Explosion in Gansingen

Gemeindeammann: «Es schockiert mich, was hier mitten im Dorf passiert ist»

Gemeindeammann Mario Hüsler kann noch nicht fassen, welches Drama sich am Sonntag in seinem Dorf abgespielt hat. Die Gemeinde werde die Angehörigen nach besten Kräften unterstützen.

Thomas Wehrli
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Der Schock sitzt Tief in der Gemeinde von Mario Hüsler.

Der Schock sitzt Tief in der Gemeinde von Mario Hüsler.

Dennis Kalt/Stefanie Suter

Man hört Mario Hüsler, Gemeindeammann von Gansingen, die tiefe Betroffenheit an, wenn er über das Drama spricht, das sich am letzten Sonntagmorgen gegen 4.30 Uhr in seinem Dorf abgespielt hat. «Es schockiert mich, was hier mitten im Dorf passiert ist.» Man wohne auf dem Land so nahe zusammen, denke, jeder kenne jeden, denke, etwas derart Tragisches könne hier nie und nimmer passieren. Falsch gedacht.

«Ich wurde abrupt aus dieser heilen Welt gerissen», sagt Hüsler. Ein erstes Mal am Sonntag, als klar war, dass im Haus zwei Menschen ums Leben gekommen sind; ein zweites Mal am Mittwoch, als bekannt wurde, dass sich in den Räumen des Einfamilienhauses in den Stunden vor dem Brand ein menschliches Drama abgespielt haben muss.

Nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft starben der 59-jährige Hausbesitzer A. und seine 50-jährige Freundin durch Schussverletzungen am Kopf. Man fand sie im Schlafzimmer. Die Staatsanwaltschaft geht derzeit nicht davon aus, dass eine Drittperson das Paar getötet hat. A. hat nach bisherigen Erkenntnissen zuerst die Freundin erschossen und dann sich selbst gerichtet. Explosion und Brand erfolgten, als die beiden bereits tot waren.

Fragen bleiben zurück

Seine Gedanken seien nun bei den Angehörigen der Opfer. «Für sie wird es unerträglich schwer, das Geschehene zu verarbeiten», sagt Hüsler. Vor allem auch, weil bei einem erweiterten Suizid, wovon derzeit auszugehen ist, viele Fragen offen bleiben, ganz speziell jene nach dem «Warum?». «Ich wünsche den Angehörigen viel Kraft und wir werden sie, so sie dies wollen, nach besten Kräften unterstützen.»

Am Sonntag noch dachte Hüsler, es werde eine Entspannung geben, sobald man wisse, was passiert ist. «Das ist nun nicht so. Das Wissen um das Drama belastet extrem und macht nachdenklich.» Neben den Angehörigen belastet es vor allem auch die Anwohner, die das Drama 1:1 mitbekommen haben. «Wir sind für sie da. Wenn es jemand wünscht, werden wir erneut das Careteam aufbieten.»

Neben dem Schock, der tief sitzt, empfindet Hüsler aber auch eine Dankbarkeit dafür, dass nicht noch mehr passiert ist. «Die Explosion hätte noch verheerendere Folgen haben können», sagt er. Dies habe die Feuerwehr «mit ihrem vollen Einsatz verhindert.»

In Gansingen explodierte am frühen Sonntagmorgen, 19. März 2017, ein Einfamilienhaus. Das Feuer brach am frühen Sonntagmorgen in einem Einfamilienhaus in der Fricktaler Gemeinde Gansingen aus.
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Die Flammen zerstörten das Haus weitgehend.
Nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, bargen Rettungskräfte zwei Leichen aus dem Innern der Brandruine.
So wüteten die Flammen am Sonntagmorgen.
Die Flammen griffen auch auf ein Haus in der Nachbarschaft über.
Die Flammen zerstörten das Haus weitgehend.

In Gansingen explodierte am frühen Sonntagmorgen, 19. März 2017, ein Einfamilienhaus. Das Feuer brach am frühen Sonntagmorgen in einem Einfamilienhaus in der Fricktaler Gemeinde Gansingen aus.

Peter Rippstein

Wünsche der Angehörigen berücksichtigen

Was es jetzt brauche, um das Geschehene zu verarbeiten, sei vor allem Zeit. «Sie kann nicht alle Wunden heilen, aber doch zumindest einige.» Ob es eine öffentliche Trauerfeier für die Opfer geben wird, kann Hüsler nicht sagen. «Das hängt in erster Linie von den Wünschen der Angehörigen ab. Sie müssen mit einer unfassbaren Last fertig werden.» Wenn die Angehörigen eine öffentliche Trauerfeier wünschen, so werde man sie dabei unterstützen.

Der 22. März wird als einer der bislang schwärzesten Tage in die Geschichte von Gansingen eingehen. Die «heile Welt», auf die Mario Hüsler von Bekannten aus anderen Regionen immer wieder angesprochen wird, gibt es an diesem Mittwoch nicht.