Fricktal
Baukran als Nistplatz: Wenn Störche bei der Nestsuche eigenwillig sind, kann das auch Probleme geben

Die Störche sind in grosser Zahl zurück im Fricktal und haben teils schon Eier in ihren Horsten liegen. Oft brüten sie in Nestern, die der Mensch für sie installiert hat, auf Kirchtürmen oder auf dafür vorbereiteten Pfählen wie in der Storchenstation Möhlin. Aber manchmal nistet Meister Adebar auch da, wo Konflikte oder Gefahren für ihn drohen.

Hans Christof Wagner
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Einen Baukran als Nistplatz hatte sich der Kaiseraugster Storch Camino 2018 in Porrentruy (JU) gesucht.

Einen Baukran als Nistplatz hatte sich der Kaiseraugster Storch Camino 2018 in Porrentruy (JU) gesucht.

Screenshot SRF (14. Mai 2018)

Das Wetter ist aktuell sonnig und warm – so steigen auch bei den Störchen die Frühlingsgefühle. Viele sind schon seit Februar aus ihren Winterquartieren im Süden zurück im Fricktal. Manche brüten bereits oder balzen nach erfolgreicher Partnersuche. Urs Wullschleger, der Kaiseraugster Storchenvater, erzählt:

«Schon 16 Pärchen sind wieder da. Und es könnten noch mehr werden. 2021 sind sie auch noch bis Mitte April gekommen.»

Sollte das zutreffen, läge der Nachwuchs der frühen Heimkehrer schon im Nest. «Manche, die im Februar zurückgekommen sind, sind aktuell bereits am Brüten», sagt Wullschleger.

Das freut ihn einerseits, erfüllt ihn aber andererseits auch mit Sorge. Denn wenn es im April nochmals kalt und regnerisch werden sollte, könnte das dem Storchennachwuchs gefährlich werden. Das noch nicht vollständig entwickelte Gefieder schütze nicht ausreichend vor Kälte und Nässe, so Wullschleger.

Sechs Pärchen nisten am Campingplatz Kaiseraugst

16 wieder zurückgekehrte Pärchen – kein Wunder, dass nahezu sämtliche Kaiseraugster Horste belegt sind. Allein sechs Pärchen haben Wullschleger zufolge die am Schwimmbad und Campingplatz stehenden Pappeln als Nistplätze auserkoren.

Er schätzt, dass es, wenn dort die Saison beginnt, deswegen zu Konflikten kommen könnte. Aber: Storchennester während der Bau- und Brutzeit zu bewegen oder zu entfernen, ist verboten.

Eigenwillige Störche sorgen dabei immer wieder für Schlagzeilen. Jüngst, als ein Storch beim Nestbau für einen Stromausfall in mehreren Gemeinden sorgte.

Aber auch bei Storch «Camino» aus Kaiseraugst, einem von 86 Störchen, die für das Projekt «SOS Storch – Storchenzug im Wandel» mit einem Datenlogger versehen wurden. Er hatte 2018 für Schlagzeilen gesorgt, als er seinen Horst ausgerechnet auf einem Baukran im Jura baute und so das Bauunternehmen vor Herausforderungen stellte.

Auch 2020 gab es in der Storchenstation in Möhlin Storchennachwuchs.

Auch 2020 gab es in der Storchenstation in Möhlin Storchennachwuchs.

nbo (18. Juni 2020)

Auch in Möhlin haben aktuell zwei Pärchen ihr neues Daheim so eingerichtet, dass ihre menschlichen Freunde deswegen besonders darauf schauen – auf einem Hochleitungsmast. Aber Bruno Gardelli, Leiter der Storchenstation in Möhlin, sagt:

Bruno Gardelli ist Leiter der Storchenstation in Möhlin.

Bruno Gardelli ist Leiter der Storchenstation in Möhlin.

hcw (16. Dezember 2021)
«Die Horste sind am obersten Teil des Masts ohne Strom. Und es handelt sich um Alttiere, die erfahren damit sind und wissen, wie sie die Leitung umfliegen können.»

Abzuwarten aber sei, wie ihr Nachwuchs damit klarkommt, räumt Gardelli auf Nachfrage ein. Mitte April werden wohl die ersten Jungvögel schlüpfen.

Freude über 30 Storchenpaare in Möhlin

Im Moment freut sich Gardelli darüber, dass es an der Storchenstation in Möhlin laut zu und her geht – bei 18 dort anwesenden Pärchen und 30 in Möhlin insgesamt. Störche legen ihren Kopf in den Nacken und klappern, was das Zeug hält. Die Männchen locken damit Weibchen an oder, sofern sie schon eines gefunden haben, klappern mit diesem gemeinsam während des Balzrituals.

Was sie damit sagen wollen? Laut Gardelli könne es zweierlei sein. Ein schlichtes Hallo an die Neuankömmlinge oder eine Ansage, die da lautet: «Hört mal, dieser Horst ist schon belegt. Müsst euch einen eigenen bauen.»