Fricktal
In Stein wird deutlich weniger Impfstoff abgefüllt – dafür vielleicht bald ein Covid-Medikament

Auch in diesem Jahr wird im Novartis-Standort in Stein der Impfstoff von Biontech/Pfizer abgefüllt. 25 Millionen Impfdosen sind als Zielmarke ausgegeben – nur noch die Hälfte des vergangenen Jahres, weil neben dem Fricktal jetzt auch in Slowenien abgefüllt werden soll. Doch auch für Stein gibt es Perspektiven.

Hans Christof Wagner
Drucken
Am Novartis-Standort Stein geht die Impfstoffherstellung für Biontech/Pfizer auch 2022 weiter – aber mit geringeren Mengen.

Am Novartis-Standort Stein geht die Impfstoffherstellung für Biontech/Pfizer auch 2022 weiter – aber mit geringeren Mengen.

zvg

Der Novartis-Standort im fricktalischen Stein wird auch 2022 bei der Bekämpfung der globalen Coronapandemie vorne mitspielen. Etwa 25 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer sollen das Werk bis Ende des Jahres verlassen.

Zudem wird Stein wohl auch zum Herstellungsort des gemeinsam vom Schweizer Pharmakonzern und einem Partner entwickelten Covid-19-Medikaments Ensovibep werden. Konzernsprecherin Anna Schäfers erklärt auf AZ-Nachfrage:

«Zurzeit laufen alle nötigen Vorbereitungen, um die Herstellung von Ensovibep in Stein schnellstmöglich starten zu können.»

2021 haben laut Schäfers mehr als 50 Millionen Impfdosen das Novartis-Werk in Stein verlassen – so viele wie vereinbart, als im Januar der Deal zwischen Novartis und Biontech/Pfizer bekannt geworden war.

Die Abfüllung unter sterilen Bedingungen konnte im Sommer 2021 aufgenommen werden, nachdem Novartis am Standort Stein rund fünf Millionen Franken in die Anpassung der Produktionsbereiche investiert und die Genehmigung der Anlage durch die Europäische Arzneimittelagentur abgewartet hatte. Etwa 70 Mitarbeitende wurden eigens für die Biontech-Produktion in Stein eingestellt.

Tiefe Temperaturen notwendig

Eine Herausforderung für den Pharmariesen und mit ein Grund für die zuvor getätigten Millioneninvestitionen war unter anderem, die für die Abfüllung nötige Kühllogistik bereitzuhalten. Denn die abgefüllten Injektionsfläschchen müssen auf unter minus 60 Grad Celsius eingefroren werden, bevor sie das Werk verlassen und an den Hersteller zurückgesendet werden.

Der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer gilt hinsichtlich der Lagerung als der anspruchsvollste unter den auf dem Markt befindlichen Vakzinen.

24 Millionen Dosen am zweiten Abfüllstandort in Slowenien

Doch kaum, dass die Impfstoffabfüllung in Stein begonnen hatte, gab Novartis im Oktober bekannt: Die Abfüllung des Impfstoffs für Biontech/Pfizer wird nicht aufs Fricktal beschränkt bleiben.

Der Konzern gab an, den Herstellungsprozess neben Stein auch auf den Novartis-Standort in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana auszuweiten. Dort soll in der ersten Hälfte 2022 die Abfüllung starten. Mindestens 24 Millionen weitere Dosen sind fürs aktuelle Jahr als Liefermenge anvisiert.

Die Gläschen für den Coronaimpfstoff werden auch 2022 durchs Steiner Novartis-Werk rattern.

Die Gläschen für den Coronaimpfstoff werden auch 2022 durchs Steiner Novartis-Werk rattern.

zvg

Mit dem Entscheid für einen zweiten Abfüllstandort ist Novartis zufolge Stein aber nicht aus dem Rennen. Der Fricktaler Standort werde davon nicht berührt. Konzernsprecherin Schäfers erklärt:

«Die Impfstoffproduktion in Stein kommt zu der von Slowenien on-top dazu.»

Allerdings sinkt die Zahl der in Stein produzierten Impfdosen um die Menge, die künftig aus Slowenien kommen soll. Die Frage, wie stark die Nachfrage nach Impfstoff weltweit aktuell ist, beantwortet Novartis nicht.

Läuft der Vertrag Ende Jahr aus?

Die Anlage in Ljubljana sei ebenso wie Stein ein moderner aseptischer Abfüllbetrieb, der eine breite Palette an Produkten für Sandoz, eine Division von Novartis, herstelle und liefere, wird in der Mitteilung von Oktober weiter festgehalten.

Grundlage der Impfstoffproduktion in Stein ist ein entsprechender Vertrag mit Biontech/Pfizer. Dieser ist 2021 zunächst bis Ende 2022 befristet abgeschlossen worden. Ob er inzwischen allenfalls verlängert wurde, beantwortet die Novartis-Medienstelle ebenfalls nicht.