Kaisten

Ein Briefkasten wird zur Blackbox voller Überraschungen

Josef von Reding erhält seine Post manchmal nicht – dafür Briefe für Fremde. Sein Briefkasten ist eine Quelle voller Überraschungen. Der Briefkasten wurden von einer analogen Mailbox zu einer Blackbox.

Marc Fischer
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«Ich frage mich, ob andere Leute auch von Fehlzustellungen betroffen sind»: Josef von Reding nahm auch diese Woche wieder einen fälschlich zugestellten Brief aus dem Briefkasten. mf

«Ich frage mich, ob andere Leute auch von Fehlzustellungen betroffen sind»: Josef von Reding nahm auch diese Woche wieder einen fälschlich zugestellten Brief aus dem Briefkasten. mf

Nein, Wunschzettel und Briefe ans Christkind hat er auch in der Adventszeit keine erhalten. Und dennoch hat sich der Briefkasten für Landwirt Josef von Reding aus Kaisten in letzter Zeit zu einer Quelle der Überraschungen entwickelt. Von einer analogen Mailbox zu einer Blackbox sozusagen. Und zwar gleich in doppelter Hinsicht.

Gewisse Briefe finden den Weg zum abgelegenen Hof von Josef von Reding nicht, andere aber treffen dort ein, obwohl sie für andere Empfänger bestimmt sind. Seit Wochen warten Josef von Reding und seine Frau beispielsweise auf Briefe von Verwandten und Bekannten, die einfach nicht eintreffen wollen. «Konkret wissen wir von drei Fällen, alles Post aus dem Ausland», so der Landwirt, «wie viele weitere Briefe es noch sind, wissen wir nicht. Normalerweise ruft ein Absender ja nicht an und kündigt seine Briefe an.»

Ja-Wort dank Fax möglich

Bereits seine Hochzeit hing wegen einer ausstehenden Postsendung am seidenen Faden. «Meine Frau stammt aus Deutschland», erklärt Josef von Reding. «Um heiraten zu können, mussten amtliche Dokumente wie der Taufschein aus ihrer Heimat vorliegen.» Mehr als sechs Wochen wartete das heiratswillige Paar und der Hochzeitstermin rückte näher und näher. «Schliesslich konnte die Hochzeit am vorgesehenen Termin nur stattfinden, weil der Taufschein per Fax eintraf – und ausnahmsweise akzeptiert wurde.

Da auch die derzeit «fehlenden» Briefe aus dem Ausland stammen, klemme es offensichtlich irgendwo, hält von Reding fest. Wo genau, das kann auch der Pressesprecher der Post, Bernhard Bürki, nicht eruieren. «Die Regel lautet, dass die ausländische Post die Briefe bis an die Grenze liefert und sie dort von der Schweizerischen Post übernommen werden», erklärt er.

Briefe für fremde Leute

Ein anderes Phänomen, das in letzter Zeit im von Reding’schen Briefkasten des öfteren auftritt, sind die Briefe, die eigentlich für andere Adressaten bestimmt sind. «Gerade diese Woche ist sogar ein Brief bei mir angekommen, der eigentlich ins Elsass sollte», erzählt der Landwirt. Doch auch Briefe für Nachbarhöfe und andere Adressaten finden auf wundersame Weise in die Birristrott, die rund 2,5 Kilometer entfernt von der Kaister Post liegt.

«Wenn die Briefe an Nachbarn adressiert sind, werfe ich sie jeweils selber bei ihnen ein», erzählt der Briefträger contre coeur, «weiter weg adressierte Sendungen werfe ich einfach wieder in den Post-Briefkasten.» Trotz aller Überraschungen will Josef von Reding die Pöstler nicht kritisieren: «Sie haben sicherlich keinen einfachen Job, stehen unter Zeitdruck und erst noch bei jedem Wetter im Einsatz.»

Laut Bernhard Bürki von der Schweizerischen Post wird die Verteilung der Briefe und Pakete von der Poststelle in Laufenburg koordiniert. Allerdings seien keine Reklamationen für das Zustellgebiet bekannt. Bürger, die Fehlzustellungen oder vermisste Briefe melden wollen, ermutigt er jedoch, dies beim Kundendienst zu tun.