gekreuzt, so Hüsler. «Dann haben wir uns gegrüsst. Zu einem längeren Gespräch kam es aber nie.» Auch im Restaurant Landhus sah man A. nur ganz selten.

Ein Nachbar, der zu A. ein kollegiales Verhältnis hatte, beschreibt den 59-Jährigen als sympathisch und umgänglich. In den letzten Wochen sei er aber immer verschlossener geworden.

Gearbeitet hat A. in der Zwischenlager Würenlingen AG als Leiter eines Chemielabors. Im Dorf erzählt man, er habe den Job verloren. Oder ihn gekündigt. Das Unternehmen wollte dazu am Mittwoch keine Stellung nehmen. Auch nicht dazu, ob sich A. in letzter Zeit verändert habe.

Die grosse Leidenschaft von A. war das Tätowieren. In seinem Einfamilienhaus führte er ein Tattoo-Studio. Er selbst hatte mehrere kunstvolle Tattoos und in der Gemeinde tragen ein paar Leute Tattoos, die A. gestochen hat. Die az fragte in mehreren Tattoostudios im Aargau nach. Gekannt hat A. niemand persönlich. Das sei aber auch nicht aussergewöhnlich, sagt ein Studioinhaber. Die Tattoo-Szene im Aargau sei gross. Ein anderer Tätowierer vermutet, dass A. schon länger nicht mehr praktiziert hat. «Denn er hat mehrere Kunden an mich weitergewiesen.»

Im Samariterverein aktiv

Als der 59-Jährige A. noch mit seiner Ex-Frau zusammen war, führten die beiden auf dem Anwesen in Gansingen eine Hundezucht. Mindestens sechs ihrer Hunde wurden zwischen 2003 und 2005 vergiftet. Der Täter konnte nie ermittelt werden.

Aktiv engagierte sich A. im Samariterverein. Er sei zwar nicht an jede Übung gekommen, sagte eine Samariterin, die namentlich nicht genannt werden wollte, am Dienstag gegenüber az. So habe er auch die beiden letzten Proben verpasst. An der Generalversammlung im Januar habe er aber noch teilgenommen. Eine andere Samariterin beschreibt A. als offen und sympathisch. Er sei ein ruhiger Zeitgenosse gewesen, der nie geprahlt habe.

In den sozialen Medien war A. auf Facebook aktiv. Öffentlich postete er nur wenig. Neben Porträtfotos hat er ein Bild von Gansingen publiziert, Fotos aus dem Fitnessstudio sowie eine Aufnahme von einer Schiffsrundfahrt. Und ein Bild von sich und vermutlich seiner Partnerin, wie sie ihn eng umschlungen hält. Beide scheinen auf dem Foto glücklich zu sein. Das Bild wurde am 25. Januar 2017 hochgeladen.

A. hinterlässt zwei erwachsene Kinder, einen Sohn und eine Tochter. Seine Partnerin (50) hat gemäss «20 Minuten» drei Töchter. Mit seiner Freundin war A. laut Anwohnern seit rund sechs Monaten zusammen.