In Bad Säckingen drohen keine Warteschlangen

Verschärfung der Obergrenzen für Kunden im Lebensmittelbereich in letzter Minute abgewendet – leere Innenstädte wegen Coronaflaute.

Hans Christof Wagner
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Aufatmen in Bad Säckingen: Die vom Land Baden-Württemberg beschlossenen, ab heute Dienstag geltenden neuerlichen Coronaverschärfungen betreffen den Lebensmittelhandel nicht. «Ich bin sehr erleichtert, dass es bei der alten Regel bleibt, sonst hätten wir lange Warteschlangen vor dem Markt gehabt», sagt Martin Schmidt, Geschäftsführer der Lebensmittelgruppe Schmidts Märkte, die mit zwei Filialen in Bad Säckingen auch von vielen Schweizer Einkaufstouristen frequentiert sind.

Wäre die Ausnahme der Supermärkte von der Neure­gelung nicht gekommen, hätte dies bedeutet, dass in dem an der Bundesstrasse gelegenen XL-Markt nur 190 Kunden gleichzeitig erlaubt gewesen wären. Bei 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche hätte sich das so bemessen: bis zur Grenze von 800 Quadratmetern ein Kunde pro zehn Quadratmeter, für die restlichen 2200 ein Kunde pro zwanzig Quadratmeter. Hätte diese Regelung schon am Wochenende bestanden, hätte Schmidt ein Problem gehabt. «Wir zählten am Samstag bis zu 250 Kunden gleichzeitig. So hätten bis zu 60 in der Schlange stehen und in der Kälte warten müssen.»

Neuerdings steht im XL-Eingangsbereich eine Ampel. Zeigt sie grün, ist der Eintritt möglich. Weil es jetzt bei der alten Regelung bleibt, springt sie erst auf Rot, wenn die Zahl von 300 Kunden erreicht ist, einer pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche. Schmidt: «Damit dürften wir die kommenden Wochen auskommen.» Ob das Limit aber kurz vor Heiligabend auch noch ausreicht, sei unklar.

Dass der Lebensmittelhandel von der Verschärfung verschont wird, stand erst seit dem gestrigen Montag fest. Das Argument: Er gehört zur Grundversorgung der Menschen.

Gähnende Leere in den Innenstädten

Modehäuser und Baumärkte trifft die Verschärfung. In der Praxis aber dürfte sich diese kaum bemerkbar machen. Denn: «Da so wenige Besucher unsere Städte besuchen und wir relativ grosszügige Flächen haben, kommen wir derzeit keinesfalls auch nur in die Nähe dieser Grenze», sagt Daniel Kistner vom Modehaus May mit Filialen in Waldshut, Laufenburg und Bad Säckingen. Kistner: «Die Coronapandemie sorgt seit Monaten für einen massiven Frequenzrückgang in diesen Städten und damit auch in unseren Häusern.» So sei May von den neuen Zutrittsbegrenzungen nicht betroffen. Auch die Baumarktkette Toom, die Niederlassungen in Bad Säckingen, Rheinfelden und Schopfheim betreibt, winkt ab. Eine Sprecherin: «Bei Toom gilt schon länger die Drei-Kunden-pro-100-Quadratmeter-Regel.» Normalerweise übersteige die Kundenanzahl diese Vorgabe in den Märkten nicht. «Sollte es im Weihnachtsgeschäft ein erhöhtes Kundenaufkommen geben, werden wir Türsteher einsetzen», kündigt sie an. Drei Kunden pro 100 Quadratmeter – bei der Bad Säckinger Toom-Filiale mit ihren 10000 Quadratmetern insgesamt lässt das auch 300 einmal zu.

Thomas Bruckschlegel aus Seon gehört zu den Schweizern, die gerne nach Bad Säckingen zum Einkaufen fahren, meist einmal pro Monat. Er sagt: «Früher sind wir öfters gekommen. Aber seit die Gastronomie in Deutschland geschlossen ist, ist es nicht mehr so attraktiv.»

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