Oeschgen
Eine Abwahl und eine Unmutsäusserung

Für Martin Meier zieht Yves Keiser in den Gemeinderat ein – 200 Stimmen gehen an Vereinzelte.

Marc Fischer
Drucken
Teilen
Martin Meier, abgewählter Gemeinderat: «Es gab in meinem Ressort keine umkämpften Sachgeschäfte.»

Martin Meier, abgewählter Gemeinderat: «Es gab in meinem Ressort keine umkämpften Sachgeschäfte.»

Alle fünf bisherigen Gemeinderäte stellten sich in Oeschgen zur Wiederwahl. Doch die Stimmberechtigten haben am Sonntag das «eingespielte Team», wie Ammann Christoph Koch seine Crew im Vorfeld gegenüber der AZ nannte, auseinandergerissen. Sie haben den neuen Kandidaten Yves Keiser bereits im ersten Wahlgang in den Gemeinderat gewählt und den Bisherigen Martin Meier abgewählt (AZ von gestern).

Noch vor vier Jahren war Meier, der seit Anfang 2012 Teil des Gremiums ist, der Gemeinderat mit der höchsten Stimmenzahl. Damals wurde Meier von 257 Stimmberechtigten gewählt, nun waren es nur noch rund halb so viele (132). Meier verpasste damit sogar das Absolute Mehr von 143 Stimmen. «Ich bin enttäuscht», sagt er am Tag nach der Abwahl. «Aber wenn man zu einer Wahl antritt, muss man immer auch damit rechnen, dass man verlieren könnte.» Gründe für sein schlechtes Abschneiden ortet er eher im persönlichen denn im politischen Bereich. «Es gab in meinem Ressort keine umkämpften Sachgeschäfte.»

Yves Keiser, der mit seinen 218 Stimmen nicht nur Martin Meier hinter sich liess, sondern auch Ammann Christoph Koch (187) und Vizeammann Gabriele Wieser (205), ist «positiv überrascht», dass es bereits im ersten Wahlgang geklappt hat. «Ich habe die Feier genossen», so Keiser – das Ständchen der Musikgesellschaft ebenso wie die Gratulationen der künftigen Amtskollegen und der Besuch des im Dorf wohnhaften Regierungsrats Alex Hürzeler. Ausschlaggebend für die Wahl sei wohl nicht zuletzt seine Flyer-Aktion gewesen, ist Keiser überzeugt. «So war ich für die Wähler greifbarer. Sie konnten sehen, welches Gesicht hinter dem neuen Namen steckt.» Angetreten war er mit dem Slogan «Ohne Veränderung kein Fortschritt» und der Ansicht, dass eine Blutauffrischung auch einem funktionierenden Gremium guttun könnte.

Zeichen der Betroffenheitspolitik?

Tatsächlich lässt sich das Wahlresultat so deuten, dass nicht alle Oeschger mit der Politik des bisherigen Gemeinderats einverstanden sind. 200 Stimmen – gut 13 Prozent aller gültigen Stimmen – gingen an Vereinzelte. Als einziger übersprang dabei Thomas Obrist mit acht Stimmen die Hürde von fünf Stimmen, um namentlich im Wahlprotokoll aufgeführt zu werden.

Gemeindeammann Christoph Koch hat diese hohe Zahl zur Kenntnis genommen. «Wir werden auch im Rat noch darüber diskutieren», sagt er. Er führt das Ergebnis darauf zurück, dass der Gemeinderat in den letzten Jahren in Erschliessungsprojekten «eine konsequente Linie durchgezogen hat». Damit habe man wohl einige verärgert, die nun ihren Frust kundgetan hätten. «In kleineren Dörfern ist Demokratie schnell einmal Betroffenheitspolitik», so Koch. Dass es zu einer Abwahl komme, habe den Gemeinderat aber doch überrascht.

Über sein eigenes Resultat und den letzten Rang der fünf Gewählten ist Koch dagegen nicht enttäuscht. «Ich habe nicht erwartet, dass ich die beste Stimmenzahl erreiche», sagt er. «Als Gemeindeammann bin ich oft die Zielscheibe der Kritik.» Zumal er in den letzten Jahren aufgezeigt habe, dass Bauland freigegeben werden müsse, damit die Gemeinde wachsen könne. «Das hat bei verschiedenen Leuten für Unmut gesorgt.»

Aktuelle Nachrichten