Deutsche hoffen auf die Einkaufstouristen

Die Händler in Deutschland bereiten sich auf die Grenzöffnung vor – einige erwarten einen Ansturm, andere rechnen mit Zurückhaltung.

Markus Baier
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Bald wieder Alltag: Ab dem 15. Juni dürfen Schweizer wieder in Deutschland einkaufen.

Bald wieder Alltag: Ab dem 15. Juni dürfen Schweizer wieder in Deutschland einkaufen.

Bild: zvg (Stein, 2019)

Die deutsche Wirtschaft am Hochrhein sehnt die Grenzöffnung und damit die Rückkehr der Schweizer Kundschaft herbei, denn die vergangenen Monate waren für die Geschäfts­leute hart und mit gravierenden Umsatzeinbrüchen verbunden. Ohne Schweizer Kunden stehe eben als Einzugsgebiet nur ein Halbkreis zur Verfügung, erklären Gewerbeverbände sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK) übereinstimmend. Das sei schlicht nicht ausreichend.

Am 15. Juni nun gehen die Grenzen wieder auf. Im Hinblick auf die Rückkehr der Schweizer Einkaufstouristen herrsche bei den Geschäfts­leuten wie auch den Mitarbeitern der Unternehmen grosse Vorfreude, konstatieren die Handels- und Gewerbeverbände: «Dann sind wir wieder eine gemeinsame Region und nicht drei Staaten», sagt Elisabeth Vogt, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins Pro Bad Säckingen. Dass die Wirtschaft erheblich unter dem Ausbleiben der Schweizer Kundschaft gelitten habe, sei kein Geheimnis, ergänzt Jochen Seipp, Sprecher des Werbe- und Förderungskreises Waldshut. Insofern sei allenthalben die Hoffnung gross, dass möglichst bald wieder eine Normalität einkehre, wie man sie aus der Zeit vor der Pandemie kenne.

IHK-Chef Claudius Marx bremst indes die Euphorie: «Wir rechnen nicht mit dem verschiedentlich befürchteten Ansturm auf deutsche Geschäfte und Einkaufszentren, sondern gehen von einem eher langsam anlaufenden, stetigen Prozess aus.» Es gebe generell eine Zurückhaltung der Kunden, die zum Teil auf der «verwirrenden Vielfalt und Änderungsgeschwindigkeit der Coronavorgaben beruht», zum Teil auf der Vorsicht der Menschen, die vielfach noch immer zu Hause bleiben, und zum Teil auf den Hygienekonzepten, die das Einkaufs- und Gastronomieerlebnis belasten.

Grössere Anschaffungen werden aufgeschoben

Zugleich sehen viele Geschäftsleute wie Bruno Hall, Geschäftsführer des Fachmarkts Expert Villringer mit Hauptsitz in Lörrach, eine gewisse Zurückhaltung, die auf Zukunftsangst fusst: «Viele Menschen sind von Kurzarbeit betroffen oder haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Deswegen schieben sie grössere Anschaffungen lieber auf.» Wann und ob der Handel wieder das Umsatz-Niveau vor der Pandemie erreichen wird, ist jedenfalls ungewiss.

Gerade von Gewerkschaftsseite gibt es grosse Skepsis, dass mit der Rückkehr der Schweizer Kundschaft in den Geschäften ein Stück weit der Schlendrian Einzug halten könnte, weil plötzlich wieder deutlich mehr Kunden in die Innenstädte strömen. Die Dienstleistungs­gewerkschaft Verdi warnt in einer Mitteilung gar vor «chaotischen Verhältnissen».

«Wir teilen diese Bedenken nicht. Die Schutzmassnahmen gelten weiterhin für alle Kunden, egal woher diese kommen, das hat mit der Öffnung der Grenze erstmal nichts zu tun», betont etwa Elisabeth Vogt. Generell sollte die Grenzöffnung erst einmal als positive Entwicklung gesehen werden, denn «diese ist ein wichtiger Faktor, der zum Erhalt unserer Arbeitsplätze beiträgt».