Pandemie
Fehlende Planbarkeit: Fricktaler Bäcker kritisieren ungenaue Vorgaben zum Sonntagsverkauf

Weil Läden sonntags geschlossen bleiben müssen, mussten die Fricktaler Bäckereien ihre Confiserie- oder Geschenkartikel vorübergehend aus dem Sortiment nehmen. Nach dem chaotischen Wochenende wünschen sie sich nun genaue Vorgaben zum Verkauf an Sonntagen.

Nadine Böni
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Brezel durften die Bäckereien – hier Regina Waldburger im Café Maier in Möhlin – am Sonntag verkaufen.

Brezel durften die Bäckereien – hier Regina Waldburger im Café Maier in Möhlin – am Sonntag verkaufen.

Nadine Böni

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bescherte den Bäckereien in der Region am Wochenende einige hektische Stunden. Die Ankündigung, dass Läden sonntags ab sofort geschlossen bleiben müssen, Restaurants und Take-away-Betriebe aber offen bleiben dürfen, sorgte für ordentlich Betrieb. Gelten sie nun als Restaurant oder Take-away und dürfen somit sonntags öffnen oder gelten sie doch als Verkaufsladen und müssen dementsprechend geschlossen bleiben? «Es herrschte zunächst völlige Unklarheit», sagt Roman Maier, Geschäftsführer der Bäckerei Maier in Laufenburg.

Anfragen an verschiedene Ämter von Bund und Kanton brachten zwar Antworten. «Diese aber für die einzelnen Betriebe zuzuordnen, war schwierig», so Maier. In Absprache untereinander sowie mit dem Verband Aargauer Bäckerei-Confiseurmeister entschieden die Bäckereien deshalb schliesslich, ihre Cafés und Verkaufstheken am Sonntag offen zu halten.

Geschenkartikel wurden nicht verkauft

Allerdings teilweise mit Einschränkungen: Handelswarenartikel wie Confiserie- oder Geschenkartikel etwa wurden vorübergehend aus dem Sortiment genommen oder provisorisch abgedeckt und nicht verkauft. Wobei sich da natürlich bereits die nächste Frage stellte – was gilt als Handelswarenartikel und was nicht? «Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen entschieden», sagt Roman Maier.

Die BAG-Massnahmen warfen aber nicht nur bei den Bäckereien Fragen auf, sondern auch bei deren Kundinnen und Kunden. «Wir erlebten die ganze Bandbreite an Reaktionen», sagt Maier. Mehrheitlich seien diese positiv ausgefallen. «Viele Kundinnen und Kunden waren froh, dass sie trotz allem noch frische Backwaren kaufen konnten», sagt er. Gleich tönt es bei Michael Bracher, Geschäftsleiter des Fricker Bäckerei-Konditorei-Confiserie-Unternehmens Kunz. «Wir verzeichneten einen starken Zulauf von Kundinnen und Kunden in den Läden.»

Kunden hatten Schwierigkeiten, die Massnahmen nachzuvollziehen

Vereinzelt hätten die Menschen aber auch mit Unverständnis reagiert, «was wir verstehen können», so Maier. «Wir merkten, dass auch einige Kundinnen und Kunden Schwierigkeiten hatten, die Massnahmen nachzuvollziehen», sagt Bracher. «Einige waren in Gedanken wieder beim Lockdown im Frühjahr, wo ja die Cafés geschlossen wurden, die Läden aber offen blieben. Da gab es zwischendurch Erklärungsbedarf.»

Kein Wunder also, haben die Bäckereien vor allem einen Wunsch für diese Woche: möglichst rasch genaue Anordnungen von Bund oder Kantonen zu den Öffnungszeiten und Verkaufsmöglichkeiten. Und das aus verschiedenen Gründen. Da ist einerseits die Planbarkeit für die Mitarbeitenden, andererseits für die Produktion und den Einkauf. «Wir bestellen einige Waren im Moment kurzfristiger, um schnell auf Einschränkungen reagieren zu können», sagt Bracher. Trotzdem brauche es gerade bei Frisch- und Backwaren eine gewisse Vorlaufzeit und entsprechend Vorausplanung.

Viele Frischwaren hätten entsorgt werden müssen

Ein Entscheid mit einem Zeithorizont von wenigen Stunden für die Umsetzung sei deshalb zu kurzfristig, sagt Bracher. Die Verkaufswaren für den Sonntag etwa waren beim Entscheid vom Freitag entweder bereits fertig oder zumindest vorbereitet. «Das war auch ein Grund, weshalb wir uns gemeinsam dazu entschieden, am Sonntag unsere Cafés und Verkaufstheken zu öffnen – um Foodwaste zu verhindern», sagt Bracher.

Dasselbe Argument nennt auch Roman Maier. Er fügt ausserdem an: «Wir akzeptieren die Massnahmen, die Bund und Kantone uns vorgeben und werden uns daran halten. Schliesslich wollen auch wir dazu beitragen, dass sich das Virus nicht weiter ausbreitet. Wir wünschen uns aber eine möglichst frühzeitige Information.»

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