Wohlen
Mehr Personal bei den Sozialen Diensten benötigt: Darum wird so wenig von der Sozialhilfe zurückbezahlt

Die Erfolgsquote der Gemeinde Wohlen bei der Rückforderung von Beträgen bei der sozialen Sicherheit ist im Vergleich mit anderen Aargauer Orten geringer. In einer Antwort auf eine Anfrage aus dem Einwohnerrat erläutert der Gemeinderat die Schwierigkeiten.

Marc Ribolla
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Bei der Gemeinde Wohlen sind derzeit 830 Stellenprozente für die Sozialen Dienste vorhanden – eine Modellberechnung sähe 1252 Stellenprozente nötig.

Bei der Gemeinde Wohlen sind derzeit 830 Stellenprozente für die Sozialen Dienste vorhanden – eine Modellberechnung sähe 1252 Stellenprozente nötig.

Marc Ribolla

Vor etwas mehr als zwei Jahren wollte es Mitte-Einwohnerrat Harry Lütolf genau wissen. Ihn trieb die Frage um, weshalb bei der Gemeinde Wohlen die Quote der Rückerstattungen bei der Alimentenbevorschussung und der materiellen Hilfe so tief ist. Als Vergleich führte Lütolf im Juni 2019 in seiner Anfrage an den Gemeinderat die Zahlen aus dem Jahr 2017 auf.

Damals lag Wohlen mit einer Erfolgsquote von 34,8 Prozent oder rund 183'000 Franken (Alimentenbevorschussung) und mit 26,3 Prozent oder rund 1,57 Mio. Franken (materielle Hilfe) im Vergleich mit ähnlichen Aargauer Orten oft weit zurück. Teilweise liessen sich dort Werte um die 60–70 Prozent realisieren.

Für Lütolf lag die Schlussfolgerung nahe, dass die Gemeinde Wohlen bei der Rückforderung dieser Gelder mehr Anstrengungen unternehmen müsste. Es gehe um rund 19 Steuerprozente oder total über 6 Millionen Franken, die jährlich ausbezahlt würden.

Er wollte deshalb vom Gemeinderat wissen, wie das Verhältnis der Rückforderungsquoten in Aarau, Aarburg, Baden, Brugg, Lenzburg, Neuenhof, Oftringen, Rheinfelden und Wettingen sei, wie er dies beurteile und ob er in Wohlen Handlungsbedarf sehe.

Zahlreiche Faktoren spielen eine Rolle bei Rückerstattungen

Nun liegt die ausführliche Replik des Wohler Gemeinderates vor. Er verweist darin vor allem beim Vergleich der Gemeinden auf die Schwierigkeiten der Vergleichbarkeit. Teilweise würden sich Abklärungserfolge nicht zwangsläufig in den abgebildeten Jahren niederschlagen. Zudem seien die Aufgaben bei den berücksichtigten Gemeinden nicht gleichartig organisiert. Deshalb:

«So beauftragen einige Gemeinden Dritte mit dem Alimenteninkasso, andere Gemeinden, wie die Städte Baden oder Aarau, haben die Sozialen Dienste mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet.»

Die Rückerstattungsquote hänge bei der materiellen Hilfe von zahlreichen Faktoren ab und gebe nur ein verzerrtes Bild der Realität ab. Grosse, einmalige Rückerstattungen wie nach einem Erbe beispielsweise würden die Quote stark beeinflussen, meint der Gemeinderat.

Der Exekutive ist die Problematik bewusst. Allerdings verweist man vor allem auf die schwierige Personalsituation bei den Sozialen Diensten. Die Abläufe und Aufgaben würden im Rahmen einer baldigen Neuaufstellung der Administration der Sozialen Dienste neu strukturiert – und der Bewirtschaftung der Rückerstattungen mehr Gewicht beigemessen.

Eine Modellberechnung des Verbands Aargauer Gemeindesozialdienste vom April 2019 weise für Wohlen zudem einen Bedarf von 1252 Stellenprozente aus. Aktuell sind aber nur 830 im Stellenplan vorhanden. Der Gemeinderat hält deshalb fest:

«Mit den damit zur Verfügung stehenden Stellenprozenten sind die Sozialen Dienste weiterhin von dem nach obengenannter Modellrechnung nötigen Personalbestand entfernt.»

Er prüfe deshalb laufend einen allfälligen zusätzlichen Bedarf. Vorläufig halte man aber an der im Finanzplan angezeigten Entwicklung des Stellenetats fest.

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