Laufenburg
Bewilligten Baukredit gesprengt: Stadthalle kostet 2,3 Millionen zu viel

An der Gemeindeversammlung legt der Stadtrat die Kreditabrechnung für die Stadthalle Laufenburg vor. Das Bauprojekt hat statt der bewilligten 6,8 Millionen Franken (Projektierungs- und Baukredit) im Endeffekt 9,1 Millionen Franken gekostet.

Marc Fischer
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Die Stadthalle Laufenburg wurde im Mai 2013 eröffnet. Gekostet hat sie 2,3 Millionen Franken mehr als bewilligt.

Die Stadthalle Laufenburg wurde im Mai 2013 eröffnet. Gekostet hat sie 2,3 Millionen Franken mehr als bewilligt.

Susanne Hörth

«Lucky» war einer der Hits, den Bastian Baker während des Eröffnungskonzerts der Laufenburger Stadthalle zum Besten gab. Heute, dreieinhalb Jahre später, ist zumindest in finanzieller Hinsicht kaum jemand glücklich: An der Gemeindeversammlung vom 18. November legt der Stadtrat die Kreditabrechnung vor – und diese weist eine Kreditüberschreitung von 2,3 Millionen Franken aus. Heisst: Die Halle hat statt der bewilligten 6,8 Millionen Franken (Projektierungs- und Baukredit) im Endeffekt 9,1 Millionen Franken gekostet.

Der Stadtrat hat dies «akribisch analysiert», wie er in der Versammlungsvorlage schreibt. Die «wesentlichen Kostentreiber» führt er an und so wird ersichtlich, dass bei gewissen Punkten um 82 Prozent (Parkplatz und Umgebungsarbeiten), um 89 Prozent (Flachdach, Decke, Spenglerarbeiten) oder gar um 94 Prozent (Sanitäranlagen) gestiegen sind. Skonti oder Rabatte seien teilweise nicht eingefordert worden, heisst es weiter. «Dies wäre Aufgabe der Bauführer gewesen», so Stadtrat Thomas Argast.

Stadt zieht Anwalt bei

Baukommissionspräsident René Leuenberger sagt, die Kostenüberschreitungen bei den einzelnen Punkten seien durch Projektänderungen entstanden, «die ausnahmslos vom Stadtrat genehmigt waren». Stadtammann Herbert Weiss ist der einzige Stadtrat, der schon während der Bauzeit im Amt war.

In der Baukommission hatten allerdings damals Rudolf Lüscher und Carlo Alfano Einsitz. Weiss sagt heute: «Wir wurden im Stadtrat periodisch informiert und haben auch immer wieder die Kosten thematisiert.» Man sei allerdings der Meinung gewesen, «auf Kurs» zu sein.

Nun, der Kurs führte zu einer deutlichen Kreditüberschreitung. Und der Stadtrat wirft heute in der Versammlungsvorlage den Architekten vor, sie hätten «über den Kostenverlauf immer verspätet informiert, sodass geeignete Massnahmen nicht ergriffen werden konnten».

Der Stadtrat hat sich deswegen auch einen Anwalt genommen und klärt ab, ob eine Chance besteht, von Architekten, Ingenieuren oder Bauunternehmen Geld zurückzufordern. Die Kosten für den Anwalt haben laut Argast noch keine fünfstellige Höhe erreicht. Sie wurden aber bereits in die Kreditabrechnung integriert. Die Parteien sind jedoch weiterhin im Gespräch miteinander.

Architekt Adrian Kloter vom Büro BBKA Architekten in Basel bestätigt, dass es prozessbedingt zu Verzögerungen gekommen ist. «Dies ist aber bei jedem Bau der Fall. Wir mussten von Fall zu Fall unsere Fachplaner miteinbeziehen.» Zudem betont er: «Die Kosten waren an jeder Baukommissionssitzung ein Thema.» Weiter betont Kloter: «›Der Kostenvoranschlag mit einer Marge von plus/minus 15 Prozent wurde von der Gemeinde genehmigt.»

Abzüglich von Bauherrenwünschen, Bauherrenrisiken und Projektänderungen seien sie deutlich in diesem Bereich geblieben. Glücklich über die Mehrkosten, seien die Architekten nicht, sagt Kloter und gibt zu: «Die Komplexität des Baus war hoch.» Die Komplexität des Baus anerkennt auch Thomas Argast: «Sie ist ein Unikat. Gewisse Sachen waren im Kostenvoranschlag gar nicht enthalten.»

Rund 650'000 Franken der Mehrkosten gehen gemäss der stadträtlichen Vorlage auf Bauherrenwünsche und Bauherrenrisiken zurück. Der Baugrund etwa entsprach nicht den Annahmen und es mussten Massnahmen ergriffen werden. Architekt Kloter spricht von Lehmschichten, die nicht vorhersehbar gewesen seien.

Dies sieht auch Thomas Argast so. «Das gehört zu den Bauherrenrisiken.» Weitere rund 300'000 Franken rühren zudem von Einrichtung, Aufrichte und Einweihungsfest her, deren Kosten auf das Projekt verbucht wurden, aber nichts mit den eigentlichen Baukosten zu tun haben. Budgetiert waren diese Ausgaben nirgends, wie Argast erklärt.

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