Zeihen
«Corona hat uns einen zweiten Tiefschlag versetzt»: Vogelpark muss erneut um Spenden bitten

Corona hat Plan B für Winterreservenaufbau durchkreuzt – Zeiher «Ambigua» ist erneut auf Solidarität angewiesen.

Dennis Kalt
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Hat sein Lachen noch nicht verloren: Parkleiter Rolf Lanz und ein Gelbbrustara, der mit ihm Schabernack treibt.

Hat sein Lachen noch nicht verloren: Parkleiter Rolf Lanz und ein Gelbbrustara, der mit ihm Schabernack treibt.

Dennis Kalt

Dieser Schritt fiel Rolf Lanz alles andere als leicht. Gerne hätte der Leiter des Vogelparks Ambigua in Zeihen darauf verzichtet, noch einmal um die Solidarität der Bevölkerung zu bitten. Aber: «Corona hat uns einen zweiten Tiefschlag versetzt», sagt der 70-Jährige und ballt die Faust. Knapp 2000 Briefe hat er letzte Woche an Gönner, Parkbesucher und Bekannte verschickt, mit einem Einzahlungsschein und Informationen, wie es um den Park steht.

Wegen des Frühling-Lockdowns brachen dem Park die umsatzstärksten Monate weg. Winterreserven für die Zeit von Januar bis März, dann, wenn der Park geschlossen ist und keine Einnahmen durch Besucher generiert, konnte Lanz deswegen keine aufbauen. Diese sind jedoch notwendig, weil die Betriebskosten – Tierarzt, Futter, Personal – weiterlaufen. Mit Veranstaltungen wie Racletteabende oder einem Spaghetti-Plausch in der Beiz, die man dafür extra winterfest umgebaut hatte, plante Lanz, die nötigen Einnahmen zu kompensieren – die zweite Welle durchkreuzte jedoch diesen Notfallplan. «Dieses Jahr ist einfach nur brutal», sagt Lanz, der in den Park bereits eine mittelgrosse Summe aus eigener ­Tasche stecken musste.

Winterarbeiten, die derzeit im Park ausgeführt werden, wie etwa das Anlegen eines Baches durch die Volieren, damit sich die Papageien und Sittiche im Sommer erfrischen können, seien derzeit nur durch gönnerhafte Hände möglich. «Diese Abhängigkeit bin ich nicht gewohnt, die fünf Jahre zuvor lief der Park immer gut», sagt Lanz und verschränkt die Arme.

Park wird nun für Besucher auch im Winter geöffnet

Zeit zu hadern hat Lanz nicht. «Bringt ja nichts – andere sind noch viel schlimmer dran», sagt er und erzählt von Plan C. So öffnet er den Park zum ersten Mal nach Weihnachten bis März an allen Sonntagen. «Ich hoffe, dass der eine oder andere Ausflügler den Weg zu mir findet.»

Weil Lanz jemand ist, der versucht, positiv nach vorne zu schauen, fällt es ihm nicht leicht, zu sagen, was passieren würde, wenn die Pandemie die Einnahmen noch weiter zum Versiegen bringt. «Im schlimmsten Fall, wenn es wirklich nicht mehr anders geht, mache ich den Park zu und betreibe nur noch Artenschutz, um Lohnkosten einzusparen», sagt er.

Dass es so weit kommt, davon geht Lanz nicht aus. So plant er denn auch schon für den Sommer 2021 einen Workshop, in dem er Kindern und Jugendlichen die Artenvielfalt und die Haltung der exotischen Vögel näherbringen will. «Ziel ist es, die Teilnehmer zu begeistern, sodass der eine oder andere vielleicht selbst Interesse bekommt, einen Sittich oder Papagei zu halten und damit zum Artenschutz beizutragen», sagt Lanz.

Park erhält nun Geld für beschlagnahmte Tiere

Auch von einigen Lichtblicken kann Lanz berichten. Nicht nur, dass die ersten Spendenbeträge nach seinem Informationsschreiben eingegangen sind, auch das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen habe ihm nun grünes Licht gegeben, dass er zukünftig eine finanzielle Unterstützung für durch den Kanton beschlagnahmte Tiere, die er bei sich aufnimmt, erhält. Bisher war es so, dass Lanz ohne einen staatlichen Obolus die Tiere bei sich aufgenommen und gepflegt hat.

Unklar sei bisher jedoch noch, wie hoch der Beitrag ist und in welcher Form – jährlicher Betrag oder Betrag pro Tier – ausbezahlt werde. «Diese Nachricht war ein Glücksmoment für mich», so Lanz, «2021 kann es nur bergauf gehen.»

Wer Spenden möchte: Vogelpark Ambigua, CH33 8069 1000 0053 0621 6, Raiffeisen Regio Frick

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