Oberes Fricktal

104 Pastoralräume bis 2018 – erst die Hälfte ist erledigt

Die Kirche informierte über die Pastoralraum-Pläne im oberen Fricktal. Die vorgesehenen Zusammenschlüsse bereiteten auch Sorge. Genannt wurde etwa die Angst vor dem "Köfferli-Priester".

Claudia Bonge
Drucken
Teilen
Die Pfarreiverantwortlichen haben noch einiges zu tun auf dem Weg zum Pastoralraum AG 20 (v.l.): Thomas Sidler, Martin Linzmeier, Uli Feger und Bernhard Lindner.

Die Pfarreiverantwortlichen haben noch einiges zu tun auf dem Weg zum Pastoralraum AG 20 (v.l.): Thomas Sidler, Martin Linzmeier, Uli Feger und Bernhard Lindner.

Claudia Bonge

Bereits Ende 2006 setzte das Bistum Basel den Pastoralen Entwicklungsplan (PEP) in Kraft. In dessen Rahmen plante das Bistum unter anderem die Errichtung von Pastoralräumen, in denen mehrere Pfarreien zusammenarbeiten. In Gipf-Oberfrick fand ein Informationsabend für die beteiligten Gemeinden statt, um sich über den zukünftigen Pastoralraum auszutauschen.

Bis 2018 sollten 104 Pastoralräume entstanden sein, doch heute gibt es erst knapp die Hälfte dieser Zusammenschlüsse. Personal gezielt einsetzen, wo es nötig ist, und innovative Projekte gemeinsam umsetzen – das sind zwei der Ziele. Fünf Pastoralräume sind für das Fricktal geplant.

Angst vor dem «Köfferli-Priester»

Im Raum AG 20, zu dem die Pfarreien des bisherigen Seelsorgeverbands Tierstein mit Frick, Oeschgen, Gipf-Oberfrick, Wittnau, Wölflinswil-Oberhof und Kienberg sowie der Seelsorgeverband Homberg mit Zeihen, Hornussen und Herznach gehören, hat die Arbeit noch nicht begonnen. Das liegt mit daran, dass der zuständige Projektleiter, einer der bisherigen Gemeindeleiter, vom Bistum Basel noch nicht bestimmt wurde. Bis zum Herbst soll das geklärt sein, damit an der Kirchgemeindeversammlung informiert und über das Projekt abgestimmt werden kann.

Rund 40 Teilnehmende hörten sich die Erläuterungen von Christoph Sterkman, Bischofsvikar in der Bistumsregion St. Urs, an. Daniel Reidy berichtete von seinen Erfahrungen beim Aufbau des Pastoralraumes Möhlinbach. Danach wurden in Gruppen Fragen, Erwartungen und Befürchtungen formuliert. Eine der grossen Sorgen ist – neben dem künftigen Mitspracherecht – das weitverzweigte Gebiet.

Es wird befürchtet, dass der ernannte zuständige Priester als «Köfferli-Priester» unterwegs ist in Dörfern, in denen er keinen so persönlichen Kontakt hat wie in seiner Gemeinde. Ähnliches gilt für Taufen. Wenn nur noch ein Taufpriester für mehrere Pfarreien bestimmt ist, fehle die Nähe zu dieser Person. «Vieles lässt sich im zu erarbeitenden Konzept noch festlegen», sagt Sterkman – auch ortsspezifische Traditionen könnten bewahrt werden.

Gestalten statt Blockieren

«Das Problem des Personalmangels wird mit Pastoralräumen nicht gelöst», ist Martin Linzmeier, Gemeindeleiter in Gipf-Oberfrick, überzeugt. Es gebe nicht mehr Seelsorgende, aber die Arbeiten könnten breiter aufgeteilt werden. Die Nähe zum Seelsorger zu erhalten und gleichzeitig die Tätigkeit nicht auf die eigene Pfarrei zu beschränken – das werde die Herausforderung.

Die Gemeindeleiter sind der Meinung, dass man sinnvoll die Umsetzung gestalten muss, anstatt sie zu blockieren. Es gelte, in der täglichen Arbeit zu überzeugen, die Menschen ernst zu nehmen und das, was ihnen wichtig ist, im Konzept zu formulieren – dann bleibe die Kirche auch im Dorf.